Warum die Fed diesmal nicht retten kannDie Architektur setzt es voraus
Ein Angebotsschock ist eines der wenigen wirtschaftlichen Ereignisse, das die normalen Regeln bricht. Und wenn ich "die normalen Regeln" sage, meine ich damit nicht irgendwelche abstrakten akademischen Modelle, die sowieso nie funktioniert haben. Ich meine die eine fundamentale Beziehung, auf der die gesamte moderne Geldpolitik aufgebaut ist.
In den meisten Umgebungen bewegen sich Wachstum und Inflation zusammen. Die Wirtschaft läuft heiß, die Preise steigen. Die Wirtschaft kühlt ab, die Preise fallen. Das ist intuitiv, das ist logisch, und – das ist der entscheidende Punkt – die gesamte Architektur der modernen Zentralbank nimmt genau das an.
Was hören wir von der Fed? Jedes Mal das Gleiche: *"Unser doppeltes Mandat ist maximale Beschäftigung und stabile Preise."*
Klingt harmlos. Klingt sogar vernünftig. Aber denkt mal eine Sekunde darüber nach, was dieses Mandat eigentlich *voraussetzt*: Es geht davon aus, dass man beides gleichzeitig optimieren kann. Dass es einen Weg gibt, sowohl den Arbeitsmarkt stark zu halten als auch die Preise im Griff zu haben. Und in drei von vier möglichen makroökonomischen Regimen stimmt das auch.
Lasst mich das aufbrechen, weil es für alles Weitere absolut fundamental ist:
Regime 1 – Overheating (Hohe Inflation + Starkes Wachstum): Die Wirtschaft brummt, die Preise steigen. Was macht die Fed? Zinsen rauf. Das Wachstum ist stark genug, um die straffere Politik zu absorbieren. Beide Teile des Mandats zeigen in die gleiche Richtung. Alles gut. Die Fed kann agieren, ohne sich selbst in den Fuß zu schießen.
Regime 2 – Goldilocks (Niedrige Inflation + Starkes Wachstum): Der Traum jedes Zentralbankers. Kein Druck von irgendeiner Seite. Halten oder graduell bewegen. Maximale Optionalität. Das ist das Regime, in dem die Fed sich am liebsten aufhält – und in dem die Aktienmärkte am liebsten nach oben kriechen.
Regime 3 – Deflation (Niedrige Inflation + Schwaches Wachstum): Die Wirtschaft schwächelt, aber die Inflation ist kein Problem. Perfekt. Aggressiv senken, QE einsetzen, die volle Feuerkraft des Toolkits ist verfügbar. 2020 war genau das. Alles hat gebrannt, aber die Fed konnte mit voller Wucht reinhauen, weil die Inflation nicht im Weg stand.
Regime 4 – Stagflation (Hohe Inflation + Schwaches Wachstum): Und hier wird es hässlich. Zinsen rauf? Vertieft die Rezession. Zinsen runter? Befeuert die Inflation. Es gibt keinen sauberen Zug mehr. Das Mandat hört auf, ein politisches Instrument zu sein. **Es wird zu einem Käfig.**
Das ist kein theoretisches Konstrukt. Die Daten sind brutal klar: Seit Ende der 1990er Jahre tritt die stagflationäre Preisgestaltung in den Märkten weniger als 10 % der Zeit auf. Es ist das seltenste aller vier Regime. Und gleichzeitig hat es das mit Abstand schlechteste Renditeprofil für die Assets, die die meisten Menschen in ihrem Portfolio halten.
Aktien runter. Renditen rauf. Dollar rauf. Durchschnittliche Duration: knapp 4 Tage am Stück – kurz genug, dass es die meisten Leute vergessen, bevor der nächste Nachrichtenzyklus anfängt. Aber lang genug, um Portfolios zu zerreißen, wenn man auf der falschen Seite steht.
Und genau da stehen wir gerade.
Der Grund, warum die Volatilität so hoch ist und alle so nervös sind, ist nicht, dass eine Rezession sicher ist. Es ist etwas viel Schlimmeres: Wir sind in dem einen Regime, in dem die Fed nichts dagegen tun kann, ohne etwas anderes kaputt zu machen. Das ist der Käfig. Und solange wir drin sind, gibt es für die Märkte kein Sicherheitsnetz.
Und jetzt will ich, dass ihr kurz innehaltet. Weil das, was ich gleich sage, der wichtigste Satz in diesem ganzen Report ist. Kein Scherz. Wenn ihr nur einen einzigen Absatz lest und den Rest überspringt – dann diesen hier.
Der Grund, warum die Volatilität so hoch ist. Der Grund, warum die Optionsmärkte so aufgebläht sind. Der Grund, warum selbst die großen Desks gerade defensiv positioniert sind und keiner so richtig weiß, wohin die Reise geht. Es ist **nicht**, weil eine Rezession sicher ist. Es ist nicht, weil irgendjemand einen geheimen Datenpunkt hat, der sagt: "Am 15. April bricht alles zusammen." So funktioniert das nicht.
Es ist etwas viel, viel Schlimmeres.
**Wir sind in dem einen Regime, in dem die Fed – die mächtigste Zentralbank der Welt, die Institution, die seit 2008 jede einzelne Krise mit Liquidität zugeschüttet hat – buchstäblich nichts tun kann, ohne etwas anderes kaputt zu machen.**
Lest das nochmal. Langsam. Die Fed, die 2020 innerhalb von zwei Wochen den gesamten Anleihemarkt aufgekauft hat. Die Fed, die 2008 Banken gerettet hat, die eigentlich hätten sterben sollen. Die Fed, die seit Jahrzehnten das unsichtbare Sicherheitsnetz unter den Märkten ist – dieses Netz, das dafür sorgt, dass Investoren nachts ruhig schlafen, weil sie wissen: "Wenn es wirklich schlimm wird, kommt Papa Fed und rettet uns."
Dieses Netz ist weg. Nicht, weil die Fed nicht *will*. Sondern weil sie nicht *kann*. In Regime 4 – Stagflation – gibt es keinen Zug, der nicht irgendwo anders Schaden anrichtet Zinsen senken? Befeuert die Inflation, die ohnehin schon zu hoch ist. Zinsen halten? Die Wirtschaft driftet weiter Richtung Rezession. Zinsen erhöhen? Dann brecht ihr den Verbraucher, der schon am Limit ist.
Es gibt keinen sauberen Ausgang. Es gibt kein "Eigentlich müsste die Fed einfach...". Nein. Es gibt kein "einfach". Das ist der ganze Punkt.
Und solange wir drin sind – solange die Daten nicht eindeutig in eine Richtung kippen, also entweder die Inflation von alleine fällt ODER das Wachstum so stark einbricht, dass die Inflation keine Rolle mehr spielt – solange gibt es für die Märkte kein Sicherheitsnetz. Keins. Null. Nada.
Und wenn ihr euch fragt, warum Gold gerade durch die Decke geht, warum Bitcoin und Aktien gleichzeitig fallen, warum der VIX auf Niveaus ist, die wir sonst nur in akuten Krisen sehen – dann ist genau das die Antwort. Die Märkte bepreisen nicht eine Rezession. Sie bepreisen die Abwesenheit eines Rettungsankers. Und das ist für die meisten Portfolios deutlich schlimmer
Die Übertragungskette
Okay, jetzt kommt der Teil, der mich persönlich wirklich nachts wach hält. Und ich sage das nicht für die Dramatik – ich meine das ernst. Denn ich höre gerade überall, auf Twitter, in Podcasts, in Research Notes von Banken, den gleichen verdammten Vergleich:
"Wir hatten 2022 auch einen Energieschock. Russland-Ukraine. Öl ist durch die Decke. Und was ist passiert? Die Fed hat die Zinsen hochgezogen, die Wirtschaft hat es überlebt, die Inflation ist runtergekommen, und am Ende hat sogar der Aktienmarkt neue Highs gemacht. Warum sollte es diesmal anders sein?"
Faire Frage. Wirklich, komplett fair. Und ich verstehe, warum Leute so denken. 2022 *hat* funktioniert. Die Fed *hat* es geschafft. Es *hat* keine Rezession gegeben. Also warum nicht einfach Copy-Paste?
Und die Antwort ist so simpel, dass es fast wehtut: **Weil das Polster weg ist.** Komplett. Restlos. Aufgebraucht.
Lasst mich das aufdröseln, weil es wirklich wichtig ist und die meisten Leute diesen Punkt komplett übersehen.
2022, als der letzte große Energiepreisschock die Wirtschaft getroffen hat – also als Russland in die Ukraine einmarschiert ist und die Ölpreise explodiert sind – da lagen die **realen Ausgaben** für Lebensmittel und Energie bei fast **8 % im Jahresvergleich**. Acht. Prozent. Acht!
