02:32Nov 27, 2021Reuters

Brasilianische Polizei empfiehlt weitere Anklagen nach Staudamm-Katastrophe

In Brasilien hat die Polizei mehrere Strafanzeigen gegen den Bergbaukonzern Vale () und den Münchner Prüfkonzern TÜV Süd wegen ihrer Rolle bei dem verheerenden Dammbruch im Jahr 2019 empfohlen. Wie die Polizei am Freitag (Ortszeit) in einer Erklärung mitteilte, deuteten Ermittlungen der Bundespolizei darauf hin, dass verschiedene Verbrechen im Zusammenhang mit Umweltverschmutzung begangen worden seien. Die Polizei empfahl außerdem, 19 Personen unter anderem wegen Mordes anzuklagen. Darunter fielen sowie Mitarbeiter von Vale, den Eigentümer des Staudamms, sowie der TÜV Süd, die für die Inspektion des Bauwerks zuständig war. Brasilianische Bundesstaatsanwälte werden nun die Empfehlungen der Polizei prüfen und entscheiden, ob sie die Anklagen erheben werden.

Das Bergbau-Unternehmen Vale erklärte, sein Anwalt werde sich zu der Angelegenheit erst äußern, nachdem der Polizeibericht zur Verfügung gestellt worden sei. TÜV Süd reagierte nicht sofort auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Minas Gerais erhob bereits im Jahr 2020 Anklage wegen Mordes gegen 16 Personen. Im Februar dieses Jahres einigte sich das Unternehmen mit der Staatsanwaltschaft und dem Bundesstaat auf einen Vergleich in Höhe von 37,7 Milliarden Real (6,72 Milliarden US-Dollar) zur Beilegung zivilrechtlicher Ansprüche im Zusammenhang mit dem Einsturz. Seit Ende September 2021 wird die Staudamm-Katastrophe auch vor dem Münchner Landgericht aufgearbeitet. Die Stadt Brumadinho und die Familie einer bei dem Dammbruch umgekommenen Ingenieurin von Vale fordern von der TÜV Süd Schadenersatz in Höhe von einer halben Million Euro.

Im Januar 2019 ergoss sich eine giftige Schlammlawine aus dem aufgeweichten Damm einer Eisenerz-Mine von Vale über die Stadt Brumadinho, nachdem der Damm gebrochen war. Bei dem Unglück kamen 270 Menschen ums Leben. Die Gemeinde hat nur eine Million Real (160.000 Euro) vom Bundesstaat für Aufräumarbeiten bekommen. 70 Prozent des giftigen Schlamms sind allerdings immer noch nicht abgetragen.