GELD AUS NICHTS Moin zusammen, willkommen zu Tag 14.
Was wir bis hierhin aufgebaut haben, ist ein verdammtes Fundament aus Stahl.An Tag 11 haben wir die absolute Schwerkraft der Märkte entdeckt – den Zins als 5000 Jahre altes Naturgesetz. An Tag 12 haben wir gesehen, wie die Menschheit über Jahrtausende mit dem moralischen Kampf um Zeit als Ware gerungen hat, und die genialen Konzepte von *Lucrum Cessans* und *Damnum Emergens* kennengelernt. An Tag 13 haben wir den epischen intellektuellen Krieg zwischen Josiah Child und John Locke studiert – die Illusion des billigen Geldes versus die Realität des natürlichen Zinssatzes.
Heute, an Tag 14, gehen wir in das Frankreich des frühen 18. Jahrhunderts. Und wir schauen uns die **krasseste, wildeste und folgenreichste Finanz-Episode** der gesamten Menschheitsgeschichte an – eine Geschichte, die so wahnsinnig klingt, dass ihr denken würdet, sie sei erfunden. Aber sie ist real. Sie ist dokumentiert. Und sie ist die exakte Blaupause für alles, was die Zentralbanken in den letzten 15 Jahren getan haben.
Die Rede ist vom "System" des Schotten John Law – einem Mann, der Spieler, Mörder, Mathematik-Genie, Frauenheld und selbsternannter Finanzrevolutionär in einer Person war. Einem Mann, der einer bankrotten Nation versprach, sie mit aus dem Nichts erschaffenem Papiergeld reich zu machen. Einem Mann, der die erste Zentralbank, das erste Quantitative Easing, die erste "Everything Bubble" und den ersten totalen Zusammenbruch eines Fiat-Geldsystems in der Geschichte orchestrierte. Und das alles in weniger als vier Jahren. Habe ich zuviel versprochen ?
Wenn ihr dieses Kapitel heute verinnerlicht, werdet ihr nie wieder naiv auf eine Meldung reagieren, in der steht: "Zentralbank kündigt neues Anleihekaufprogramm an" oder "Fed erwägt Zinssenkung zur Stimulierung der Wirtschaft". Ihr werdet exakt verstehen, *warum* das Drucken von Geld kurzfristig wie Magie wirkt, *warum* es langfristig immer in einer Katastrophe endet und *warum* die absolute Elite jedes Mal Milliarden verdient, während die Masse mit leeren Händen dasteht.
Lasst uns richtig tief reingehen.
Bevor wir über das "System" reden, müssen wir über den Mann reden. Denn John Law war kein gewöhnlicher Banker oder Ökonom. Er war ein verdammter Rockstar des 18. Jahrhunderts – und gleichzeitig einer der gefährlichsten Männer, die je einen Fuß in die Finanzwelt gesetzt haben.
John Law wurde 1671 in Edinburgh geboren, Sohn eines wohlhabenden Goldschmieds und Geldverleihers. Schon als junger Mann war er besessen von zwei Dingen: Mathematik und Glücksspiel. Er war ein wandelnder Rechner. Er konnte Wahrscheinlichkeiten im Kopf berechnen, die andere nicht mal auf dem Papier hinbekamen. Und er nutzte diese Fähigkeiten nicht etwa, um brav in einer Bank zu sitzen – er nutzte sie, um an den Spieltischen Europas ein Vermögen zu machen.
Mit Anfang 20 war Law bereits stadtbekannt in London: groß, gutaussehend, extravagant gekleidet, immer mit den schönsten Frauen am Arm und immer am Kartentisch. Aber dann passierte etwas, das sein Leben für immer veränderte: Im Jahr 1694 tötete er einen Mann in einem Duell. Law wurde zum Tode verurteilt, floh aus dem Gefängnis und verbrachte die nächsten 20 Jahre als Flüchtling auf dem europäischen Kontinent – von Amsterdam über Venedig bis Paris
Und genau in diesen 20 Jahren im Exil, während er durch die Spielhäuser und Finanzzentren Europas zog, formte sich in seinem brillanten, aber gefährlich überheblichen Kopf eine Idee. Eine Idee, die die Welt verändern sollte.
Law beobachtete die Wirtschaften Europas und kam zu einem Schluss, der so verlockend wie gefährlich war: Das Problem der Welt ist nicht zu wenig Wohlstand – es ist zu wenig Geld.
Überall, wo er hinsah, sah er Nationen mit fruchtbarem Land, talentierten Arbeitern und ungenutztem Potenzial, die trotzdem in wirtschaftlicher Stagnation feststeckten. Warum? Weil es nicht genug Gold und Silber gab, um den Handel zu schmieren. Die Wirtschaft erstickte an einem Mangel an Zahlungsmitteln. Gold und Silber waren knapp, schwer zu transportieren und ihre Menge konnte nicht einfach erhöht werden, wenn die Wirtschaft wachsen wollte.
Laws Lösung? Schafft das verdammte Metallgeld ab. Ersetzt es durch Papiergeld. Papier ist billig. Papier ist leicht. Und vor allem: Man kann so viel davon drucken, wie man will Wenn die Wirtschaft mehr Geld braucht – druckt mehr! Wenn der Handel stockt – druckt mehr! Wenn die Schulden erdrückend sind – druckt mehr
Für Law war Geld kein knappes Gut mit einem inhärenten Wert (wie Locke es sah, erinnert euch an Tag 13). Geld war für ihn ein reines **Werkzeug** – ein Schmiermittel, das den Motor der Wirtschaft am Laufen hält. Und je mehr Schmiermittel man reinkippt, desto schneller und besser läuft der Motor. Mehr Geld = mehr Handel = mehr Wohlstand. So einfach.
Klingt logisch? Klingt sogar genial?
Frankreich am Abgrund: Die perfekte Bühne für einen Wahnsinnigen
Um zu verstehen, warum Laws verrückter Plan überhaupt eine Chance bekam, müssen wir uns Frankreich im Jahr 1715 anschauen. Denn was dort passierte, ist die exakte Kopie dessen, was nach 2008 in der westlichen Welt geschah – nur 300 Jahre früher
Ludwig XIV., der "Sonnenkönig", hatte Frankreich in den absoluten Bankrott getrieben. Jahrzehntelange Kriege, der absurde Luxus von Versailles, eine aufgeblähte Bürokratie und ein katastrophales Steuersystem hatten das einstmals reichste Land Europas in eine Schuldenhölle verwandelt. Als Ludwig XIV. im September 1715 starb, hinterließ er seinem Nachfolger – dem fünfjährigen Ludwig XV. und dessen Regenten, dem Herzog Philippe von Orléans – einen Staat, der buchstäblich unter seinen eigenen Schulden zusammenbrach.
