DAX Tagesausblick 08. Mai – NFP Day im FokusNahost-Lage bleibt zentraler Markttreiber
Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt weiterhin der wichtigste kurzfristige Belastungsfaktor für die Märkte. Gestern kam es insbesondere im DAX und europäischen Risk Assets zu einem deutlichen Abverkauf, ausgelöst durch neue Eskalationen rund um den Iran-Konflikt, militärische Zwischenfälle im Bereich der Straße von Hormus sowie Sorgen um die globale Energieversorgung.
Gleichzeitig kursieren weiterhin Meldungen über mögliche temporäre Waffenstillstände oder diplomatische Gespräche zwischen den USA und dem Iran. Genau diese widersprüchliche Nachrichtenlage sorgt aktuell für hohe Intraday-Volatilität und schnelle Richtungswechsel. Der Fokus bleibt dabei klar auf dem Ölmarkt und den möglichen Folgen für Inflation und Geldpolitik.
Tankerbewegungen durch die Straße von Hormus bleiben eingeschränkt und Öl wird weiterhin aggressiv gekauft. Der Markt preist aktuell kein vollständiges Krisenszenario ein, allerdings sehr wohl das Risiko dauerhaft höherer Energiepreise und damit erneut steigender Inflation. Höhere Energiepreise würden die Inflationsdynamik erneut anheizen und könnten dafür sorgen, dass Zinssenkungen weiter nach hinten verschoben werden. Sollten die Ölpreise langfristig hoch bleiben, könnten sogar wieder Zinserhöhungen zum Thema werden.
Trotz der geopolitischen Unsicherheit sehen wir aktuell aber noch keine klassische Panikreaktion an den Märkten. Der DXY bewegt sich weiterhin in seiner bekannten Range, der VIX bleibt unter der Marke von 20 und auch die US-Indizes zeigen bislang lediglich kontrollierte Gewinnmitnahmen.
Wirtschaftsdaten gestern
Im Fokus standen gestern die Initial Jobless Claims.
Actual: 200K
Forecast: 205K
Previous: 190K
Die Daten lagen leicht besser als erwartet, zeigen im Vergleich zum vorherigen Wert aber dennoch eine erste leichte Abschwächung am Arbeitsmarkt. Die Zahl neuer Arbeitslosenmeldungen steigt langsam an und genau darauf achtet der Markt aktuell besonders sensibel.
Noch handelt es sich keineswegs um einen massiven Einbruch am Arbeitsmarkt, allerdings unterstützen die Daten weiterhin die Zinssenkungsfantasie für die kommenden Monate. Sollte sich dieser Trend in den kommenden Wochen fortsetzen, dürfte die Diskussion über mögliche Rate Cuts erneut an Dynamik gewinnen.
Fundamentaldaten heute – NFP Day
Heute steht das wichtigste makroökonomische Event der Woche an. Im Fokus stehen die Non-Farm Payrolls, die Unemployment Rate sowie die Average Hourly Earnings.
Average Hourly Earnings
Forecast: 0,3%
Previous: 0,2%
Die durchschnittlichen Stundenlöhne sollen laut Prognose weiter steigen. Die Average Hourly Earnings messen die Entwicklung der Löhne außerhalb des Agrarsektors und gelten als wichtiger Inflationsindikator. Höhere Löhne bedeuten in der Regel auch höhere Kaufkraft und stärkeres Konsumverhalten, was wiederum zusätzlichen Inflationsdruck erzeugen kann.
Gerade deshalb beobachtet die FED diese Daten besonders genau. Sollten die Löhne stärker steigen als erwartet, könnte dies die Zinssenkungsfantasie erneut bremsen.
Non-Farm Payrolls
Forecast: 65K
Previous: 178K
Hier erwartet der Markt eine deutliche Abschwächung gegenüber dem Vormonat. Die Non-Farm Payrolls messen die Anzahl neu geschaffener Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft und zählen zu den wichtigsten Wirtschaftsdaten überhaupt.
Der starke Rückgang im Forecast zeigt klar, dass der Markt aktuell mit einer spürbaren Abkühlung des Arbeitsmarktes rechnet. Sollten die Daten deutlich stärker ausfallen als erwartet, würde dies weiterhin für einen robusten Arbeitsmarkt sprechen. In diesem Szenario dürften Zinssenkungen weiter nach hinten verschoben werden, was kurzfristig eher negativ für Risk Assets wäre.
Sollten die Daten dagegen schwächer als erwartet ausfallen, könnte dies die Zinssenkungsfantasie deutlich befeuern. Gemeinsam mit den gestrigen Jobless Claims würde dies die Narrative eines abkühlenden Arbeitsmarktes weiter stärken.
Unemployment Rate
Forecast: 4,3%
Previous: 4,3%
Aktuell rechnet der Markt mit einer unveränderten Arbeitslosenquote. Sollte die Arbeitslosenquote allerdings höher ausfallen als erwartet, wäre dies ein weiteres Signal für Schwäche am Arbeitsmarkt und dürfte die Hoffnung auf frühere Zinssenkungen verstärken.
Eine niedrigere Arbeitslosenquote dagegen würde erneut für die Robustheit des Arbeitsmarktes sprechen und könnte Druck auf die Märkte ausüben, da Zinssenkungen dadurch unwahrscheinlicher würden.
Märkte und Korrelationen im Überblick
US Oil
Öl bleibt weiterhin einer der wichtigsten Marktindikatoren. Nach Rücksetzern in Richtung 90 Dollar wurde US Oil erneut aggressiv gekauft und notiert aktuell wieder im Bereich um 95 Dollar.
Ein nachhaltiger Rückgang ist bislang nicht erkennbar. Der Markt kauft Öl immer wieder nach oben, vor allem aufgrund der geopolitischen Risiken rund um den Nahen Osten und die Straße von Hormus.
Genau darin liegt aktuell auch das größte Risiko für die Märkte. Sollten die Energiepreise langfristig hoch bleiben, würde dies den Inflationsdruck erneut deutlich erhöhen und die Hoffnung auf schnelle Zinssenkungen weiter belasten.
DXY
Der Dollarindex bewegt sich weiterhin weitgehend seitwärts im Bereich um 98 Punkte. Bislang sehen wir keine außergewöhnlich starke Safe-Haven-Nachfrage, was ebenfalls dafür spricht, dass der Markt aktuell noch keine vollständige Eskalation einpreist.
VIX
Der VIX konnte gestern zwar kurzfristig ansteigen, handelt mit rund 17 Punkten aber weiterhin klar unter der kritischen 20er-Marke. Auch hier sehen wir bislang noch keine echte Panikreaktion am Markt.
SPX und US30
Die US-Indizes zeigen sich weiterhin vergleichsweise stabil. Im SPX kam es lediglich zu kleineren Gewinnmitnahmen nahe der Allzeithochs. Auch der US30 konnte sich zwar nicht nachhaltig über der Marke von 50.000 Punkten halten und wurde zurück in Richtung 49.500 abverkauft, insgesamt bleibt die Bewegung bislang aber sehr kontrolliert.
DAX – Charttechnischer Überblick
Im DAX sieht die Lage aktuell deutlich schwächer aus als in den US-Märkten. Vom Bereich um 25.000 Punkte kam gestern ein sehr starker bearish move. Mit dem heutigen Low sprechen wir mittlerweile von rund 2,5 Prozent Abverkauf. Zusätzlich wurde die Mittwochskerze nahezu vollständig engulfed, was für eine sehr starke bearishe Reaktion im Bereich der 25.000er-Zone spricht.
Charttechnisch bleibt jetzt vor allem entscheidend, ob der Markt die zentrale Supportzone weiterhin verteidigen kann oder ob sich das Momentum weiter nach unten ausweitet.
Bullishes Szenario
Solange wir strukturell oberhalb der Zone um 24.230 bis 24.250 bleiben, bleibe ich grundsätzlich eher bullish eingestellt. Die wichtigste Zone auf der Oberseite liegt aktuell im Bereich um 24.500 Punkte. Sollte der DAX diese Zone nachhaltig zurückerobern und anschließend über 24.550 ausbrechen, könnte erneut Momentum in Richtung der nächsten Widerstände entstehen.
Die nächsten relevanten Resistance-Zonen liegen bei:
• 24.630
• 24.770
• 24.800
Sollte hier ausreichend Momentum entstehen und die heutigen Fundamentaldaten den Markt unterstützen, halte ich sogar einen erneuten Angriff auf die 25.000er-Zone für möglich.
Bearishes Szenario
Sollte der DAX die Zone um 24.230 nachhaltig verlieren, würde sich das kurzfristige Chartbild deutlich eintrüben. In diesem Fall sehe ich weiteres Abwärtspotenzial in Richtung 24.100 bis 24.000 Punkte.
Gerade nach dem starken bearishen Momentum des gestrigen Handelstages bleibt jetzt entscheidend, wie der Markt auf die heutigen NFP-Daten reagiert. Die Tages- und insbesondere die Wochenschlusskerze dürften hier eine sehr wichtige Rolle spielen.
Aktuell haben wir auf Wochenbasis bereits einen Großteil der Gewinne wieder abgegeben. Dadurch entsteht nun eine sehr umkämpfte Marktstruktur zwischen möglichem Rebound und weiterer Korrektur.
Für mich bleibt die Lage daher relativ klar zusammengefasst:
Bearish unterhalb von 24.230.
Bullish oberhalb der Zone, sofern der Markt die 24.500 nachhaltig zurückerobern kann.
Danach würden direkt die nächsten Widerstände bei 24.630 sowie 24.770 warten.
Fazit
Die Märkte stehen aktuell zwischen geopolitischer Eskalation, steigenden Ölpreisen, Inflationssorgen und gleichzeitig neuer Zinssenkungsfantasie durch mögliche Schwäche am Arbeitsmarkt.
Der heutige NFP-Report dürfte kurzfristig darüber entscheiden, welches Narrativ den Markt dominiert.
Starke Arbeitsmarktdaten würden die Zinssenkungsfantasie weiter nach hinten verschieben und könnten kurzfristig Druck auf Risk Assets ausüben.
Schwächere Daten dagegen könnten die Hoffnung auf frühere Zinssenkungen deutlich verstärken und damit insbesondere Aktienmärkte kurzfristig unterstützen.
Die heutige Tages- und Wochenschlusskerze dürfte deshalb extrem wichtig werden.
Wie seht ihr die heutigen NFP-Daten? Bleibt der Arbeitsmarkt robust oder sehen wir die ersten deutlicheren Schwächesignale?
Keine Anlageberatung, nur meine persönliche Markteinschätzung.
Gute Trades!
GLong