Und jetzt ist es wichtig, dass ihr den Unterschied versteht zwischen *nominalen* und *realen* Ausgaben, weil hier der ganze Trick liegt:
Nominale Ausgaben = was die Leute in Dollar bezahlen. Wenn der Benzinpreis steigt und ihr den gleichen Tank volltankt, steigen eure nominalen Ausgaben. Das sagt erstmal nichts darüber aus, ob es euch besser oder schlechter geht
Reale Ausgaben = was die Leute tatsächlich kaufen. Die physischen Mengen. Die Liter Benzin. Die Kilo Fleisch. Die Packungen Reis. Wenn die realen Ausgaben bei 8 % liegen, heißt das: Die Leute haben nicht nur mehr bezahlt – sie haben auch mehr konsumiert. Die Nachfrage war so stark, so robust, so mit Momentum geladen, dass steigende Preise sie nicht einmal bremsen konnten
Denkt mal darüber nach, was das für die Fed bedeutet hat. Die sitzt da, sieht die Inflation bei 9 %, und muss entscheiden: Ziehen wir die Zinsen hoch oder nicht? Und dann schauen sie auf die Realdaten und sehen: Die Wirtschaft *brummt*. Die Leute geben aus wie verrückt. Der Arbeitsmarkt ist so eng, dass McDonald's Signing Bonuses zahlt. Jeder hat einen Job. Jeder gibt Geld aus.
In dem Umfeld kannst du als Zentralbank die Zinsen hochziehen. Du kannst sogar *aggressiv* hochziehen – 75 Basispunkte am Stück, viermal hintereinander, der brutalste Straffungszyklus seit den frühen 80ern. Und die Wirtschaft? Die steckt das weg. Sie murrt, sie verlangsamt sich ein bisschen, aber sie bricht nicht zusammen. *Weil* das Polster da war. *Weil* die Nachfrage stark genug war, um den Schlag zu absorbieren.
Das ist der entscheidende Punkt, den viele Leute übersehen: Hohe Inflation bei gleichzeitig hohem realem Wachstum ist unangenehm, klar. Die Leute beschweren sich. Twitter explodiert. Politiker schreien rum. Aber es ist *handhabbar*. Es ist das Regime, in dem die Zentralbank tatsächlich was tun kann, ohne alles kaputtzumachen. Weil der Boden unter den Füßen stabil ist.
Und jetzt?
Wir liegen bei etwa 2 % der realen Ausgaben im Jahresvergleich.
Von 8 % auf 2 %. Ich will, dass ihr euch diese Zahl wirklich reinzieht. Das ist nicht "ein bisschen weniger". Das ist nicht "leicht abgeschwächt". Das ist ein Fall um 75 %. Das ist ein völlig anderes makroökonomisches Universum. Das ist der Unterschied zwischen einem Boxer, der einen Treffer einsteckt und weiterkämpft, und einem Boxer, der schon wackelt, bevor die Glocke überhaupt läutet.
Und hier wird es richtig ungemütlich. Die Kluft zwischen nominalen und realen Ausgaben – also zwischen dem, was die Amerikaner in Dollar *bezahlen*, und dem, was sie tatsächlich in physischen Mengen *kaufen* – beginnt sich gerade gefährlich zu öffnen. Wie eine Schere, deren Klingen auseinandergehen.
Die nominalen Ausgaben steigen noch. Klar – weil die Preise steigen. Wenn Eier doppelt so teuer werden und du trotzdem Eier kaufst, steigen deine nominalen Ausgaben. Aber die realen Mengen? Die tatsächlichen Güter, die die Leute in ihren Einkaufswagen legen? Die schrumpfen. Die Leute kaufen weniger. Sie substituieren. Sie wechseln von der Marke zur Eigenmarke. Sie lassen Sachen im Regal stehen, die sie letztes Jahr noch mitgenommen hätten
Und das, Leute – genau das – ist der Moment, in dem höhere Preise aufhören, ein Zeichen von wirtschaftlicher Stärke zu sein, und anfangen, ein Zeichen von **Nachfragezerstörung** zu werden. Der feine, aber absolut entscheidende Unterschied zwischen "die Wirtschaft ist heiß" und "die Wirtschaft verbrennt sich".
Aber wartet, es wird noch besser. Oder schlimmer. Je nachdem, auf welcher Seite des Trades ihr steht.
Da gibt es nämlich noch den Lag. Den verdammten Lag. Das ist etwas, das in ungefähr 95 % aller Marktkommentare komplett ignoriert wird, weil es nicht sexy ist und sich nicht in eine Überschrift packen lässt. Aber es ist absolut fundamental.
Lebensmittel-CPI folgt historisch auf einen Energieschock mit einer Verzögerung von drei bis sechs Monaten.
Drei. Bis. Sechs. Monate.
Der Mechanismus ist eigentlich total logisch, wenn man ihn einmal durchdenkt: Die Energiepreise steigen zuerst. Das ist der erste Dominostein. Öl wird teurer. Dann wird Diesel teurer, der die LKWs antreibt. Dann werden die Transportkosten teurer – also alles, was irgendwo hingefahren werden muss (Spoiler: buchstäblich alles). Dann werden die Produktionskosten teurer, weil Fabriken Energie brauchen, um zu laufen. Dann wird die Verpackung teurer, weil Plastik aus Öl gemacht wird. Und irgendwann – drei bis sechs Monate nachdem der Ölpreis den ersten Spike gemacht hat – landet das alles... im Supermarktregal. In eurem Einkaufswagen. Im Lebensmittel-CPI.
Das heißt im Klartext: Der nächste Inflationsimpuls kommt erst noch.
Er ist unterwegs. Er ist buchstäblich auf der Autobahn in einem LKW, der gerade teurer geworden ist, mit Ware beladen, die gerade teurer geworden ist, verpackt in Material, das gerade teurer geworden ist. Aber er ist noch nicht in den Daten angekommen. Die nächsten CPI-Prints werden das zeigen. Und wenn sie es zeigen, wird der Markt so tun, als wäre das eine Überraschung. Obwohl es die offensichtlichste Sache der Welt ist.
Und jetzt kommt das GDPNow der Atlanta Fed ins Spiel. Ihr kennt das, oder? Dieses Echtzeit-BIP-Tracking-Modell, das die Fed Atlanta betreibt. Es ist nicht offiziell, es ist eine Schätzung, aber es ist das beste Live-Thermometer, das wir für die US-Wirtschaft haben. Und dieses Thermometer zeigt gerade knapp unter 2%.
Für Kontext, damit ihr versteht, was das bedeutet: Ende 2024 lag das GDPNow noch bei über 4% Vier Prozent! Die Wirtschaft hat gebrummt. Und jetzt, ein paar Monate später, sind wir bei unter 2 %. Das ist nicht ein "leichtes Bremsmanöver". Das ist nicht "die Wirtschaft kühlt sich gesund ab". Das ist eine Wirtschaft, die in Richtung Stall-Speed driftet
Stall-Speed – für die, die den Begriff nicht kennen – ist die Geschwindigkeit, unter der ein Flugzeug aufhört zu fliegen und anfängt zu fallen. Übertragen auf die Wirtschaft: Es ist die Wachstumsrate, unter der die Wirtschaft nicht mehr genug eigenes Momentum hat, um sich selbst am Laufen zu halten. Unter der kleine Schocks – die normalerweise absorbiert werden – plötzlich zu großen Problemen werden. Unter der ein verpasster Quartalsbericht, ein unerwarteter Datenpunkt, eine überraschende Zinserhöhung reichen kann, um eine Abwärtsspirale auszulösen.
Und genau in dieses Umfeld hinein – in diese Wirtschaft, die schon bei 2 % realen Ausgaben am Limit ist, die schon Richtung Stall-Speed driftet, die schon keine Reserven mehr hat – genau da hinein kommt jetzt der verzögerte Inflationsimpuls von den Energiepreisen. Wie ein Zug, der auf ein Auto zurollt, das am Bahnübergang steht und nicht anspringt.
Wenn – nicht falls, wenn – dieser Impuls in den Daten auftaucht, steht die Fed vor folgendem Dilemma. Und ich nenne es bewusst ein Dilemma und nicht eine "Herausforderung" oder eine "schwierige Entscheidung", weil ein Dilemma per Definition bedeutet: Es gibt keinen guten Ausgang. Nur verschiedene Varianten von schlecht.
Option A – Zinsen rauf? Okay, cool. Ihr steht vor einer Wirtschaft, die bei 2 % realen Ausgaben bereits am Limit ist. Eine Wirtschaft, die Richtung Stall-Speed driftet. Ein Verbraucher, der schon substituiert und weniger kauft. Und in dieses Umfeld wollt ihr die Zinsen erhöhen? Ihr riskiert nicht eine "sanfte Landung". Ihr riskiert, den amerikanischen Verbraucher komplett zu brechen. Und wenn der amerikanische Verbraucher bricht – der 70 % des US-BIP ausmacht, siebzig verdammte Prozent – dann bricht alles. Der Arbeitsmarkt. Die Unternehmensgewinne. Die Steuereinnahmen. Die Kreditqualität. Alles. Dominostein um Dominostein
Option B – Halten und abwarten? Klingt erstmal vernünftig, oder? "Wir machen einfach nichts und gucken, wie sich die Lage entwickelt." Das Problem: Wenn die Inflation wieder beschleunigt – und sie wird, weil der Lag-Effekt kommt, ob die Fed zuguckt oder nicht – dann werden die Inflationserwartungen unverankert. Und unverankerte Inflationserwartungen sind der absolute Albtraum jeder Zentralbank. Weil: Wenn die Leute anfangen zu glauben, dass die Inflation hoch bleibt, dann bleibt sie hoch. Es wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Arbeitnehmer fordern höhere Löhne, Unternehmen erhöhen die Preise, um die höheren Löhne zu bezahlen, Arbeitnehmer fordern noch höhere Löhne... die berühmte Lohn-Preis-Spirale. Und ihr bestätigt genau das, was die Märkte am meisten fürchten: Dass die Fed im Käfig sitzt und nicht rauskommt.
Option C? Es gibt keine Option C. Das ist der ganze Punkt. Das ist kein Schachspiel, bei dem man drei Züge voraus denkt und eine elegante Lösung findet. Das ist der Käfig in Echtzeit. Nicht als theoretisches Modell in einem Lehrbuch. Nicht als historische Anekdote über die 70er Jahre. Sondern hier. Jetzt. In den Daten. In den Preisen. In den Portfolios von Millionen von Menschen, die sich darauf verlassen haben, dass Papa Fed schon alles richten wird.
Der Energieschock ist kein Zufall
Die Vereinigten Staaten haben den Großteil von zwei Jahren – nicht zwei Monaten, zwei Jahren – damit verbracht, systematisch die Kanäle zu schließen, über die China auf reduziertes Rohöl zugegriffen hat. Und wenn ich "systematisch" sage, meine ich nicht "hier und da mal eine Sanktion". Ich meine eine koordinierte, multi-dimensionale Kampagne, die militärische, diplomatische, wirtschaftliche und nachrichtendienstliche Instrumente gleichzeitig einsetzt
Die Ziele? Primär: Iranisches und venezolanisches Rohöl.
Um das zu verstehen, müsst ihr wissen, wie China in den letzten zehn Jahren seinen Energiebedarf gedeckt hat. Offiziell kauft China Öl auf dem Weltmarkt, zu Weltmarktpreisen, wie jeder andere auch. Aber inoffiziell – und das ist der Teil, über den die FT nur in Nebensätzen berichtet – hat China ein ganzes Parallelsystem aufgebaut. Schattenflotten. Tanker, die ihre AIS-Transponder ausschalten (also ihre Position nicht mehr senden), sobald sie den Persischen Golf verlassen. Ship-to-Ship-Transfers mitten auf dem offenen Meer, bei denen Öl von einem iranischen Tanker auf einen "anonymen" Tanker umgeladen wird, der dann unter einer dritten Flagge nach China fährt. Zahlungssysteme, die den Dollar komplett umgehen – über chinesische Yuan, über Kryptobörsen, über Tauschhandel.
Das klingt wie ein Thriller. Aber es ist Realität. Und es war für China jahrelang ein *enormer* Wettbewerbsvorteil. Denn iranisches und venezolanisches Öl wird nicht zum Weltmarktpreis verkauft. Es wird mit einem massiven Rabatt verkauft – teilweise 30-40 % unter Brent. Warum? Weil beide Länder unter Sanktionen stehen und froh sind, überhaupt einen Käufer zu finden. China war dieser Käufer. Und China hat dafür *deutlich* weniger bezahlt als Europa, Japan oder Südkorea für das gleiche Barrel auf dem offiziellen Markt
Stellt euch das mal aus der Perspektive eines chinesischen Industrieunternehmens vor. Dein größter Kostenfaktor – Energie – ist 30-40 % billiger als bei deiner europäischen oder japanischen Konkurrenz. Nicht weil du effizienter bist. Nicht weil du bessere Technologie hast. Sondern weil deine Regierung bereit ist, geopolitische Ambiguität zu spielen und Öl von Ländern zu kaufen, von denen der Rest der Welt die Finger lässt. Das ist ein struktureller Vorteil, der sich durch die gesamte Lieferkette zieht – von der Stahlproduktion über die Chemie bis zur Elektronik.
Und genau diesen Vorteil versuchen die USA gerade abzuschneiden.
Die militärischen Operationen im Nahen Osten – und ich sage bewusst "Operationen", nicht "Krieg", weil es mehr ist als das und gleichzeitig weniger – sind der sichtbarste Teil davon. Aber es gibt noch andere Teile, die weniger Schlagzeilen machen: Verschärfte Sanktionsdurchsetzung. Druck auf Versicherungsunternehmen, die Schattenflotten-Tanker nicht mehr zu versichern (und ein unversicherter Tanker kann keinen Hafen anlaufen). Diplomatischer Druck auf die Golfstaaten, ihre Ölproduktion nicht zu erhöhen, um den Preisverfall zu kompensieren. Technologische Überwachung der Schiffsrouten.
Ob das alles explizit mit dem Ziel konzipiert wurde, Chinas Energievorteil zu zerstören – oder ob es lediglich ein bereits in Bewegung befindliches Ergebnis beschleunigt hat – das ist eine Frage, die ehrlich gesagt über meiner Gehaltsklasse liegt. Ich bin Analyst, kein Geopolitik-Professor. Und ich bin auch nicht naiv genug zu glauben, dass irgendeine Regierung der Welt so eine saubere Kausalität in ihrer Planung hat. Geopolitik ist chaotisch. Interessen überlappen sich. Zufälle passieren.
Aber. Was ich beobachten kann, ist die Struktur dessen, was drumherum passiert. Und die Struktur sieht so aus:
Die diplomatischen Verhandlungen im Nahen Osten. Die gleichzeitige Aktivität auf der Deal-Making-Ebene der US-Außenpolitik – Saudi-Deals, UAE-Deals, Israel-Normalisierung. Die Geschwindigkeit, mit der sich militärisches Handeln, wirtschaftliche Verhandlung und Kapitalströme verschränken. Die Tatsache, dass die Energiepolitik, die Sicherheitspolitik und die Handelspolitik der USA gerade alle in die gleiche Richtung zeigen – zum ersten Mal seit langer Zeit.
Das deutet nicht auf Improvisation hin. Hier stolpert niemand von einer Entscheidung zur nächsten. Hier reagiert niemand panisch auf die letzte Nachricht. **Es wird eine Sequenz ausgearbeitet.** Schritt für Schritt. Dominostein für Dominostein.
Und für uns als Trader – und das ist der Teil, der für eure Portfolios relevant ist, also spitzt die Ohren – ist der entscheidende Punkt nicht die politische Bewertung. Ob man das gut oder schlecht findet. Ob man die USA für Helden oder Schurken hält. Ob man China sympathisch findet oder nicht. Das alles ist komplett, zu 100 %, vollständig irrelevant für den Trade. Lasst eure politischen Meinungen an der Tür, wenn ihr den Handelsraum betretet.
Was relevant ist, ist eine einzige Erkenntnis, und die ist folgend
Der Energieschock ist nicht exogen
Er ist nicht einfach "passiert". Er ist nicht wie ein Erdbeben oder ein Vulkanausbruch oder ein Asteroid – also ein externer Schock, der aus dem Nichts kommt und gegen den niemand etwas tun kann. Er ist nicht zufällig. Er ist nicht ungeplant.
Er ist Teil einer strategischen Architektur. Einer Architektur, die über Jahre aufgebaut wurde, die multiple Akteure involviert und die Ziele verfolgt, die weit über den Ölpreis hinausgehen.
Und das bedeutet etwas sehr, sehr Konkretes für unsere Positionierung als Trader:
Er wird nicht zufällig enden.
Lest das nochmal. Weil das der wichtigste Satz in diesem ganzen Abschnitt ist.
Normale Rohstoffzyklen korrigieren sich. Öl steigt, Produktion steigt, Angebot gleicht sich aus, Preis fällt. Das ist Marktmechanik. Das ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Das funktioniert – solange der Preisanstieg *marktgetrieben* ist.
Aber wenn der Preisanstieg *strategiegetrieben* ist – wenn er nicht durch Marktmechanik ausgelöst wurde, sondern durch bewusste politische Entscheidungen – dann korrigiert er sich nicht durch Marktmechanik. Er korrigiert sich erst, wenn sich die Strategie ändert. Oder wenn die Strategie ihre Ziele erreicht hat.
Und solange keins von beidem passiert ist – solange die geopolitische Architektur intakt ist und ihre Ziele noch nicht erreicht sind – wartet jeder, der darauf setzt, dass sich die Energiepreise "von alleine" normalisieren, auf etwas, das nicht kommt. Wie jemand, der an einer Bushaltestelle steht, an der der Bus schon vor zwei Stunden die Route gewechselt hat.
Das ist der Unterschied. Und das ist der Grund, warum die Standard-Analyse – "Öl steigt, irgendwann fällt es wieder" – in diesem Umfeld nicht nur falsch ist, sondern gefährlich falsch
Okay. Jetzt kommen wir zu dem Teil, der diese Analyse von einer normalen Makro-Betrachtung unterscheidet. Und ich sage euch direkt: Wenn ihr bis hierhin gelesen habt und denkt "okay, spannend, aber am Ende ist es doch nur Wirtschaft" – dann wird dieser Abschnitt euer Bild verändern. Oder zumindest erweitern. Denn was jetzt kommt, ist der Grund, warum ich diesen Report überhaupt geschrieben habe.
Der normale Rezessionsrahmen, den ihr in den Nachrichten seht – auf Bloomberg, auf CNBC, in den Research Notes eurer Bank – ist rein wirtschaftlich. Und er geht ungefähr so:
Die Produktion schrumpft. Die Arbeitslosigkeit steigt. Die Konsumenten ziehen sich zurück. Die Unternehmensgewinne fallen. Die Zentralbank reagiert, indem sie die Zinsen senkt. Billigeres Geld fließt in die Wirtschaft. Irgendwann stabilisiert sich die Nachfrage. Die Wirtschaft erholt sich. Der Aktienmarkt dreht. Die Arbeitslosigkeit sinkt wieder. Und nach zwei, drei Quartalen redet niemand mehr drüber, und wir machen weiter wie vorher.
Rinse and repeat. So haben wir es alle gelernt. So steht es in jedem Lehrbuch. So erklärt es euch jeder Wirtschaftsprofessor. So funktioniert das Standard-Modell.
Und wisst ihr was? Für die meisten Rezessionen der letzten 80 Jahre hat das auch gestimmt. Es ist ein gutes Modell. Es funktioniert. Es beschreibt den Großteil dessen, was passiert, wenn eine Wirtschaft schrumpft und sich wieder erholt.
Aber – und das ist ein riesiges, fettes, unterstrichenes Aber – es greift hier fundamental zu kurz. Warum? Weil dieses Modell eine Annahme macht, die so selbstverständlich ist, dass sie nie hinterfragt wird: Es nimmt an, dass eine Rezession ein *rein wirtschaftliches* Phänomen ist. Dass sie in der Wirtschaft beginnt, in der Wirtschaft verläuft und in der Wirtschaft endet. Dass die Konsequenzen sich auf BIP, Arbeitslosigkeit und Unternehmensgewinne beschränken.
Und genau das ist falsch.
Eine Rezession ist nicht nur ein wirtschaftlicher Zustand. Hört mir jetzt genau zu, weil das der Satz ist, der alles Weitere zusammenhält:
Eine Rezession ist eine Verschiebung des Verhandlungsmachtverhältnisses zwischen Staaten.
Klingt groß. Klingt vielleicht sogar übertrieben. Aber denkt eine Sekunde darüber nach.
Und das ist übrigens nicht meine originelle Einsicht. Das ist nicht irgendein cleverer Take, den ich mir für TradingView ausgedacht habe. Das ist die älteste, fundamentalste Logik in der Staatskunst. Jede Großmacht der letzten 500 Jahre hat sie verstanden – von den Habsburgern über das Britische Empire bis zur Sowjetunion. Sie alle wussten: Ein Land, das wirtschaftlich schwach ist, ist ein Land, das strategisch verwundbar ist. Das ist nicht Ökonomie. Das ist Machtpolitik.
Und der Mechanismus dahinter ist eigentlich unkompliziert, wenn man ihn einmal sieht. Lasst mich ihn Schritt für Schritt aufdröseln:
Ein Land rutscht in eine Rezession. Was passiert?
Erstens: Der fiskalische Spielraum komprimiert sich. Die Steuereinnahmen fallen, weil weniger verdient und weniger konsumiert wird. Gleichzeitig steigen die Ausgaben – Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Konjunkturpakete. Der Haushalt gerät unter Druck. Die Regierung hat weniger Geld zur Verfügung, muss aber mehr ausgeben. Das klingt wie ein Verwaltungsproblem. Aber es ist viel mehr als das – denn ein Land, das keinen fiskalischen Spielraum hat, kann auch nicht in seine Verteidigung investieren. Kann nicht in Infrastruktur investieren. Kann nicht in strategische Industrien investieren. Kann nicht die Deals anbieten, die nötig wären, um Handelspartner bei der Stange zu halten.
Zweitens: Das politische Kapital erodiert. Die Bevölkerung ist unzufrieden. Die Arbeitslosigkeit steigt. Die Kaufkraft sinkt. Die Regierung steht unter Druck, *sofort* Ergebnisse zu liefern – nicht in fünf Jahren, nicht in zehn Jahren, *jetzt*. Das bedeutet: Die Regierung kann keine langfristigen strategischen Entscheidungen treffen, weil der politische Druck sie zwingt, kurzfristig zu handeln. Sie kann keine unpopulären Deals eingehen, keine harten Verhandlungspositionen halten, keine strategische Geduld zeigen. Weil die nächste Wahl immer vor der Tür steht und die Wähler wütend sind.
Drittens – und das ist der wichtigste Punkt: Die externe Glaubwürdigkeit bricht ein. Die Verhandlungspartner des Landes – im Handel, bei Wertpapieren, an den Kapitalmärkten – sehen all das. Die sehen die sinkenden Steuereinnahmen. Die sehen die steigende Arbeitslosigkeit. Die sehen den politischen Druck. Und sie bepreisen es. Sie wissen: Dieses Land *muss* einen Deal machen. Dieses Land *kann* es sich nicht leisten, vom Tisch aufzustehen. Dieses Land hat keine Alternative.
Und wenn dein Verhandlungspartner weiß, dass du keine Alternative hast, dann diktiert er die Bedingungen. So einfach ist das. So alt ist diese Logik. So brutal ist sie.
Das klingt abstrakt? Lasst mich das konkret machen. Richtig konkret.
Stellt euch vor, Deutschland rutscht in eine Rezession. Was, um ehrlich zu sein, nicht besonders schwer vorstellbar ist gerade – die deutsche Wirtschaft ist seit zwei Jahren im Grunde schon am Stagnieren, die Industrieproduktion fällt, der Mittelstand klagt, und die Energiekrise von 2022 hat Narben hinterlassen, die noch lange nicht verheilt sind.
Also: Deutschland ist in der Rezession. Die Wirtschaft schrumpft. Die Arbeitslosigkeit steigt. Die Sozialausgaben explodieren. Und Berlin sitzt am Verhandlungstisch – sagen wir, es geht um einen großen Handelsvertrag, oder um Investitionsabkommen, oder um kritische Rohstoffe für die Energiewende.
Auf der anderen Seite des Tisches sitzt: China.
China. Mit 3 Billionen Dollar Devisenreserven. *Drei Billionen.* Das ist mehr als das gesamte BIP von Deutschland, Frankreich und Italien zusammen in ihren Staatskassen als Reserve. Dazu eine Währung, die sie kontrollieren – nicht frei handelbar, sondern gemanagt, was ihnen erlaubt, ihre Exportpreise zu steuern. Und – vielleicht am wichtigsten – die Geduld eines Spielers, der weiß, dass die Zeit für ihn arbeitet. China plant nicht in Quartalen. China plant nicht in Legislaturperioden. China plant in Jahrzehnten.
Stellt euch jetzt diesen Verhandlungstisch vor. Auf der einen Seite: Ein Deutschland mit schrumpfender Wirtschaft, steigendem Haushaltsdefizit, politischem Druck von allen Seiten, einer EZB, die wegen der Inflation nicht einfach die Schleusen öffnen kann, und einer Bevölkerung, die nervös wird.
Auf der anderen Seite: Ein China, das geduldig lächelt und sagt: "Nehmt euch Zeit. Wir können warten."
Wer diktiert in diesem Gespräch die Bedingungen? Genau. Eben.
Und jetzt skaliert das hoch. Nicht nur Deutschland. Stellt euch vor, ganz Europa rutscht gleichzeitig in eine Rezession. Oder Japan. Oder UK. Oder alle gleichzeitig – was in einem globalen Energieschock-Szenario nicht unwahrscheinlich ist.
Plötzlich stehen multiple Länder unter Druck. Multiple Verhandlungspartner brauchen Deals. Multiple Volkswirtschaften sind verwundbar. Und wer sitzt auf der anderen Seite? Die Länder, die die Rezession *vermieden* haben. Oder sie zumindest *länger* vermieden haben als die anderen.
Das ist der entscheidende Punkt. Es geht nicht darum, ob du eine Rezession *komplett* vermeidest – das schafft vielleicht niemand. Es geht darum, ob du sie *länger* vermeidest als deine Konkurrenz. Denn das Land, das als Letztes fällt, steht auf der anderen Seite der Gleichung. Es darf Bedingungen festlegen. Es zieht die Kapitalströme an, die den schrumpfenden Volkswirtschaften davonlaufen. Es sammelt die strategische Hebelwirkung, die die anderen ausgeben mussten, nur um zahlungsfähig zu bleiben.
Das ist wie Poker. Du musst nicht die beste Hand haben. Du musst nur länger am Tisch sitzen bleiben als die anderen.
Und jetzt kommt der Teil, der das Ganze aus der Theorie in die Realität holt. Denn das ist nicht hypothetisch. **Wir haben das erst vor fünf Jahren live gesehen.**
1. COVID. Der größte synchronisierte Nachfrageschock der Nachkriegsgeschichte. Die ganze Welt fällt gleichzeitig in eine Rezession. Lockdowns überall. Lieferketten brechen zusammen. Flugzeuge stehen am Boden. Fabriken schließen. Millionen von Menschen verlieren ihren Job.
Und was passiert?
Der Westen – USA, Europa, Japan, UK – geht in den Krisenmodus. Stimuluschecks. Kurzarbeitergeld. Rettungspakete. Politisches Chaos. Impfstoffstreit. Maskendebatten. Die gesamte politische und wirtschaftliche Energie geht in die Krisenbewältigung. Jede Regierung kämpft um das eigene Überleben.
Und China? China sitzt da und verfolgt eine Strategie.
China hat die Krise schneller unter Kontrolle gebracht als der Rest der Welt. Ob durch echte Effizienz oder durch authoritative Maßnahmen – das ist für den Trade irrelevant. Was relevant ist: Während alle anderen mit dem Feuer gekämpft haben, hat China... Lieferketten gesichert. Handelsbeziehungen ausgebaut. Langfristige Rohstoffverträge abgeschlossen. Häfen in Südostasien finanziert. Infrastruktur in Afrika gebaut. Abhängigkeiten geschaffen – leise, geduldig, Schritt für Schritt.
Die Art von Abhängigkeiten, die man erst bemerkt, wenn es zu spät ist, sie rückgängig zu machen. Wenn dein Hafen mit chinesischem Geld gebaut wurde. Wenn dein 5G-Netz von Huawei betrieben wird. Wenn dein wichtigster Exportmarkt Shanghai ist. Wenn deine Rohstoffe über chinesische Logistikrouten laufen.
Die Rezession 2020 war der Moment, in dem China seine Position als dominierender Exporteur zementiert hat. Nicht mit Panzern. Nicht mit Drohungen. Nicht mit lauter Rhetorik. Sondern weil alle anderen eine Krise gemanagt haben und China in der Zwischenzeit die Zukunft gestaltet hat.
Und jetzt – fünf Jahre später – stehen die gleichen Zentralbanken, die 2020 noch "whatever it takes" rufen konnten, vor dem Käfig. Sie können nicht mehr "whatever it takes" rufen, weil die Inflation im Weg steht. Sie können nicht mehr die Geldschleusen öffnen, weil das die Preise noch weiter nach oben treiben würde. Sie sind gelähmt.
Und China? China hat fünf Jahre lang strategisch investiert, während der Westen von Krise zu Krise getaumelt ist. Von COVID zu Inflation zu Energiekrise zu politischer Polarisierung. Und jetzt kommt der nächste Schock. Und das Polster ist weg.
Die Zentralbanken, die heute vor dem Käfig stehen, kennen diese Geschichte. Sie haben 2020 live gesehen, was passiert, wenn man strategisch schwach ist. Sie wissen, was auf dem Spiel steht. Und genau das macht die aktuelle Situation so verdammt brisant. Denn die Entscheidung, die sie jetzt treffen müssen – straffen, halten, lockern – ist nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung. Es ist eine geopolitische. Und jeder Fehler hat Konsequenzen, die weit über den nächsten CPI-Print hinausgehen.
So. Jetzt wird es für jeden, der FX handelt – und ehrlich gesagt für jeden, der irgendein Portfolio hat, das über "alles in den S&P 500" hinausgeht – absolut entscheidend. Denn was ich euch jetzt erkläre, ist die Landkarte. Die Karte, die zeigt, wer in diesem Umfeld die Gewinner sind und wer die Verlierer. Und wenn ihr diese Karte einmal verinnerlicht habt, werden die FX-Bewegungen der nächsten Monate plötzlich Sinn ergeben.
Der G10-Block. Ihr kennt den. Das sind die zehn größten, liquidesten, am meisten gehandelten Währungen der Welt. Dollar, Euro, Yen, Pfund, Schweizer Franken, Kanada-Dollar, Aussie-Dollar, Kiwi-Dollar, schwedische Krone, norwegische Krone. Das ist "die entwickelte Welt". Das ist "der Westen" plus Japan und ein paar andere. Das sind die Währungen, in denen der Großteil des globalen Handels abgewickelt wird.
Und normalerweise – in normalen Zeiten – bewegen sich diese Währungen relativ zueinander basierend auf Zinsdifferenzen, Wachstumsunterschiede, Risk-On vs. Risk-Off, und vielleicht ein bisschen politisches Risiko hier und da. Standard-FX-Analyse. Carry Trades. Relative Value. Ihr wisst, wovon ich rede.
Aber in dieser* Umgebung – in einem Angebotsschock-getriebenen stagflationären Regime – funktioniert die Standard-Analyse nicht. Weil der G10-Block **kein einheitlicher Block ist. Er sieht nur von außen so aus. Innen drin ist er gespalten. Tief gespalten. Strukturell gespalten. Und die Trennlinie verläuft exakt entlang einer einzigen Variable:
Wer produziert Energie – und wer muss sie kaufen?
Das war's. Das ist die Trennlinie. Nicht Demokratie vs. Autokratie. Nicht Dienstleistungssektor vs. Industriesektor. Nicht Staatsschuldenquote oder Produktivitätswachstum oder demografische Profile. All das ist normalerweise wichtig. Aber in einem Energieschock wird all das zweitrangig gegenüber einer einzigen, brutalen Frage: Verdienst du Geld, wenn Öl steigt – oder verlierst du Geld?
Lasst mich das für beide Seiten aufdröseln. Ausführlich. Weil die Implikationen riesig sind.
Die Netto-Exporteure: USA, Kanada, Norwegen
Diese drei Länder produzieren mehr Öl und Gas als sie selbst verbrauchen. Sie sind Netto-Verkäufer von Energie auf dem Weltmarkt. Und das ändert *alles* daran, wie ein Energieschock bei ihnen ankommt.
Fangen wir mit den USA an. Die USA sind seit der Shale-Revolution – also seit ungefähr 2015 – der größte Ölproduzent der Welt. Größer als Saudi-Arabien. Größer als Russland. Und gleichzeitig sind sie auch ein riesiger Verbraucher – klar, mit 330 Millionen Menschen und einer autobasierten Infrastruktur verbrauchen die Mengen. Aber netto – Produktion minus Verbrauch – sind sie im Plus. Und das bedeutet: Wenn der Ölpreis steigt, passiert in den USA etwas, das in Europa oder Japan nicht passiert.
Der Energiesektor boomt. Die Bohrtürme laufen heiß. In Texas, North Dakota, New Mexico, Pennsylvania – überall dort, wo Shale-Öl und Shale-Gas gefördert wird – werden Jobs geschaffen. Nicht irgendwelche Jobs. Gut bezahlte Industriejobs. Der Trucker, der das Equipment zum Bohrloch fährt. Der Ingenieur, der die Fracking-Anlage wartet. Die Servicefirma, die die Pumpen liefert. Das Hotel, in dem die Arbeiter schlafen. Das Restaurant, in dem sie essen. Es ist ein ganzes Ökosystem, das vom hohen Ölpreis profitiert.
Dazu kommen die Steuereinnahmen. Höherer Ölpreis = höhere Gewinne für die Ölfirmen = höhere Unternehmenssteuern. Höhere Löhne im Energiesektor = höhere Einkommenssteuern. Mehr wirtschaftliche Aktivität in den Energieregionen = höhere Umsatzsteuern. Der Staat verdient mit. Auf Bundes-, Staats- und lokaler Ebene.
Und dann gibt es noch den Handelsbilanzen-Effekt. Wenn Öl teurer wird und du Netto-Exporteur bist, verbessert sich deine Handelsbilanz. Du verkaufst das gleiche Barrel, aber für mehr Dollar. Dein Handelsüberschuss wächst. Kapital fließt ins Land, weil die Leistungsbilanz sich verbessert. Der Dollar wird gestützt – nicht durch Zinsdifferenzen, sondern durch reale Warenströme.
Das heißt nicht, dass die USA keinen Schmerz spüren. Klar, auch der amerikanische Verbraucher zahlt mehr an der Zapfsäule. Auch in den USA steigt der CPI. Auch die Fed sitzt im Käfig. Aber – und das ist der entscheidende Unterschied – es gibt einen Airbag. Der Energiesektor puffert einen Teil des Schocks ab. Die Steuereinnahmen steigen, während sie woanders fallen. Die Handelsbilanz verbessert sich, während sie woanders kollabiert.
Der Käfig ist unangenehm, ja. Aber es gibt Polster. Es gibt Spielraum. Es gibt Optionen, die die andere Seite nicht hat.
Kanada – ähnliche Geschichte, nur extremer. Kanadas Wirtschaft ist noch stärker vom Energiesektor abhängig als die der USA. Alberta ist im Grunde ein Petrostaat innerhalb einer föderalen Demokratie. Wenn Öl steigt, boomt Alberta. Steuereinnahmen explodieren. Investitionen fließen rein. Der CAD wird gestützt. Kanada hat einen geringeren Diversifikationsgrad als die USA – das macht es volatiler in beide Richtungen – aber in einem steigenden Ölpreisumfeld ist das ein Feature, kein Bug.
Norwegen – der Sonderfall. Norwegen hat nicht nur Öl und Gas. Norwegen hat auch den größten Staatsfonds der Welt – über 1,5 Billionen Dollar. Aufgebaut aus Öleinnahmen über Jahrzehnte. Das heißt: Norwegen profitiert nicht nur vom aktuellen Ölpreis, sondern hat auch ein gigantisches Polster aus vergangenen Öleinnahmen. Die norwegische Krone ist in diesem Umfeld einer der sichersten Trades überhaupt – nicht weil Norwegen perfekt ist, sondern weil die strukturelle Position so überwältigend stark ist, dass sie fast alles andere überwiegt.
Die Netto-Importeure: Japan, UK, Eurozone (Deutschland, Frankreich, Italien...)
Und jetzt die andere Seite. Die Seite, auf der es wehtut. Richtig wehtut.
Fangen wir mit dem Grundmechanismus an, weil er so simpel wie brutal ist:
Diese Länder produzieren wenig bis kein eigenes Öl und Gas. Sie müssen *jedes einzelne Barrel* importieren, das sie verbrauchen. Und sie verbrauchen viel. Japan ist der viertgrößte Ölimporteur der Welt. Deutschland importiert fast seine gesamte Energie. UK hat zwar noch ein bisschen Nordsee-Produktion, aber längst nicht genug, um den eigenen Bedarf zu decken.
Das heißt: Jede Bewegung des Rohölpreises nach oben – jeder einzelne Dollar, den ein Barrel mehr kostet – fließt bei diesen Ländern direkt in ihre Inputkosten. In ihre Handelsbilanzen. In ihren Gesamt-CPI. Es gibt keinen Puffer. Es gibt keinen Energiesektor, der gegensteuert. Es gibt keine steigenden Einnahmen, die den Schmerz abfedern. Es gibt nur: höhere Kosten. Überall. Für alles.
Denkt darüber nach, was das konkret bedeutet. Für ein deutsches Industrieunternehmen zum Beispiel. Sagen wir, ihr produziert Chemikalien in Ludwigshafen. Euer größter Kostenfaktor? Energie. Gas für die Produktion. Strom für die Maschinen. Diesel für den Transport. Wenn der Ölpreis um 30 % steigt, steigen eure Produktionskosten um – je nach Branche – 10-25 %. Und diesen Kostenanstieg könnt ihr nicht einfach an den Kunden weitergeben, weil eure Konkurrenz aus den USA oder dem Nahen Osten billigeres Öl hat. Also frisst es eure Margen. Oder ihr verliert Aufträge. Oder beides.
Das ist nicht hypothetisch. Das ist genau das, was 2022 mit der deutschen Industrie passiert ist, als die Gaspreise durch die Decke gegangen sind. BASF hat Kapazitäten in Deutschland runtergefahren und in die USA verlagert. Weil Gas in den USA ein Bruchteil von dem kostet, was es in Europa kostet. Das war kein vorübergehender Effekt. Das war ein struktureller Shift. Und der jetzige Energieschock beschleunigt genau diese Dynamik.
Aber es wird noch schlimmer. Denn die Zentralbanken dieser Länder stecken im härtesten Teil des Käfigs. Lasst mich das erklären.
Die EZB, die Bank of Japan, die Bank of England – sie alle stehen vor dem gleichen Dilemma wie die Fed. Inflation zu hoch, um zu lockern. Wachstum zu schwach, um zu straffen. Aber – und das ist der Punkt, den die meisten Leute übersehen – ihre Version des Käfigs ist noch enger als der der Fed.
Warum? Weil die Fed wenigstens den Airbag des Energiesektors hat. Die EZB nicht. Die Bank of Japan nicht. Die Bank of England kaum. Sie bekommen die volle Wucht der Inflation ohne irgendeinen ausgleichenden Wirtschaftsimpuls. Die Inflation ist genauso hoch – oder höher – als in den USA, aber das Wachstum ist schwächer. Das Polster ist dünner. Die Reserven sind kleiner.
Sie können nicht frei stimulieren, weil die Inflation noch nicht abgeklungen ist – und wenn sie es tun, riskieren sie eine Währungsabwertung, die die importierte Inflation noch weiter nach oben treibt. Sie können nicht weiter straffen, weil das Wachstum ohnehin schon fragil ist – und wenn sie es tun, riskieren sie eine Rezession, die die gesamte fiskalische und politische Stabilität gefährdet. Jeder einzelne Zug macht irgendwo anders etwas kaputt. Es ist wie Mikado spielen, nur dass alle Stäbchen gleichzeitig wackeln.
Und *dann* – als ob das nicht schon schlimm genug wäre – kommt die zusätzliche Komplikation, die das Ganze von "unangenehm" auf "systemisch gefährlich" hochstuft. Und diese Komplikation hat einen Namen: Die Zinsdifferenz.
Das Inflationsprofil der Netto-Importeure hängt nämlich nicht nur davon ab, was *ihre eigene* Zentralbank tut. Es hängt teilweise davon ab, was die *Fed* tut. Völlig unabhängig von der eigenen geldpolitischen Haltung.
Und hier müssen wir kurz über Währungsmechanik reden, weil das der Schlüssel zum ganzen FX-Trade ist.
Die Logik geht so: Wenn die Fed die Zinsen hoch hält – oder sogar weiter anhebt – dann bieten US-Anleihen eine höhere Rendite als europäische oder japanische Anleihen. Was passiert? Kapital fließt dorthin, wo die Rendite höher ist. Also fließt Kapital in die USA. Investoren verkaufen Euro, kaufen Dollar, um US-Anleihen zu kaufen. Sie verkaufen Yen, kaufen Dollar. Sie verkaufen Pfund, kaufen Dollar.
Das Ergebnis: Dollar rauf. Euro, Yen, Pfund runter.
Und jetzt kommt der fiese Rückkopplungseffekt: Wenn der Euro, der Yen, das Pfund schwächer werden – was passiert mit ihren Importen? Sie werden teurer. Weil Öl in Dollar gehandelt wird. Wenn der Euro 5 % zum Dollar verliert, wird jedes Barrel Öl für Europa effektiv 5 % teurer – zusätzlich zu dem Preisanstieg, den der Ölpreis selbst schon gemacht hat. Das ist ein doppelter Schlag. Höherer Ölpreis UND schwächere Währung = maximale importierte Inflation.
Und was macht das mit der Inflation? Sie steigt weiter. Was bedeutet, dass die EZB, die BoJ, die BoE *eigentlich* straffen müssten, um die Inflation zu bekämpfen. Aber wenn sie straffen, verlangsamt sich das ohnehin schon schwache Wachstum noch weiter. Und wenn sie nicht straffen, wird die Währung noch schwächer, weil die Zinsdifferenz zur Fed noch größer wird, was die Inflation noch weiter erhöht.
Seht ihr die Spirale? Das ist eine klassische negative Rückkopplungsschleife. Und sie wird nicht durch interne Geldpolitik ausgelöst. **Sie wird durch Entscheidungen in Washington ausgelöst.** Die Fed erhöht die Zinsen oder hält sie hoch – und die EZB, die BoJ, die BoE bekommen den Schmerz, ob sie wollen oder nicht.
Lasst mich das nochmal ganz klar sagen, weil es so wichtig ist:
Der Käfig der Netto-Importeure verschärft sich aufgrund von Entscheidungen in Washington. Nicht in Frankfurt. Nicht in Tokio. Nicht in London.
Die EZB kann das perfekte geldpolitische Meeting haben. Die können alles richtig machen. Jede Entscheidung akademisch perfekt begründen. Und es spielt keine Rolle. Weil wenn die Fed gleichzeitig die Zinsen hoch hält, verschiebt sich die Zinsdifferenz, Kapital fließt ab, der Euro fällt, und die importierte Inflation steigt. Egal was die EZB macht.
Stellt euch das vor. Ihr seid Christine Lagarde. Ihr sitzt in Frankfurt. Ihr habt ein Mandat, die Inflation bei 2 % zu halten. Und eure Inflation wird teilweise von jemandem bestimmt, der in einem anderen Land, auf einem anderen Kontinent, in einem anderen Gebäude Entscheidungen trifft, auf die ihr keinen Einfluss habt. Null. Zero. Nada.