Die Zahlen waren vernichtend. Frankreich hatte Staatsschulden in Höhe von etwa 3 Milliarden Livres angehäuft. Die jährlichen Staatseinnahmen? Etwa 145 Millionen Livres. Die jährlichen Zinskosten auf die Schulden? Über 80 Millionen Livres – mehr als die Hälfte der gesamten Einnahmen floss direkt in den Schuldendienst. Der Staat war de facto bankrott. Er konnte seine Beamten nicht bezahlen, seine Soldaten nicht versorgen, seine Infrastruktur nicht instandhalten
Kommt euch das bekannt vor? Es sollte. Denn genau dasselbe Muster – Schulden, die schneller wachsen als die Einnahmen, Zinslasten, die den gesamten Cashflow auffressen – haben wir an Tag 11 als das mathematisch unausweichliche Endspiel des Zinseszins-Effekts besprochen. Die babylonischen Könige lösten das Problem mit "Clean Slates" (Schuldenerlassen). Frankreich stand 1715 vor derselben Wahl: entweder ein brutaler, schmerzhafter Schuldenabbau – oder eine radikale, noch nie dagewesene Lösung.
Und genau in diesem Moment betrat John Law die Bühne.
Law hatte seit Jahren versucht, die Herrscher Europas von seiner Idee des Papiergeldes zu überzeugen. Er war in Schottland, in Italien, in den Niederlanden gewesen – überall war er abgeblitzt. Niemand wollte das Risiko eingehen. Aber Philippe von Orléans, der verzweifelte Regent von Frankreich, war so tief in der Scheiße, dass er bereit war, auf alles zu hören. Und John Law, der charmante, redegewandte Spieler mit dem mathematischen Superhirn, überzeugte ihn.
Gebt mir die Kontrolle über das Geld, und ich werde Frankreich retten.
Die Banque Royale: Die Geburt des modernen Geldsystems
Laws Plan entfaltete sich in mehreren genialen Schritten. Jeder Schritt für sich genommen klang rational, innovativ, sogar revolutionär. Zusammengenommen ergaben sie das Monster, das Frankreich in den Wahnsinn treiben sollte.
Schritt 1: Die Gründung der Banque Générale (1716)
Law gründete zunächst eine private Bank, die Banque Générale. Das Besondere: Sie gab Banknoten aus – Papiergeld, das jederzeit in Münzen (Gold und Silber) eingetauscht werden konnte. Das war erstmal nichts Verrücktes. Es war sogar praktisch. Papiergeld war leichter zu handhaben als schwere Münzsäcke. Und weil die Banknoten *garantiert* in Metall umgetauscht werden konnten, vertrauten die Menschen ihnen. Die Bank funktionierte. Die Noten zirkulierten. Der Handel belebte sich.
Bis hierhin? Genial. Absolut genial. Law hatte Holland studiert und verstanden, wie ein funktionierendes Bankensystem aussah.
Schritt 2: Die Verstaatlichung zur Banque Royale (1718)
Aber Law wollte mehr. Viel mehr. Er überzeugte den Regenten, seine private Bank in eine **staatliche Bank** umzuwandeln – die *Banque Royale*. Und hier passierte der entscheidende, fatale Shift: Die Banknoten der Bank waren ab sofort nicht mehr durch Gold und Silber gedeckt, sondern durch das **Versprechen des Königs** – also durch das "volle Vertrauen und den Kredit" des französischen Staates.
Lest das nochmal. Die Deckung wechselte von etwas Hartem, Greifbarem, physisch Existierendem (Gold) zu etwas Abstraktem, Unsichtbarem (einem königlichen Versprechen). Das Papiergeld war ab diesem Moment nicht mehr "so gut wie Gold". Es war nur noch so gut wie das **Vertrauen** der Menschen in den Staat.
Und Law drehte die Druckmaschine an. Er druckte immer mehr Noten. Mehr und mehr und mehr. Sein Argument war bestechend: "Wenn mehr Geld im System ist, können die Menschen mehr kaufen. Wenn sie mehr kaufen, produzieren die Unternehmen mehr. Wenn die Unternehmen mehr produzieren, wächst die Wirtschaft. Wachstum ist Wohlstand. Also druckt, verdammt noch mal!" Kommt irgendwie bekannt vor oder ?
Schritt 3: Die radikale Zinssenkung
Und jetzt kommt der Punkt, an dem Tag 14 direkt an Tag 11, 12 und 13 anknüpft. Law senkte den offiziellen Zinssatz in Frankreich massiv – auf **2 %**.
Erinnert euch an John Locke und den natürlichen Zinssatz aus Tag 13. Locke hatte gewarnt: Wenn man den Zins künstlich unter den natürlichen Satz drückt, bricht das System zusammen. Die Verleiher ziehen sich zurück, die Kapitalallokation wird zerstört.
Law tat exakt das Gegenteil. Er behauptete: "Hohe Zinsen sind der Feind des Wohlstands. Wenn wir die Zinsen per Gesetz auf 2 % drücken, werden alle investieren, weil Geld billig ist. Die Wirtschaft wird explodieren."
2 % in einem Land, das gerade bankrott war. In einem Land, dessen Staatsschulden die Einnahmen um das Zwanzigfache überstiegen. In einem Land, in dem das echte Risiko eines Zahlungsausfalls astronomisch hoch war.
Der natürliche Zinssatz in Frankreich zu dieser Zeit? Wahrscheinlich irgendwo bei 8 %, 10 % oder höher – weil das Risiko riesig war. Aber Law setzte ihn per Dekret auf 2 %. Er hackte die Schwerkraft. Er schaltete den Wahrheitssensor aus.
Und damit war die Bühne bereitet für den größten Finanzwahnsinn der Geschichte
Die Mississippi-Kompanie: Wo Gelddrucken auf Spekulation trifft
Jetzt kommt der Teil, der euch die Kinnlade runterfallen lässt. Denn Law hatte nicht nur eine Bank und billiges Papiergeld. Er hatte einen noch viel größeren Plan. Er wollte die gesamten Staatsschulden Frankreichs auf einen Schlag loswerden. Und sein Vehikel dafür war die Compagnie du Mississippi – die Mississippi-Kompanie
Die Idee war auf dem Papier brillant: Die Mississippi-Kompanie erhielt das Handelsmonopol für das französische Louisiana – ein riesiges, kaum erforschtes Gebiet in Nordamerika, das vom Golf von Mexiko bis hinauf nach Kanada reichte. Law malte den Investoren ein Bild von unvorstellbarem Reichtum: Goldminen, Silberadern, fruchtbares Land, Pelze, Gewürze – Louisiana sei ein Paradies, das nur darauf warte, ausgebeutet zu werden.
Aber hier ist der Trick, der das ganze System zusammenhielt – und der so genial war, dass er bis heute die Grundlage moderner Finanz-Engineering-Strategien ist:
Law erlaubte den Besitzern von französischen Staatsschuldscheinen – diesen wertlosen Papierfetzen, die der bankrotte Staat ausgegeben hatte –, sie gegen **Aktien der Mississippi-Kompanie** einzutauschen.
Denkt da mal eine Sekunde drüber nach. Der französische Staat schuldete Milliarden. Die Gläubiger hielten Schuldscheine, die praktisch wertlos waren, weil jeder wusste, dass der Staat niemals in der Lage sein würde, sie zurückzuzahlen. Und jetzt kam Law und sagte: "Ihr könnt euren wertlosen Staatsschrott in Aktien einer Kompanie umtauschen, die euch unendlich reich machen wird, weil sie das Handelsmonopol über das goldreichste Land der Welt hat!"
Die Menschen rissen ihm die Aktien buchstäblich aus den Händen. Sie tauschten ihre hoffnungslosen Staatsschulden in Mississippi-Aktien um. Und was passierte gleichzeitig? Die Staatsschulden verschwanden. Law hatte die Schulden des Staates nicht getilgt – er hatte sie in Eigenkapital einer Aktiengesellschaft umgewandelt. Er hatte Schulden in Aktien verwandelt. Das war der erste große Debt-to-Equity-Swap der Geschichte.
Und die Sache lief. Und zwar so gut, dass es den kompletten Wahnsinn entfesselte
Was jetzt passierte, müsst ihr euch in Zeitlupe vorstellen, um die Mechanik wirklich zu begreifen. Denn diese Mechanik ist exakt dieselbe, die wir bei jeder modernen Asset-Blase sehen – ob Dotcom 2000, US-Immobilien 2006, Krypto 2021 oder die Nullzins-Rallye nach 2020.
Law druckte Papiergeld über die Banque Royale. Dieses frische Geld floss in die Wirtschaft. Gleichzeitig senkte er die Zinsen auf 2 %, sodass es sich nicht lohnte, das Geld auf dem Konto liegen zu lassen. Die Menschen *mussten* es irgendwo investieren. Und wo? In das einzige Spiel, das es gab: die Aktien der Mississippi-Kompanie.
Die Nachfrage nach Mississippi-Aktien explodierte. Und weil Law ständig neues Papiergeld druckte, das in den Markt floss, hörte der Preis einfach nicht auf zu steigen. Die Aktie der Mississippi-Kompanie stieg von ihrem Ausgabepreis von 500 Livres auf unfassbare 10.000 Livres – eine Vervierzigfachung. In wenigen Monaten.
Paris verwandelte sich in ein Tollhaus. Die Rue Quincampoix – die enge Gasse, in der die Aktien gehandelt wurden – war Tag und Nacht überfüllt mit Menschen aus allen Schichten. Herzöge standen neben Dienstmädchen. Priester neben Prostituierten. Alle wollten Mississippi-Aktien. Es entstanden Geschichten von Dienstboten, die über Nacht reicher wurden als ihre Herren. Von Köchinnen, die ihre Ersparnisse in Aktien steckten und Wochen später Kutschen und Landhäuser kauften.
Das Wort "Millionär" wurde in genau dieser Zeit, in genau dieser Blase, zum ersten Mal in der Geschichte verwendet. Vorher gab es den Begriff nicht. Law hat ihn erschaffen – zusammen mit der Illusion, dass jeder einer werden kann, wenn man nur genug Papiergeld druckt
Aber hier ist die Wahrheit, die 99 % der Menschen in Paris 1719 nicht verstanden – und die 99 % der Retail-Trader bis heute nicht verstehen:
Niemand wurde wirklich reicher. Die Preise stiegen, weil das Geld weniger wert wurde.
Wenn ihr doppelt so viele Geldscheine im System habt, aber die gleiche Menge an realen Gütern, dann verdoppelt sich nicht der Wohlstand – es halbiert sich der Wert jedes einzelnen Geldscheins. Die Menschen in Paris *dachten*, sie seien reich, weil die Zahl auf ihrem Kontoauszug größer wurde. Aber die Kaufkraft ihres Geldes schmolz im Hintergrund wie Schnee in der Sonne.
Daniel Defoe – ja, der Typ, der Robinson Crusoe geschrieben hat – beobachtete Laws System von England aus und nannte es eine "unvorstellbare Spezies aus bloßer Luft und Schatten". Eine Chimäre. Ein Trugbild. Etwas, das real aussah, sich real anfühlte, aber aus absolut nichts* bestand
Die Reflexivitäts-Spirale: Wenn der Preis die Realität erschafft
Und jetzt wird es richtig faszinierend – und richtig gefährlich. Denn Laws System hatte eine eingebaute Dynamik, die der legendäre Investor George Soros Jahrhunderte später als **Reflexivität** bezeichnen würde.
Die Logik war ein perfekter, sich selbst verstärkender Kreislauf:
1. Law druckte Papiergeld → Das Geld floss in Mississippi-Aktien.
2. Mississippi-Aktien stiegen → Die Besitzer fühlten sich reicher.
3. Die Besitzer fühlten sich reicher → Sie kauften mehr Aktien und gaben mehr Geld aus.
4. Mehr Geld im System → Die Preise stiegen weiter.
5. Steigende Preise → Noch mehr Menschen wollten Aktien kaufen.
6. Noch mehr Nachfrage → Law druckte noch mehr Geld, um die Nachfrage zu befriedigen.
7. Noch mehr Geld → Zurück zu Schritt 1.
Seht ihr das? Der Kreislauf fütterte sich selbst. Er brauchte keinen echten Wohlstand, keine echte Produktion, keine echten Gewinne aus Louisiana. Er brauchte nur eines: **ständig neues Geld**, das in das System gepumpt wurde. Solange die Druckmaschine lief und der Preis stieg, glaubte jeder an die Illusion.
Und Law? Law war gleichzeitig der Chef der Zentralbank (Banque Royale), der Chef der Mississippi-Kompanie, UND der Finanzminister von Frankreich. Er kontrollierte die Geldmenge, die Aktienkurse und die Fiskalpolitik in einer Person. Er war die Fed, Goldman Sachs und das Finanzministerium in einem Körper. Eine Machtkonzentration, die so absurd war, dass sie eigentlich sofort jeden hätte alarmieren müssen.
Aber niemand schrie Alarm. Weil alle zu beschäftigt waren, reich zu werden
Der Point of No Return: Wenn die Zentralbank ihre eigenen Aktien kaufen muss
Der Moment, in dem Laws System vom genialen Experiment zum todgeweihten Monster mutierte, kam Anfang 1720. Und dieser Moment hat eine Lektion, die so aktuell ist wie die heutigen Schlagzeilen.
Die ersten Skeptiker begannen, ihre Mississippi-Aktien zu verkaufen und den Erlös in echte Werte umzutauschen – Gold, Silber, Juwelen, Immobilien, Land. Die klügsten Köpfe in Paris (und wir reden gleich noch ausführlich über einen bestimmten Iren namens Cantillon) ahnten: Wenn das ganze System nur auf bedrucktem Papier basiert, dann ist es verdammt noch mal besser, bedrucktes Papier in etwas zu tauschen, das man anfassen kann
Als der Verkaufsdruck zunahm und die Aktienkurse zu wackeln begannen, tat Law etwas Verzweifeltes: Er setzte die Banque Royale ein, um Mississippi-Aktien direkt aufzukaufen. Die Zentralbank kaufte die Aktien ihrer eigenen angeschlossenen Kompanie, um den Preis stabil zu halten. Sie druckte frisches Papiergeld und pumpte es direkt in den Aktienmarkt.
Lest das nochmal und lasst es sacken. Die Zentralbank druckte Geld, um damit Aktien zu kaufen, um deren Preis künstlich oben zu halten.
Kommt euch das bekannt vor? Es sollte verdammt noch mal. Denn exakt das haben die Bank of Japan (Kauf von ETFs), die EZB (Kauf von Unternehmensanleihen) und die Fed (Kauf von Mortgage-Backed Securities und Treasuries) in den letzten 15 Jahren getan. Quantitative Easing – QE – ist nichts anderes als John Laws Playbook, nur mit einem moderneren Namen und ein paar mehr Nullen.
Aber hier ist die mathematische Realität, die Law zu spät erkannte und die auch moderne Zentralbanker verdrängen:
Wenn die Zentralbank selbst zum Käufer werden muss, um den Preis eines Assets zu stützen, dann existiert kein echter, organischer Markt mehr. Der Preis ist eine Lüge. Er reflektiert nicht Angebot und Nachfrage, nicht echten Wert, nicht echte Produktivität. Er reflektiert nur noch die Geschwindigkeit der Druckmaschine
Und Druckmaschinen haben kein unendliches Papier. Irgendwann geht der Toner aus. Irgendwann fragt jemand: "Moment mal – was ist dieses Geld eigentlich wert?"
Der Anfang vom Ende kam im Frühjahr 1720. Einige große Aktionäre – Adlige, erfahrene Händler – begannen in großem Stil, ihre Mississippi-Aktien gegen echte Münzen (Gold und Silber) an den Schaltern der Banque Royale einzutauschen. Sie wollten raus aus dem Papier und rein in die Realität.
Law geriet in Panik. Wenn zu viele Menschen gleichzeitig ihr Papiergeld in Gold umtauschen wollten, würde offensichtlich werden, was alle insgeheim ahnten: Es gab nicht annähernd genug Gold und Silber, um das ganze Papiergeld zu decken. Die Bank hatte weit mehr Noten gedruckt, als sie jemals in Metall zurückzahlen konnte
Also tat Law das, was jeder verzweifelte Herrscher über ein Fiat-System tut: Er verbot den Besitz von Gold und Silber. Er machte es illegal, mehr als eine bestimmte Menge an Edelmetallen zu halten. Er schickte die Polizei los, um die Häuser der Bürger nach verstecktem Gold zu durchsuchen
Denkt mal eine Sekunde darüber nach. Der Mann, der versprochen hatte, Frankreich durch die Freiheit des Papiergeldes reich zu machen, verbot seinen Bürgern jetzt per Gesetz, echtes Geld zu besitzen. Die "Freiheit" des Papiergeldes wurde zur Tyrannei des Papiergeldes
Aber es half nichts. Der Vertrauensverlust war nicht mehr aufzuhalten. Law versuchte verzweifelt, den Kurs der Mississippi-Aktien zu stützen, indem er den Kurs per Dekret auf 9.000 Livres festsetzte. Er änderte den Wechselkurs zwischen Papiergeld und Münzen. Er manipulierte, er verbot, er drohte. Nichts funktionierte.
Im Mai 1720 wurde der Wert der Banknoten offiziell um 50 % reduziert. Die Regierung gab offen zu, dass das Papiergeld nur noch die Hälfte wert war. Die Bürger von Paris strömten in Panik zu den Bankschaltern, um ihre Noten gegen irgendetwas einzutauschen. Es kam zu Aufständen. Menschen wurden in den Menschenmengen vor den Bankgebäuden buchstäblich totgetrampelt.
Bis Ende 1720 war die Mississippi-Aktie von ihrem Höchststand von 10.000 Livres auf unter*1.000 Livres gefallen. Das Papiergeld war praktisch wertlos. Die Banque Royale wurde geschlossen. John Law floh – wieder einmal – bei Nacht und Nebel aus Frankreich und starb neun Jahre später, verarmt und vergessen, in Venedig.
Das "System" war tot. Die Chimäre hatte sich in Luft aufgelöst. Und Frankreich? Frankreich war so traumatisiert, dass es über 80 Jahre lang – fast ein ganzes Jahrhundert – kein Papiergeld mehr akzeptierte. Das Wort "Bank" wurde in Frankreich zum Schimpfwort. Das Vertrauen war so tief zerstört, dass es Generationen brauchte, um es wieder aufzubauen.
Jetzt kommt der Teil, der für euer Trading-Mindset am allerwichtigsten ist. Denn inmitten dieses kompletten Wahnsinns gab es einen Mann, der das System von Anfang bis Ende durchschaut hat – und der dabei steinreich wurde. Sein Name: Richard Cantillon.
Cantillon war ein irisch-französischer Bankier und Ökonom, der in Paris lebte und arbeitete. Er war kein lauter Prahler wie Law. Er war ein leiser, analytischer Beobachter. Und er war ein verdammtes Genie.
Cantillon erkannte frühzeitig, was Law tat. Er verstand die Mechanik der Geldschöpfung. Er sah die Reflexivitäts-Spirale. Und er tat etwas, das 99 % der Pariser nicht taten:Er dachte nach, BEVOR er handelte.
In der ersten Phase des Systems, als die Mississippi-Aktien anfingen zu steigen, kaufte Cantillon aggressiv. Er ritt die Welle mit. Er nutzte die Chimäre, solange sie funktionierte. Er verdiente gigantische Summen.
Aber – und das ist der entscheidende Unterschied zum Rest der Masse – Cantillon tauschte seine Aktiengewinne systematisch in echte Werte um. Er verkaufte seine Mississippi-Aktien, nahm das Papiergeld, und tauschte es sofort in Gold, Silber und Immobilien um. Dann brachte er das Gold außer Landes – nach England und Holland –, bevor Law das Verbot von Goldbesitz verhängte.
Cantillon tanzte mit der Chimäre, aber er glaubte nicht an sie. Er wusste, dass das Papiergeld irgendwann wertlos werden würde. Er wusste, dass die Blase platzen würde. Und er sorgte dafür, dass er, wenn der Tag kam, auf einem Berg von echten, harten, unzerstörbaren Werten saß, während alle anderen auf ihren wertlosen Papierfetzen hockten.
Als das System 1720 kollabierte, war Cantillon einer der reichsten Männer Europas. Während ganz Paris in Ruinen lag, zählte er seine Goldmünzen.
Aber Cantillons größter Beitrag war nicht sein persönlicher Reichtum. Es war eine Erkenntnis, die er in seinem Werk "Essai sur la Nature du Commerce en Général" formulierte – eine Erkenntnis, die bis heute die wichtigste und gleichzeitig am meisten ignorierte Wahrheit der Geldpolitik ist.
Cantillon beobachtete, wie das frische Papiergeld, das Law druckte, durch die Wirtschaft floss. Und er stellte fest, dass es **nicht gleichmäßig** bei allen ankam. Das neue Geld hatte einen Weg. Eine Route. Und die Leute, die an der Route *zuerst* standen, profitierten massiv – auf Kosten derer, die am Ende der Route standen.
Das ist der Cantillon-Effekt. Und er funktioniert so:
Wenn die Zentralbank neues Geld druckt, landet es nicht wie durch Magie gleichzeitig in jeder Hosentasche des Landes. Es fließt durch bestimmte Kanäle. Zuerst landet es bei den Banken. Dann bei den großen Investoren und Unternehmen, die direkt Zugang zu den Banken haben. Dann bei den Vermögenden, die Assets besitzen (Aktien, Immobilien, Unternehmen), deren Preise durch das frische Geld steigen. Und erst ganz am Ende, nach Monaten oder Jahren, sickert es langsam zu den normalen Arbeitnehmern und Konsumenten durch – aber dann ist die Inflation bereits da und hat die Kaufkraft ihres Lohns zerstört.
Stellt euch das wie einen Wasserfall vor. Oben stehen die, die nah an der Geldquelle sitzen – Banker, Großinvestoren, Asset-Besitzer. Sie bekommen das frische Wasser zuerst, trinken sich satt und nutzen es, um ihre Felder zu bewässern (lest: Assets zu kaufen, die dann im Wert steigen). Unten steht der normale Arbeiter. Bis das Wasser bei ihm ankommt, ist es ein dreckiges Rinnsal, verunreinigt durch Inflation, und es reicht nicht mal, um seinen Durst zu stillen.
In Laws System war das unfassbar sichtbar. Die Ersten, die Zugang zu den frisch gedruckten Banknoten hatten – die Aristokraten, die Hofleute, die Insider –, kauften Mississippi-Aktien, bevor der Preis explodierte. Sie wurden über Nacht unvorstellbar reich. Die Letzten – die normalen Bürger von Paris, die Bäcker, die Handwerker, die Dienstmädchen – stiegen ein, als der Preis bereits im Himmel war. Sie kauften am absoluten Top. Und als das System zusammenbrach, verloren sie alles, während die Insider längst in Gold getauscht hatten und in ihren Landhäusern saßen.
Das ist kein historisches Relikt. Das passiert HEUTE. GENAU SO.
Wenn die Fed Billionen druckt (QE), fließt das Geld zuerst in die Finanzmärkte. Aktien steigen. Immobilien steigen. Die Reichen, die diese Assets besitzen, werden im Schlaf reicher. Der normale Typ, der sein Geld auf dem Sparkonto hat und 40 Stunden die Woche arbeitet? Sein Lohn steigt nicht. Aber die Milch, das Benzin, die Miete – alles wird teurer, weil das viele frische Geld langsam in die Realwirtschaft durchsickert und die Preise aufbläht.
Der Cantillon-Effekt ist der größte, leiseste und brutalste Vermögenstransfer der Menschheitsgeschichte. Und er passiert jedes verdammte Mal, wenn eine Zentralbank die Druckmaschine anwirft.
Was das alles für euer 1%-Elite-Mindset bedeutet
Ein Top-Trader bei Goldman Sachs oder Bridgewater liest diesen Abschnitt nicht als historische Anekdote über einen verrückten Schotten im 18. Jahrhundert. Er liest es als exakte Bedienungsanleitung für das Verhalten von Zentralbanken im 21. Jahrhundert. Denn die Mechanik hat sich nicht ein einziges Bit verändert. Nur die Zahlen sind größer geworden
Law hat bewiesen: Wenn man den Zins (die Gravitation) auf ein künstlich niedriges Niveau drückt und gleichzeitig die Geldmenge massiv erhöht, muss jedes Asset steigen, das als Auffangbecken für die frische Liquidität dient. Das ist keine Theorie. Das ist Mechanik. Mehr Geld jagt die gleiche Menge an Assets → Preise steigen. Punkt.
Die Elite erkennt, wenn eine Zentralbank "Law-Politik" betreibt – also gleichzeitig Zinsen senkt UND Geld druckt. In einem solchen Umfeld spielt die Fundamentalanalyse keine Rolle mehr. Es ist völlig irrelevant, ob ein Unternehmen profitabel ist, ob ein Coin einen echten Use Case hat, ob eine Immobilie ihren Preis wert ist. Es zählt einzig und allein der Liquiditäts-Flow. Wohin fließt das frische Geld? In welches Asset wird die künstliche Liquidität am stärksten gepumpt?
In einer "Law-Phase" (niedriger Zins + steigende Geldmenge) kauft ihr das Asset, das am sensibelsten auf Liquiditätszuflüsse reagiert. Das sind historisch gesehen: High-Duration-Growth-Aktien (unprofitable Tech-Firmen, deren gesamter Wert in der fernen Zukunft liegt), Krypto (reine Liquiditätswetten ohne Cashflow-Fundament) und spekulative Rohstoffe. Reitet die Welle. Nehmt die absurden Renditen mit. Aber – und das ist der Cantillon-Unterschied – glaubt die verdammte Lüge nicht. Ihr wisst, dass das keine echte Wertschöpfung ist. Ihr wisst, dass die Druckmaschine irgendwann stoppt. Und ihr habt euren Ausstiegsplan bereit, bevor die Masse überhaupt merkt, dass die Party vorbei ist.
Laws System kippte in dem Moment unwiderruflich, als die Banque Royale gezwungen war, Mississippi-Aktien selbst zu kaufen, um den Kurs zu stützen. Die Zentralbank wurde vom neutralen Marktaufseher zum verzweifelten Marktteilnehmer
Sobald eine Zentralbank – egal ob die Fed, die EZB, die BOJ – gezwungen ist, Assets direkt zu kaufen, um deren Preis stabil zu halten, ist das Ende nah. Es bedeutet: Der organische Markt ist tot. Es gibt nicht mehr genug echte Käufer, um den Preis auf diesem Niveau zu halten. Nur noch die Druckmaschine hält die Illusion aufrecht.
Beobachtet die Bilanz der Zentralbanken wie ein Falke. Wenn sie anfangen, Assets zu kaufen, die sie normalerweise niemals anfassen – Unternehmensanleihen, Aktien-ETFs, Junk Bonds –, dann seid ihr in der finalen Phase der Chimäre. Die Zentralbank ist vom Schiedsrichter zum Spieler geworden. Und ein Spiel, in dem der Schiedsrichter selbst mitspielen muss, damit die Mannschaft nicht verliert, ist ein Spiel, das bereits verloren ist. Bereitet euren Exit vor. Tauscht eure nominalen Papiergewinne in echte Werte um – genau wie Cantillon es tat. Gold, Hard Assets, Cash in starken Währungen.
Cantillon wurde nicht reich, weil er schlauer war als alle anderen. Er wurde reich, weil er früher als alle anderen verstand, wie das Geld durch das System fließt. Er wusste, wo das frische Geld zuerst ankommt. Und er positionierte sich genau dort
Geld ist nicht neutral. Frisch gedrucktes Geld fließt nicht gleichmäßig durch die Wirtschaft. Es hat eine Route. Und wer diese Route kennt, kann sich an die erste Station stellen und die Gewinne einstreichen, bevor die breite Masse überhaupt mitbekommt, dass die Druckmaschine läuft.
Verfolgt die "Smart Money Flows". Schaut euch die 13F-Filings der großen institutionellen Investoren an. Beobachtet die Insider-Käufe und -Verkäufe. Schaut, was die Private-Equity-Firmen und Hedgefonds kaufen. Und wenn diese Insider anfangen, ihre Asset-Gewinne in Hard Assets umzuwandeln – wenn Bridgewater Gold aufstockt, wenn Buffett Cash hortet, wenn die Silicon-Valley-Milliardäre plötzlich Farmland kaufen –, dann wisst ihr: Die Cantillons unserer Zeit bereiten sich auf das Ende der Chimäre vor. Tragt euch nicht mit den Retailern, die am Ende der Liquiditätskette stehen. Seid dort, wo das smarte Geld zuerst hinfließt – und verlasst die Party, wenn das smarte Geld geht.
Laws System ließ die Menschen glauben, sie seien reich, weil der nominale Wert ihrer Aktien stieg. In Wahrheit sank die reale Kaufkraft ihres Geldes im Hintergrund mit jeder frisch gedruckten Banknote. Sie hatten mehr Zahlen auf dem Papier – aber weniger echten Wohlstand
Ein Elite-Trader rechnet seine Performance immer in Kaufkraft, nicht in Papierwährung. Es ist völlig irrelevant, ob euer Portfolio um 20 % gestiegen ist, wenn die reale Inflation der Lebenshaltungskosten in derselben Zeit 25 % beträgt. Dann habt ihr nicht 20 % gewonnen – ihr habt 5 % verloren. Die nominale Zahl lügt euch an.
Messt euer Portfolio nicht nur gegen den S&P 500 oder den DAX. Messt es gegen Gold, gegen einen Rohstoff-Basket, gegen die echte Inflationsrate (nicht die offizielle, geschönte CPI-Zahl, sondern die echte – schaut euch ShadowStats oder Truflation an). Wenn euer Portfolio in Dollar steigt, aber in Gold-Terms fällt, dann werdet ihr real ärmer, während ihr euch nominal reicher fühlt. Genau wie die Pariser 1719, die auf ihren Mississippi-Aktien saßen und dachten, sie seien Millionäre – während sie in Wahrheit nur Papierfetzen hielten.
Chancellor zieht die direkte Parallele von Laws Banque Royale zu den modernen Zentralbanken. Und die Parallele ist erschreckend exakt. Laws Zentralbank druckte Geld, um Staatsschulden zu monetarisieren, Assets zu kaufen und die Wirtschaft zu "stimulieren". Genau das tun die Fed, die EZB und die BOJ seit 2008.
Versteht, dass moderne Märkte oft keine freien Märkte mehr sind. Sie sind politisch gesteuerte Experimente. Zentralbanken sind die Market Maker of Last Resort – sie stellen die Liquidität bereit, die den Markt am Laufen hält. Und solange sie das tun, steigen die Preise. Aber sie tun es nicht aus Stärke, sondern aus Verzweiflung.
Kämpft nicht gegen die Zentralbank ("Don't fight the Fed"). Solange die Druckmaschine läuft und die Zinsen am Boden sind, surft die Welle. Aber vertraut ihr auch nicht. Denn das Endspiel ist immer dasselbe. Immer. Seit 5000 Jahren. Die Inflation entgleist. Die Zentralbank ist gezwungen, die Zinsen wieder anzuheben. Die Schwerkraft kehrt zurück. Und alle, die dachten, die Party geht ewig weiter, werden zermalmt.
Der Elite-Trader nutzt die Chimäre aus, solange sie stabil ist. Aber er wettet aggressiv auf den Kollaps – durch Tail-Risk-Hedging, durch Gold-Positionen, durch strategische Puts auf die verwundbarsten Assets –, sobald die Inflation die Zentralbank zwingt, die Zinsen wieder anzuheben und die Druckmaschine abzuschalten.
Das Trading-Playbook für Tag 14
Hier ist eure ultimative Zusammenfassung. Ab heute habt ihr die historische Blaupause für *jede* moderne QE-Phase im Kopf. Ihr wisst, wie die Chimäre funktioniert, warum sie funktioniert, und vor allem: wie sie endet.
1. Identifiziert die Chimäre.
Wenn eine Zentralbank gleichzeitig Geld druckt, Zinsen senkt und Assets kauft – dann seid ihr in einer Chimären-Phase. Alles steigt. Alle fühlen sich wie Genies. Aber der Wohlstand ist eine Illusion, genährt von bedrucktem Papier. Erkennt die Phase für das, was sie ist.
2. Reitet die Chimäre – aber wie Cantillon, nicht wie die Pariser Masse.
Nutzt die Phase, um Rendite zu machen. Kauft die Liquiditäts-Gewinner. Aber tauscht eure Gewinne regelmäßig in echte, harte Werte um. Gold, Rohstoffe, Cashflow-starke Unternehmen, reale Vermögenswerte. Haltet niemals 100 % eures Vermögens in der Chimäre.
3. Beobachtet die Bilanz der Zentralbank.
Das ist euer Seismograph. Wenn die Bilanz wächst (die Zentralbank kauft mehr Assets), bleibt die Chimäre stabil. Wenn die Bilanz schrumpft oder die Zentralbank signalisiert, dass sie aufhört zu kaufen – dann ist der Point of No Return erreicht. Dann ist es Zeit, auf der anderen Seite zu stehen.
4. Messt alles in Kaufkraft.
Hört auf, euch von nominalen Zahlen blenden zu lassen. Euer Portfolio in Dollar ist irrelevant, wenn der Dollar selbst an Wert verliert. Messt gegen Gold, gegen Rohstoffe, gegen reale Güter. Das ist euer ehrlicher Spiegel.
5. Positioniert euch für das Ende – bevor es kommt.
Die Chimäre endet immer. Immer. Entweder durch eine Inflationskrise, die die Zentralbank zum Handeln zwingt (Zinsen rauf, QE stoppen), oder durch einen totalen Vertrauensverlust in das Papiergeld selbst. In beiden Fällen kollabieren die Asset-Preise, die nur durch Liquidität oben gehalten wurden. Wer dann Cash hält, Gold hält, Short-Positionen hält, der ist Cantillon. Wer dann immer noch im Markt ist, mit 100x Hebel und Sternen in den Augen, der ist die Pariser Köchin von 1720.
Hausaufgabe Tag 14
Zettel und Stift raus, Notion-Page aufmachen – ihr wisst wie es läuft:
1. Chimären-Check: Sind wir aktuell in einer Chimären-Phase? Druckt eine der großen Zentralbanken (Fed, EZB, BOJ, PBOC) gerade aktiv Geld oder kauft Assets? Wie hat sich deren Bilanz in den letzten 12 Monaten verändert? (3–5 Sätze.)
2. Der Cantillon-Radar: Identifiziert einen aktuellen Cantillon-Effekt. Welche Asset-Klasse hat in den letzten 12 Monaten am stärksten von frischer Zentralbank-Liquidität profitiert? Wer waren die Erstprofiteure (Smart Money)? Und wer springt gerade erst auf (Retail-Masse)?
3. Nominal vs. Real: Nehmt euer eigenes Trading-Konto oder Portfolio. Berechnet eure Performance der letzten 12 Monate in Gold-Terms (nicht in Euro oder Dollar). Seid ihr real reicher geworden – oder nur nominal?
4. Exit-Szenario: Stellt euch vor, die Fed kündigt morgen an, QE komplett zu stoppen und die Zinsen um 200 Basispunkte zu erhöhen. Was passiert mit euren aktuellen Positionen? Welche überleben – und welche kollabieren wie Mississippi-Aktien? Schreibt für jede Position in eurem Portfolio einen ehrlichen Satz.
5. Der Point of No Return: Recherchiert: Kauft gerade eine der großen Zentralbanken der Welt direkt Aktien oder Unternehmensanleihen? Wenn ja – was sagt euch das über die Phase, in der sich dieses Land befindet?
Ihr habt heute die mächtigste und zugleich gefährlichste Finanz-Episode der Menschheitsgeschichte studiert. Ihr wisst jetzt, dass Quantitative Easing keine Erfindung der Moderne ist – es ist 300 Jahre alt. Ihr wisst, dass jede Chimäre am Ende zerfällt. Ihr wisst, wie der Cantillon-Effekt funktioniert und warum er die brutalste Ungerechtigkeit des Finanzsystems ist.
Und vor allem wisst ihr jetzt, auf welcher Seite ihr stehen müsst. Nicht auf der Seite der Masse, die der Chimäre blind vertraut und am Ende mit leeren Händen dasteht. Sondern auf der Seite von Cantillon – dem Mann, der die Illusion durchschaute, sie ausnutzte, solange sie hielt, und rechtzeitig in echte Werte tauschte, bevor der Vorhang fiel.
Die Zentralbanken der Welt spielen John Laws Spiel. Seit 2008. Seit Covid noch aggressiver. Und die fundamentale Frage, die ihr euch ab heute jeden verdammten Tag stellen müsst, ist: Sitze ich gerade auf echtem Wohlstand – oder auf einer Chimäre aus Luft und Schatten?
Willkommen in Tag 14. Willkommen in der Chimäre. Lasst uns weiterarbeiten.
Wir sehen uns bei Tag 15.
Geldmenge
Bitcoin & Globale M2-Geldmenge – Wiederholt sich die Geschichte?Die Entwicklung von Bitcoin zeigt historisch eine auffällige Korrelation zur globalen M2-Geldmenge. In vergangenen Bärenmärkten fielen markante Bitcoin-Tiefs häufig mit Phasen stagnierender oder rückläufiger globaler Liquidität zusammen. Sobald die Geldmenge wieder expandierte, folgten mit zeitlicher Verzögerung oft neue Aufwärtszyklen.
Aktuell präsentiert sich das Bild jedoch differenzierter. Während frühere Zyklen stark synchron mit Liquiditätsveränderungen verliefen, scheint sich die Marktstruktur diesmal anders zu entwickeln. Eine mögliche Erklärung liegt darin, dass sich die Marktteilnehmerbasis, institutionelle Beteiligung und regulatorische Rahmenbedingungen deutlich verändert haben.
Grundsätzlich gilt: Bitcoin agiert zunehmend als globaler Liquiditätsindikator. Steigende M2-Wachstumsraten bedeuten mehr verfügbare Kapitalströme im System – wovon risikobehaftete Assets tendenziell profitieren. Eine lockerere Geldpolitik könnte daher mittel- bis langfristig unterstützend wirken.
Dennoch wiederholt sich Marktgeschichte selten identisch. Makroökonomische Rahmenbedingungen, Zinspolitik, geopolitische Faktoren und Marktstruktur spielen heute eine komplexere Rolle als in früheren Zyklen. Deshalb sollte die M2-Korrelation als wichtiger, aber nicht isolierter Faktor betrachtet werden.
Wichtiger Hinweis:
Dies stellt keine Anlageberatung dar, sondern ausschließlich eine makroökonomische Betrachtung in Verbindung mit meiner persönlichen Marktanalyse.
Ich freue mich über eure Einschätzungen zur aktuellen Liquiditätslage und deren Einfluss auf Bitcoin.
S&P500 = Einpreisung der GeldmengeIm heutigen Chart sehen wir uns den S&P500 geteilt durch die WM2NS (Geldmenge) an.
