Wochenausblick– KW17 -Fundamental, Makro & Technischer AusblickFundamental, Makro & charttechnischer Ausblick
Die neue Woche startet mit einem Thema, das aktuell alles überschattet: Nahost und die Straße von Hormus.
Nach der starken Risk-On-Rallye zum Wochenschluss hat sich die Lage über das Wochenende wieder deutlich zugespitzt. Genau hier liegt der wichtigste Treiber für den DAX zum Wochenstart.
Fundamentallage – Nahost bleibt der Hauptfaktor
Noch am Freitag sorgten positive Aussagen von Trump und erste Signale einer Deeskalation für starke Erleichterung an den Märkten. Der DAX konnte massiv zulegen, Öl wurde stark abverkauft und Risk Assets schalteten klar in den Risk-On-Modus.
Trump sprach von „sehr guten Gesprächen“, der Markt spielte bereits wieder Zinssenkungen für Ende des Jahres ein und die Hoffnung auf eine nachhaltige Entspannung nahm deutlich zu.
Doch über das Wochenende kam wieder neue Unsicherheit auf.
Iran betont zwar weiterhin, dass Gespräche mit den USA stattfinden und Fortschritte erzielt wurden, gleichzeitig bleibt der Ton deutlich härter. Es wird klar kommuniziert, dass weiterhin große Differenzen bestehen und ohne konkrete Zugeständnisse keine echte Lösung erwartet werden kann.
Besonders kritisch bleibt die Situation rund um die Straße von Hormus.
Iran stellte klar, dass solange die US-Blockade gegen iranische Häfen und Schiffe bestehen bleibt, auch die freie Passage durch Hormus nicht garantiert sei. Es gab Meldungen über Angriffe auf kommerzielle Schiffe, stärkere Kontrolle durch die IRGC sowie klare Warnungen an den internationalen Schiffsverkehr. Teilweise wurde sogar kommuniziert, dass Schiffe ihre Position nicht verlassen sollen und eine Annäherung an die Meerenge als feindliche Kooperation gewertet werden könnte.
Zusätzlich berichtete das Wall Street Journal, dass sich die USA darauf vorbereiten, iran-nahe Schiffe in den kommenden Tagen aktiv zu kontrollieren bzw. zu boarden.
Das ist für die Märkte hochrelevant.
Hormus ist einer der wichtigsten globalen Öl-Transportwege. Jede Eskalation dort bedeutet unmittelbar steigenden Druck auf den Ölpreis, höhere Inflationserwartungen und damit sinkende Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen.
Das bedeutet:
Eskalation = bearish für DAX und Risk Assets
Deeskalation = bullish für DAX und Risk Assets
Genau deshalb wird der Wochenstart stark headline-getrieben bleiben.
Mein Bias für Montag:
Solange keine klar positiven diplomatischen News kommen, bleibe ich kurzfristig vorsichtig. Der Markt hat bereits sehr viel Positives eingepreist. Neue negative Schlagzeilen könnten deshalb deutlich schärfer wirken als weitere positive Meldungen.
Wichtige Wirtschaftsdaten diese Woche
Auch makroseitig bleibt die Woche interessant, wenn auch deutlich ruhiger als zuletzt.
Dienstag – Retail Sales & Core Retail Sales (USA)
Retail Sales
Forecast: 1,4%
Previous: 0,6%
Core Retail Sales
Forecast: 1,3%
Previous: 0,5%
Hier geht es vor allem um die Stärke des US-Konsums.
Stärkere Zahlen signalisieren weiterhin robuste Nachfrage und eine stabile Wirtschaft. Das spricht kurzfristig eher gegen schnelle Zinssenkungen und kann damit kurzfristig bearish für Risk Assets sein.
Schwächere Zahlen würden erste Abkühlung signalisieren und könnten Hoffnungen auf lockerere Geldpolitik wieder stärken.
Mittwoch – Crude Oil Inventories
Forecast: -1,0 Mio. Barrel
Previous: -0,913 Mio. Barrel
Hier wird beobachtet, wie sich Angebot und Nachfrage im Energiemarkt entwickeln.
Gerade in Kombination mit der Hormus-Situation extrem relevant.
Ein stärkerer Rückgang der Lagerbestände kann zusätzlichen Aufwärtsdruck auf Öl bringen.
Donnerstag – Initial Jobless Claims
Forecast: 212k
Previous: 207k
Hier zeigt sich erneut die Stärke des US-Arbeitsmarkts.
Niedrigere Claims = robuster Arbeitsmarkt = hawkish für FED
Höhere Claims = erste Schwäche = dovisher Interpretationsspielraum
Donnerstag – PMI Daten
Service PMI
Forecast: 50,1
Previous: 49,8
Manufacturing PMI
Forecast: 52,5
Previous: 52,3
Über 50 signalisiert wirtschaftliches Wachstum. Unter 50 zeigt Abschwächung.
Auch hier wird genau beobachtet, ob sich die US-Wirtschaft weiter robust zeigt oder erste Bremsspuren sichtbar werden.
Andere Märkte im Überblick
US Oil
US Oil notiert aktuell bei rund 84 Dollar.
Trotz der neuen Unsicherheit bleibt der starke Rückgang der Vorwoche wichtig:
allein letzte Woche rund -12%
Das zeigt, wie stark die Entspannung bereits eingepreist wurde.
Solange Hormus offen bleibt, dürfte sich Öl weiter normalisieren und der Inflationsdruck deutlich sinken. Bei erneuter Eskalation kann sich das allerdings sehr schnell drehen.
VIX
Aktuell bei 17,47
Die Volatilität ist deutlich zurückgekommen. Der Markt hat Angst abgebaut und klar wieder Kapital in Risk Assets geschoben.
Das spricht grundsätzlich für Stärke – solange keine neuen geopolitischen Schocks kommen.
US30
Auch hier eine extrem starke Woche.
Seit letztem Wochenschluss rund +3,16%
Der US30 notiert nur noch etwa 2,1% unter All-Time-High und zeigt weiterhin klare Stärke im Equity-Markt.
Das unterstützt grundsätzlich auch den DAX.
SPX
Der SPX notiert bei einem neuen ATH mit 7126 Punkten, hier wird deutlich wie weit die Deeskalation aktuell eingepreist ist!
Charttechnischer Ausblick DAX
Der DAX konnte die vergangene Woche extrem stark abschließen und notierte bei 24.645 Punkten, also klar über der wichtigen 24.500er Schlüsselzone.
Die starke Freitagsrallye kam vor allem durch die positive Hormus-News und die Risk-On-Bewegung.
Allein der Freitag machte einen Großteil des Wochenplus aus.
Wochensicht:
+3,43%
Wir befinden uns aktuell nur noch rund 3,5% unter All-Time-High.
Das ist klar bullish.
Vor allem wichtig:
Wir konnten uns über der 24.500 stabilisieren und über das kritische 24.380er Level ausbrechen.
Damit bleibt die Struktur auf Higher Timeframe klar bullisch Dominant.
Meine Erwartung für diese Woche
Trotzdem sehe ich kurzfristig nicht sofort den direkten Durchmarsch zum All-Time-High.
Nach dieser massiven Rally halte ich Gewinnmitnahmen und ein gesundes Retracement für wahrscheinlicher.
Die erste große Widerstandszone liegt bei:
24.770 – 24.800
Das ist extrem relevant, da hier auch wichtige Jahreslevels liegen, das war der Hochstpreis des Jahres 2025!
Dort erwarte ich starke Reaktionen.
Ein Anlauf auf die 25.000 ist absolut möglich, aber ich rechne eher damit, dass wir vorher oder spätestens dort noch einmal sauber korrigieren.
Wichtige Unterstützungen
24.500
erste Schlüsselzone
24.300 – 24.000
stärkere Reaktionszone
Genau dieser Bereich wäre für mich ein sehr gesunder Pullback, um danach neue Kraft für einen nachhaltigen Break an oder über die 25.000 Marke aufzubauen.
H4-Struktur – harmonisches Muster
Wenn man sich die bisherige H4-Struktur seit dem Double Bottom bei 22.000 ansieht, fällt ein sehr sauberes Muster auf:
Die bullischen Impulse lagen bisher immer bei etwa 6–7%, gefolgt von Korrekturen von rund 3–3,5%.
Auch das aktuelle bullische Leg befindet sich wieder genau in dieser Range.
Das bedeutet:
Ein letzter Push Richtung 24.800–25.000 wäre absolut logisch, bevor eine gesunde Korrektur in Richtung 24.300–24.000 folgt.
Das wäre ein sehr sauberes harmonisches Gesamtbild und würde fundamental wie technisch perfekt zusammenpassen.
Gerade dort entstehen oft die besten und saubersten Setups.
Wichtig:
Letzte und vorletzte Woche haben wir zum Wochenstart bereits immer schon Retracements gesehen, auch diesmal sieht es so aus als würden wir für Montag ein Gap nach unten bekommen.
Ich positioniere mich für vorerst vorsichtige Retracement Sells von den Schlüsselzonen 24.770-24.800 oder ~25.000 Punkte und danach strukturierte Buys nach Stabilisierung in die übergeordnete Struktur bei 24.500 oder erst (bevorzugt) bei 24.300-24.100 Punkten.
Ich werde wie gewohnt täglich meine DAX-Tagesanalyse von Montag bis Freitag posten.
Mich interessiert eure Meinung:
Bleibt Risk-On aktiv?
DAX erneut bullish?
Oder erwartet ihr wie ich eher eine schärfere Korrektur?
Schreibt mir gerne eure Einschätzung in die Kommentare.
Keine Signale oder Anlageberatung, nur meine persönliche Markteinschätzung!
Guten Start in die Woche und gute Trades wünsche ich!
Hormuz
Brent auf $145: Das Goldman-Szenario für „Höher für länger“Servus Trader-Community!
Werft mal einen Blick auf mein Makro-Dashboard. Wir haben ein Problem mit der Korrelation: CORRELATED | LIQUIDITY DRIVEN. STRESS: 0.8 | DIVERSIFICATION FAILS. Wenn alles fällt (und das Goldman-Research, das ich hier zitiere, legt nahe, dass wir einen "Wrecking Ball" im Dollar haben), dann sind klassische Hedges futsch. In diesem Chaos sticht Rohöl (Brent/CL) als eine der wenigen Asset-Klassen hervor, die sich halten, während die Liquiditätsrally für fragile Märkte sorgt.
Aber warum glaube ich, dass wir Brent-Öl bei $145 sehen könnten, obwohl viele nachfragebedingte Bedenken haben?
Goldman ist bullish. Richtig bullish. Ihr Basis-Szenario ist „Higher Prices for Longer“. Aber sie skizzieren auch ein Risk-Szenario, in dem Brent sein Allzeithoch von 2008 ($147,50) übertrifft.
Hier sind die drei Säulen, die Brent in Richtung $145 katapultieren könnten:
1. Die Hormuz-Krise: Kein schnelles Ende in Sicht (Supply Shock)
Goldman argumentiert, dass die Märkte gerade erst anfangen, das Risiko längerer Unterbrechungen einzupreisen. Im Moment sehen wir hier null Entspannung. Das bedeutet: Solange die Straße von Hormuz ein Nadelöhr bleibt, hat Brent den nötigen Rückenwind, um die 2008er-Hochs anzusteuern. Historische Daten belegen klar, dass wir Angebots-Schocks oft unterschätzen. Die 5 größten Schocks der letzten 50 Jahre führten nach 4 Jahren oft zu einem Produktionsausfall von 42% (meist wegen Infrastrukturschäden und fehlenden Investitionen). Wenn der Konflikt andauert, ist eine Erholung der Produktion durch die Spare-Capacity der OPEC extrem fragwürdig.
2. Der strategische Nachfrage-Kick (SPR-Käufe)
Hier wird es richtig interessant. Goldman prognostiziert, dass der Hormuz-Schock und die anhaltende Unsicherheit ab 2027 zu einem schnelleren Aufbau strategischer Erdölreserven (SPR) führen könnten. Warum? Weil die Reserven Ende 2026 stark dezimiert sein werden und viele Länder ihre SPR-Ziele erhöhen dürften. Das ist eine massive, neue Nachfrage-Quelle, die aktuell noch nicht eingepreist ist.
3. Der Dollar-Wrecking-Ball-Effekt
In einer Krise, wie wir sie gerade sehen, tritt ein interessantes Phänomen auf, das ich als den Dollar-Wrecking-Ball-Effekt bezeichne. Das Vertrauen in das Finanzsystem sinkt und mit ihm die Liquidität. Alle quetschen sich in den USD und die Nachfrage explodiert – das sehen wir an den Swap-Märkten, wo ausländische Banken Schwierigkeiten haben, Dollar aufzutreiben. Ein extrem starker Dollar ist normalerweise bearish für Rohstoffe, aber Goldman hebt einen anderen Aspekt hervor: Wenn die Risiken von US-Exportbeschränkungen zunehmen, weitet sich der Brent-WTI-Spread aus. Brent als globale Benchmark profitiert von dieser geopolitischen Prämie, während WTI (USA) unter Druck gerät.
Zudem zeigt ein Blick auf den Zinsmarkt, dass beim SOFR die Velocity gerade steil nach oben zeigt. Das deutet darauf hin, dass die Zentralbanken das Inflationsrisiko ernst nehmen – und Rohöl ist die Mutter aller Inflations-Assets.
Was bedeutet das für Brent? (Mein Setup)
Goldman fasst zusammen: „Net upside price risks Brent is likely to exceed its 2008 all-time high.“
Ich setze auf Brent-Longs, um von der geopolitischen Prämie und dem strukturellen Angebotsmangel zu profitieren. Das Kursziel von $145,76 (siehe Chart) ist kein „Moonshot“-Geplapper, sondern ein fundamentales Szenario bei anhaltenden Hormuz-Störungen und SPR-Nachkäufen.
Die Technische Umsetzung
Ein fundamentaler Case braucht ein klares charttechnisches Setup.
Target (Take Profit): $145,76 – Basierend auf dem 2008er Allzeithoch-Szenario.
Stop Loss: $90,00 – An diesem Level überwiegt technisch und fundamental der nachfragezerstörende Effekt (Demand Destruction). Fällt der Kurs nachhaltig darunter, ist das Setup invalidiert.
Katalysator: Der Zinsmarkt. Beim SOFR zeigt die Velocity gerade steil nach oben, was bedeutet, dass die Zentralbanken das Inflationsrisiko ernst nehmen. Rohöl bleibt die Mutter aller Inflations-Assets.
⚠️ Risiko: Die Nachfrageseite. Wenn wir in eine echte globale Rezession rutschen, könnte dies das Wachstum ausbremsen und die Öl-Nachfrage killen. Aber aktuell ist das Geopolitik-Alpha zu stark, und steigende Staatsausgaben stützen das Wachstum.
Was sind eure Gedanken? Bullen-Lager für Brent-Longs oder Bären-Lager für USD-Longs? Schreibt es in die Kommentare!

