08:40Dez 02, 2021Reuters

Deutsche meiden zunehmend Restaurants - "Gästezahl dürfte weiter fallen"

Angesichts rekordhoher Corona-Neuinfektionen verzichten immer mehr Deutsche auf den Restaurantbesuch. Den Daten der populären Reservierungs-App Open Table zufolge ließen sich zuletzt im Sieben-Tages-Schnitt knapp 30 Prozent weniger Gäste bewirten als vor Ausbruch der Pandemie. Das ist der stärkste Rückgang seit gut einem Jahr. Die Tendenz zeigte zuletzt noch deutlicher nach unten: am 29. November gab es einen Einbruch von 47 Prozent, am 30. November von 48 Prozent. Die Daten werden von Ökonomen gern genutzt, da sie in der Vergangenheit einen sehr großen Gleichlauf mit der Umsatzentwicklung im Gastgewerbe hatten.

Für die Konjunktur bedeutet die negative Entwicklung daher nichts Gutes. "Wir rechnen mit einer Rezession im Winterhalbjahr", sagte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Das Bruttoinlandsprodukt dürfte sowohl im laufenden vierten Quartal als auch Anfang 2022 schrumpfen." Von der Industrie seien angesichts der Materialengpässe keine Impulse für die Konjunktur zu erwarten. Viele Dienstleister wie das Gastgewerbe dürften sogar Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

"In den kommenden Wochen dürften die Gästezahlen – wie im Winter zuvor – weiter deutlich fallen", sagte Wagner. "Denn selbst ohne staatliche Beschränkungen wollen die Menschen ihre Gesundheit nicht aufs Spiel setzen." In den Medien häuften sich die Hiobsbotschaften von der Ausbreitung des Coronavirus. "Jetzt ist auch noch die Omikron-Variante hinzugekommen", sagte Wagner. Vielen werde dadurch noch einmal klar, was für ein gesundheitliches Risiko das Virus darstelle.

Bereits im September hatten mehrere Bundesländer aufgrund steigender Corona-Infektionszahlen die 2G-Regelung eingeführt, die nur gegen das Coronavirus geimpften und von einer Covid-19-Erkrankung genesenen Personen den Zutritt zu Gastronomie und Beherbergungsbetrieben gestattet. Dennoch legte der reale Umsatz in der Gastronomie im September bundesweit um 2,0 Prozent zum Vorjahresmonat zu. Allerdings lag das Niveau noch immer um 17,5 Prozent unter dem von Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland.