Blackrock-Chef entdeckt den Stakeholder-Kapitalismus

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock (BLK) fordert Konzernchefs dazu auf, verstärkt auch die Interessen der Gesellschaft in den Blick zu nehmen. Es gehe bei einem solchen 'Stakeholder-Kapitalismus' nicht um Politik, schrieb Blackrock-Chef Larry Fink in seinem jährlichen Brief an die Konzerne, an denen seine Gesellschaft beteiligt ist. "Auch nicht um eine soziale oder ideologische Agenda. Er ist auch nicht 'woke'. Er ist Kapitalismus," so Fink. In einer global vernetzten Welt müssten Unternehmen für alle ihre Stakeholder Werte schaffen und gleichzeitig deren Wertschätzung erhalten. Nur so könnten Firmen für ihre Aktionäre langfristig Werte schaffen.

"Wir sind überzeugt, dass sich Unternehmen besser entwickeln, wenn sie sich ihrer Rolle in der Gesellschaft bewusst sind und im Interesse ihrer Mitarbeiter, Kunden, Gemeinschaften und Aktionäre handeln," schrieb der 69-jährige in dem am Dienstag veröffentlichten Brief mit dem Titel "Die transformative Kraft des Kapitalismus". Das solle aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass faires Streben nach Gewinn immer noch das ist, was Märkte antreibe. Fink kündigte die Gründung eines Zentrums für Stakeholder-Kapitalismus an, eines Forums für Forschung, Dialog und Diskussionen. Es soll die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Stakeholdern untersuchen.

Blackrock ist mit einem verwalteten Vermögen von rund zehn Billionen Dollar der weltgrößte Vermögensverwalter und an Tausenden Unternehmen rund um den Globus beteiligt. Entsprechend groß ist der Einfluss des Investors - auch in Deutschland. Bei vielen Konzernen ist Blackrock der größte Anteilseigner. Finks jährlicher Brief ist daher Pflichtlektüre in den Führungsetagen der Unternehmen.

Beim Thema Klimawandel verteidigte der Blackrock-Chef die Strategie, sich gemeinsam mit den Unternehmen für eine Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Klimaschutz einzusetzen. "Aber den Wandel können Unternehmen nicht allein herbeiführen und sie können auch nicht die Klimapolizei sein", schrieb Fink. Vielmehr müssten Regierungen den Weg weisen und eine einheitliche Taxonomie für Nachhaltigkeit, Regulierung und Offenlegung bereitstellen. Blackrock verfolge nicht die Strategie, generell aus allen Öl- und Gasunternehmen auszusteigen. "Kapital aus ganzen Branchen abzuziehen oder die Finanzierung CO2-intensiver Anlagen einfach von den öffentlichen in die Privatmärkte zu verlagern, wird die Welt nicht zum Netto-Null-Ziel führen," so Fink.

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