Das ist wie ein Autofahrer, der verzweifelt versucht, sein Auto auf der Straße zu halten, während jemand anderes das Lenkrad in der Hand hat. Ihr könnt bremsen, ihr könnt Gas geben, aber die Richtung bestimmt jemand anderes.
Die EZB, die Bank of Japan, die Bank of England – sie alle sitzen in einem Käfig, dessen Schlüssel jemand anderes in der Hand hat. Und dieser jemand – die Federal Reserve – hat seine eigenen Probleme und seinen eigenen Käfig und macht Entscheidungen basierend auf amerikanischen Daten, nicht auf europäischen oder japanischen.
Das ist die brutalste Form der geldpolitischen Asymmetrie, die es gibt.*Und wenn ihr FX handelt und diese Asymmetrie nicht in eurem Framework habt, dann handelt ihr blind. Punkt.
Was das alles zusammen beschreibt, ist ein Umfeld, in dem drei völlig unterschiedliche Ebenen gleichzeitig unter Spannung stehen. Und das Fiese daran ist: Die optimale Strategie auf jeder einzelnen Ebene widerspricht sich teilweise mit den anderen.
Ebene 1 – Geopolitisch:
Ein Land in der Rezession wird automatisch zu einem entgegenkommenderen Handelspartner. Es wird zu einem weniger glaubwürdigen Sicherheitsgaranten. Und – das ist der wichtigste Punkt – es wird zu einem attraktiveren Ziel für die Art von geduldigem, langfristigem Einfluss, den insbesondere China bereit und in der Lage ist einzusetzen.
China muss eine schwächere Wirtschaft nicht angreifen. Es muss nicht drohen. Es muss nicht einmal laut werden. Es muss nur warten. Finanzierung anbieten, wenn andere Quellen austrocknen. Versorgungsbeziehungen sichern, wenn westliche Lieferketten unter Druck stehen. Strukturelle Abhängigkeiten herausziehen – die Art von Abhängigkeiten, die man erst bemerkt, wenn es zu spät ist, sie rückgängig zu machen. Die Rezession ist der Zustand, der das möglich macht. Sie zu vermeiden ist daher nicht nur ein wirtschaftliches Ziel – es ist ein strategisches.
Ebene 2 – Wirtschaftlich:
Der Anreiz auf dieser Ebene ist simpel: Zeit gewinnen. Bevor die Wachstumsverschlechterung so weit fortschreitet, dass sie eine ungeordnetere Reaktion erzwingt. Liefervereinbarungen abschließen, um die Betriebskosten zu sichern, bevor der nächste Inflationsbericht eintrifft. Investitionszusagen machen, um Kapitalflüsse anzuziehen, die sonst das Schrumpfungsrisiko bepreisen würden und das Land verlassen. Handelsabkommen schließen, um Preismechanismen zu ersetzen, die gestört wurden.
Keine dieser Lösungen ist sauber. Alle sind Pflaster auf einer offenen Wunde. Aber alle sind besser als die Alternative – nämlich in einer Rezession am Verhandlungstisch zu sitzen und die Bedingungen von jemand anderem diktiert zu bekommen.
Ebene 3 – Zentralbankpolitisch:
Die sichtbarste und gleichzeitig am wenigsten handhabbare Einschränkung. Die Inflation, die noch nicht beseitigt ist, zu kürzen, birgt das Risiko, sie weiter zu verankern – also genau das Signal zu senden, dass die Zentralbank die Kontrolle verloren hat. Zu halten, während das Wachstum nachlässt, riskiert einen Nachfragekollaps, der den nächsten Lockerungszyklus deutlich kostspieliger macht.
Und hier wird die wirklich interessante Frage sichtbar – die Frage, die die Märkte meiner Meinung nach gerade am intensivsten bepreisen:
Es geht nicht darum, ob die Zentralbanken in den Angebotsschock hineinstraffen werden. Es geht darum, ob sie stillschweigend zulassen werden, dass sich die Liquiditätsbedingungen lockern. Ob sie die Bewertungen laufen lassen. Ob sie die Inflation der Finanzvermögen tolerieren – also Assets aufblasen lassen – anstatt die politischen und strategischen Kosten einer echten Kontraktion zu akzeptieren.
Denn am Ende des Tages wissen auch die Zentralbanker: Eine Rezession ist nicht nur ein wirtschaftlicher Rückschlag. Sie ist ein geopolitisches Einfallstor. Und diesen Preis will niemand zahlen.
Energie
Quanta - Was für eine Performance!Kurs verfünfacht in 3 Jahre! (36$ 06/2020 auf 180$ 06/2023).
Und das ziemlich gradlienig!
Hier ein paar Infos zu Quanta:
Quanta Services ist ein führender Anbieter von Vertragsdienstleistungen, der Infrastrukturlösungen für Energieversorgungs- sowie Öl- und Erdgasunternehmen anbietet. Zum Leistungsangebot des Konzerns zählen der Aufbau, die Installation, Instandhaltung und Reparatur von Energieinfrastrukturen. Des Weiteren erteilt das Unternehmen Genehmigungen im Bereich Glasfaserkommunikation und stellt damit einhergehend Dienstleistungen in den Bereichen Aufbau, Beschaffung, Errichtung und Wartung zur Verfügung. Das Unternehmen ist vornehmlich in den USA, Kanada und Australien tätig. Zu den zahlreichen Kunden zählen unter anderem Ameren, CenterPoint Energy, Kinder Morgan Energy Partners, Google oder Suncor Energy. Das Unternehmen ist in die Bereiche Electric Power Infrastructure Services, Oil and Gas Infrastructure Services und Fiber Optic Licencing and Other aufgeteilt. Das Electric Power Infrastructure Services-Segment bietet umfassende Netzwerk-Lösungen für Kunden in der Stromindustrie. Die Dienstleistungen des Segments umfassen in der Regel die Planung, Installation, Reparatur und Wartung der Energieübertragungs- und Verteilungsnetze und Umspannwerke sowie weitere Engineering- und technischen Dienstleistungen. Das Segment bietet auch Notrestaurierungs-Dienstleistungen, dazu zählen beispielsweise die Instandsetzung von durch Witterungseinflüsse beschädigter Infrastruktur sowie die Installation von "Smart Grid"-Technologien in Stromnetzen.
Aber nun die Fragen aller Fragen: wie geht es weiter?
Aktuell stößt der Kurs an der oberen Grenze des Aufwärtstrends an. Da wird es sicher einige Gewinnmitnahmen geben. Bei fallenden Kursen dann auch Verkäufe durch StopLoss.
Einstieg evtl. bei einem Rücksetzer. Wer schon investiert ist, sollte seinen Stop nachziehen.
Orsted, Potential nach BodenbildungDie Orsted Aktien legte im Zeitraum 2018 - 2020 eine fulminante Rally hin.
Vom Hoch im Januar 2021 ging es dann aber auch wieder steil bergab.
Die Aktie hat in den letzten Monaten einen Boden ausgebildet.
Von hier aus kann es wieder nach oben gehen.
Prallt der Kurs aber am Abwärtstrend ab, besteht die Gefahr für tiefere Tiefs.
Wenn er fällt, dann fällt er.GAS wieder auf dem Weg zum Boden mit lower high / double Top.
Aus charttechnischer Sicht dauern diese Bewegungen oft lange und der NATURAL GAS bildet immer wieder scharfe SPIKES, starke Anstiege, die von starken Abfällen begleitet werden.
Trading ist hier mit einem knappen SL sehr einfach.
Viel Erfolg.
NShort
Update ERDGAS / Short SetupNach meiner bull Aussicht letztens, überdenke ich die Analyse.
Nach dem starken Fail und dem Bruch nach unten sehe ich dies als eine erfolgreiche Bären-Flagge und damit einen SHORT 5-Wellen-Impuls und somit eine Richtungsänderung in einen fallenden Trend / erreichtes TOP.
Ich beobachte Kurse und versuche steigende ABC Erholungen SHORT zu handeln.
Viel Erfolg
NShort
Fundamental stark - technisch ABC beendet?Könnte weiterhin ein knapper Energiewert bleiben, Russland bringt die EU in eine mögliche Energiekrise, was GAS noch teurer und seltener machen könnte, da die Gas-Stände der Gazprom knapper werden - wohin das Gas wohl geht...?
Inflation, Knappheit und politisches Gefecht treiben die Preise höher.
Viel Erfolg
NLong
SSE (Scottish and Southern Energy) EnergieversorgerBritischer Energieversorger (ja hat auch was mit Erdgasversorgung zu tun) knabbert nun schon seit 2007 an einem harten Widerstand. Fällt dieser werden Ziele zur Oberseite frei.
Seit September 2021 hat sich eine schöne Flagge (weiß) gebildet, die vorige Woche bullisch ausgebrochen ist und nun erstmal wieder zurückfällt.
Darüberhinaus baut SSE zusammen mit Equinor in der Nordsee zwischen Großbritannien und Dänemark die weltweit größte Offshore-Windparkanlage.
2023 soll die Hälfte ans Netz gehen. Ein Jahr später die andere Hälfte.
Insgesamt 2,4 GW soll der Windpark leisten bei kosten von 6,7 Mrd €
Nordex Support und rounding bottomNordex konnte im letzten Jahr Kursgewinne von über 100% einfahren.
Seit dem Hoch bei 27€ im April ging es aber auch wieder steil bergab.
Der Kurs halbierte sich (-50%) und notiert wieder im Bereich von 13 - 14€.
Inzwischen deutet sich ein Rounding Bottom an. Das ist eine sehr aussichtsreiche Formation.
Zusätzlich wirkt der Bereich zwischen 13 und 14€ als Support.
Steigt der Kurs über die Marke von 15€ stehen die Chancen gut für Kurse im Bereich von 16-17€.
Danach können auch Werte im Bereich von 18 - 19€ erreicht werden.
Fällt der Kurs allerding unter 13€ dann muß mit weiteren Abgaben gerechnet werden.
Nordex hat in den letzten Monaten eine Reihe von großen Aufträgen erhalten. Das könnte dem Kurs einen Schub geben.
Als Nutzniesser der Energiewende sollte Nordex auch von den erhöhten Investitionen im Bereich erneuerbare Energien profitieren.
Allerdings kämpft Nordex mit einer eher niedrigen Gewinnspanne im Vergleich zu Konkurrenz.
Enphase - hält der Support bei 135 - 140Enphase macht die letzten Monate enorme Sprünge.
Von 143$ im Oktober 2021 ging es in nur 6 Wochen auf 280$ hoch. Das sind fast 100% Gewinn.
Genau so schnell ging es danach aber auch wieder abwärts.
Auch die Trendlinie bei 165$ konnte den Abverkauf nicht stoppen.
Aktuell notiert Enphase wieder bei 143$. Wie gewonnen so zeronnen.
Diese Volatilität stellt selbst Bitcoin in den Schatten. ;-)
Wohin geht die Reise?
Wenn der Supportbereich zwischen 135 und 145$ hält, dann besteht eine gute Chance auf wieder steigende Kurse.
Nächstes Ziel wären dann ca 170$, was einem Gewinn von ~20% entspricht.
Bei Kursen unter 130/135$ besteht die Gefahr für weiter fallende Kurse.
Scharfe Korrektur bei Enphase, Chance für Nachkauf, NeueinstiegMitte Oktober bot sich bei Enphase die Chance auf steigende Kurse.
Bei der letzten Analyse (siehe unten) stand der Kurs bei ca. 160$. Ziel waren 180 - 200$.
Innerhalb weniger Tage wurden die 190$ erreicht. Nach einer kleinen Korrektur ging es mit einem Gap rasant auf 220$ und im Peak stand der Kurs bei über 280$.
Das war ein ordentlicher Gewinn in wenigen Wochen.
Danach ging es allerdings wieder steil nach unten.
Das Gap wurde geschlossen und im Tief unterschritt der Kurs die 180$.
Der Kurs bewegt sich damit zwischen dem 61,8 und 78,6 Fibonacci-Retracement.
Im Bereich zwischen 180 und 200$ könnte sich ein Boden ausbilden, von dem aus es wieder aufwärts gehen könnte.
Aktienwoche Tag 2: Nel Asa wie geht es weiter?Stand Heute (weiter unten die Prognose für das letzte Jahr):
Nun wissen wir es gab keine Korrektur und es ging sauber weiter nach Oben. Am Chartbild zeige ich dir wie ich die Zukunft des Unternehmens sehe. Bislang sieht es nach wie vor gut aus!
Die Prognose aus dem letzten Jahr sah folgendermaßen aus:
Nel ASA ist ein norwegisches Unternehmen mit Sitz in Oslo. Nel ist ein global operierendes Unternehmen, das Lösungen für die Herstellung, Speicherung und Verteilung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien liefert.
Stimmung im Markt
Es nicht nach wie vor im Trend in neue Lösungen etc. im Bereich Energie zu kaufen. Wir selbst haben bereits vor ein paar Wochen in diese Aktie investiert (unter anderem im payed VIP Channel). Nachdem nun einige neue Aufträge für das Unternehmen aufgekommen sind und die Stimmung im Markt immer positiver wird wollten wir es euch nicht vorenthalten. Man kann auch jetzt bereits kaufen, aber wie ihr wisst haben wir eine Menge ,,geheimer" Aktien auf dem Schirm. Es liegt an dir ob du auf eine Korrektur wartest oder mit dem Trend mit gehst.
Rendite?
Aktuell ist hier noch nichts geplant, allerdings ist das Potenzial sehr groß. Mal sehen was die Zukunft bringt.
Wie sehen es Banken und weitere Experten auf dem Markt?
Es wird ganz stark auf BUY and Hold gesetzt. Einige Anleger warten zwar auf eine Korrektur (siehe Analyse) ob die kommen wird weis allerdings keiner.
JinkoSolar ABSOLUT UNTERBEWERTETHallo zusammen,
JinkoSolar ist für mich aktuell ein Must-Have.
Der Solar-Sektor hat ein Durchschnittliches:
- KGV>60, Jinko liegt bei ca 10
- KUV >10, Jinko liegt bei ca 0,6
Außerdem hat Jinko ein KBV von 0,5
Der Hammer ist allerdings, wie die Bilanzpositionen bewertet sind, denn ca 17€ des Kurses sind alleine nur die Barreserven, das kann vom Kaufpreis quasi abgezogen werden, da man einem mit dem kauf der Aktie ein Barwert von 17€ zustehen!!!
Eine konservative Kurszieberechnung hat bei mir folgendes Kursziel ergeben:
Barreserven+Kurzfristige Finanzeinlagen+(0,5*Vorräte)+(0,5*Forderungen)+(14*EPS)=600CNY ( ca 77€ )
Charttechnisch sieht es dagegen eher düster aus, der Kurs ist nach unten aus dem Dreieck ausgebrochen, findet aber an einem Fibo-Lvl Unterstützung.
Frischen Wind dürfte auch das Subventionspaket der USA für Erneuerbare Energien geben. Allerdings nicht, weil das Unternehmen davon direkt profitiert (ist ja ein chinesisches Unternehmen), sondern weil die Grüne Energie damit noch weiter in den weltwirtschaftlichen Fokus gerät.
Bei Fragen könnt ihr euch gern melden, AUCH STELLE ICH GERN DIE KOMPLETTE BILANZANALYSE ALS EXCEL DATEI ZUR VERFÜGUNG
Lasst gern einen Follow da!
Keine Anlageberatung
SMA: Daily Analyse⚡️SMA Daily Analyse ⚡️
Its coming soon here in german only (EN per mail)
Unternehmensstruktur
Die SMA Solar Technology AG mit Hauptsitz im nordhessischen Niestetal ist einer der weltweit umsatzstärksten und deutschlandweit bekannteste Hersteller von Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen
Stimmung im Markt
Die Stimmung ist allgemein in dem Sektor erneuerbare Energie sehr gut, und gerade bei so einem großem Unternehmen stehen die Zeichen auf Grün.
Rendite/Dividende?
Auch hier weiterhin sehr niedrig angesetzt bei etwa 0.30 %.
Wie sehen es Banken und weitere Experten auf dem Markt?
Banken sehen ebenso die Chance und Stabilität in diesem Unternehmen und schätzen deshalb auch langfristig hohe Ziele.
Hoffentlich konnte unsere persönliche Einschätzung weiterhelfen. Bei Fragen sende uns einfach eine Nachricht.
🇩🇪Die Analyse basiert auf der persönlichen Meinung unserer Experten. Es gibt keine Erfolgsgarantie.
🇬🇧The analyse is based on the personal opinion of our experts and there is no guarantee of succes.
CropeEnergies: Daily Analyse🔋CropEnergie Analyse 🔌
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Unternehmensstruktur
Die CropEnergies AG ist ein deutsches Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche, das zur Südzucker-Gruppe gehört.
Stimmung im Markt
Anleger sehen erneuerbare Energie meist als gute Sache an. Anleger sprechen seit Monaten zu 95%+ positiv über das Unternehmen. Auch hier ist die aktuelle Corona Krise beendet.
Rendite?
Geplant sind etwa 2.5 %
Wie sehen es Banken und weitere Experten auf dem Markt?
Wenige Banken scheinen aktuell etwas zu der Aktien sagen zu können/zu wollen. Dennoch wird von Hold gesprochen.
Hoffentlich konnte unsere persönliche Einschätzung weiterhelfen. Bei Fragen sende uns einfach eine Nachricht.
🇩🇪Die Analyse basiert auf der persönlichen Meinung unserer Experten. Es gibt keine Erfolgsgarantie.
🇬🇧The analyse is based on the personal opinion of our experts and there is no guarantee of succes
CLong