Der Aufwärtstrend des S&P500 ist seit 2009 nicht mehr aufzuhalten und hat seit 2013 neue Höhen erklommen.
> Sobald man jedoch den Chart mit der "GELDMENGE" teilt, zeigt sich der unverfälschte Chart = die ungern gesehene Wahrheit.
= Unabhängig des steigenden Preises des Index, hat sich dieser im realen Wert nicht geändert / kaum merkbar.
= Die "Aktien-Rally" war dementsprechend nur die Einpreisung der ansteigenden Geldmenge.
Wir befinden uns seit ca. 30 Jahren in einem seitwärts Kanal:
= dieser wurde durch die "DOT COM BUBBLE" und die "FINANZ KRISE" gebrochen.
= im Chart kann man klar sehen, dass der Kanal als Unterstützung und Widerstand dient.
Derzeit befinden wir uns auf dem Weg zum Boden des Kanals = weitere 18 % - Downside.
> an diesem Boden, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass wir wieder zur anderen Seite der Range laufen = 64 % - Upside.
Wenn man sich die 18 % - Downside im S&P500 anschaut, würden wir bei ca. 3.000 Punkten landen.
> Die 3.000er Marke geht nicht nur mit Fibonacci und POI Level über ein, sondern stellt auch auf dem Monatschart eine starke DEMAND Zone dar.
> Aufgrund dessen, können wir bei einem weiteren Ab-Verkauf mit einer Reaktion in diesem Bereich rechnen.
Bei Betrachtung der Range ist ein Szenario des weiteren Ab-Verkaufs mehr als wahrscheinlich und geht mit der Meinung vieler überein.
Sollte dir diese Idee und Erklärung einen Mehrwert geboten haben, würde ich mich über eine Bewertung der Idee sehr freuen.
Vielen Dank und ein erfolgreiches Traden!
Bitcoin vor wichtigem Widerstand - Kommt jetzt die Korrektur?Bitcoin überwand am Wochenende die Marke von 28.000 Dollar und stieg damit auf ein neues Jahreshoch. Dieses liegt derzeit bei 28.567 US-Dollar. So hoch lag Bitcoin zuletzt im Juni 2022.
Im Zuge der Bankenkrise haben die Rettungsmaßnahmen die Bilanzen der Zentralbanken ansteigen lassen. Die Bilanz der US-amerikanischen Zentralbank Federal Reserve ist allein in der letzten Woche um rund 300 Milliarden US-Dollar angestiegen. Ein neuer Rekordwert. Dabei handelt es sich um expansive geldpolitische Maßnahmen und die Marktteilnehmer befürchten nun, dass die Inflation weiter angeheizt wird.
Der Bitcoin gilt als Inflationsschutz und profitiert von der Ausweitung der Geldmenge.
Aus charttechnischer Sicht liegt der Fokus nun auf der markanten Widerstandszone bei $28.600. Danach könnten die Widerstände bei $29.300 und an der psychologisch wichtigen Marke bei $30.000 angelaufen werden.
Nach unten hin finden wir markante Unterstützungszonen bei $27.750 ; $26.850 und bei $25.400 - $25.200.
Geldmenge M2 vs Sp500Langfristig wächst die Geldmenge M2 kontinuierlich an.
Das sieht schon ziemlich nach exponentiellem Wachstum aus. (Corona lässt grüssen)
Und mit dem Auftreten der Corona-Pandemie hat sich dieses Wachstum noch beschleunigt.
Der SP500 läuft mit dem Wachstum der M2-Geldmenge langfristig mit.
Es gibt zwar phasenweise, das können auch mal 5-10 Jahre sein, gibt es größere Abweichungen nach oben und nach unten.
Der Sp500 ist die letzten Jahre stärker gewachsen als die Geldmenge.
Die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur nach unten bzw. einer Seitwärtsbewegung wächst daher.
Es wird hier ein langer Zeitraum betrachtet, kurz- oder mittelfristig kann das anders aussehen.
Inflation Szenario einfach erklärt !In dieser Video Analyse gehe ich auf die aktuelle Inflationssituation ein. In dem 1 Teil geht es er um die Basics, also was ist Inflation, was macht eine Zentralbank und warum hat das Angebot und die Nachfrage einen Einfluss auf die Inflation Dynamik.
Viel Spaß beim schauen !
Geldmenge M1 vs GoldpreisGold könnte noch eine ganze Menge aufzuholen haben.
Tatsächlich ist die momentane Goldbewertung lächerlich gering.
Geht man davon aus daß es in '79 oder '81 mal fair bewerete war, so war die letzte Annäherung 2011 wonach M1 explodierte und der Goldpreis in eine massiv unterwebertete Phase überging.
Sollte die Geldmenge irgendwann in der Zukunft wieder reelle Werte abbilden so müsste der Goldpreis sich mittelfristig in Richtung 10.000 bewegen ....
Krise und VerschuldungDie Verschuldung verläuft derzeit auf hohem Niveau. Doch wer zahlt am Ende die Rechnung für die Krise? Kommt es zu Staatspleiten und Hyperinflation? Das muss nicht sein. Es gibt Auswege aus dem Dilemma.
Wie die Schulden relativiert werden können
Dem Essayisten Nicolas Baverez ist das Erstaunen anzumerken über das, was da gerade geschieht. "Die Corona-Pandemie führt zu einer beispiellosen Wirtschaftskrise", notiert Baverez in Le Figaro. "Zum zweiten Mal in zwölf Jahren haben die entwickelten Länder keine andere Wahl, als 20 bis 50 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts gegen eine mächtige Erschütterung einzusetzen. Niemals in der Geschichte der Wirtschaftspolitik wurden Summen in solchem Umfang und solchem Tempo mobilisiert."
Weltweit sind Ökonomen ziemlich einig, dass die Regierungen mit all den Paketen gegen die Pandemie das Richtige tun. Auch der Noteinsatz der Notenbanken wird goutiert. Doch je tiefer der wirtschaftliche Einbruch wird und je größer die Pakete ausfallen, desto mehr beschleicht Bürger die Sorge: Wer bezahlt das am Ende?
Der Internationale Währungsfonds schätzt, dass die Staatsschulden der USA allein dieses Jahr von gut 100 auf 130 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. Im Euro-Sorgenstaat Italien erwartet der IWF einen Anstieg auf 155, in Griechenland auf 200 Prozent. Dazu kommt, dass die Noteinsätze der Notenbanken deren Bilanzen aufblähen. Kommen die Industriestaaten von den Schuldenbergen und Bilanzbrocken je wieder runter? Kommt es zu Staatspleiten und Hyperinflation, die Währungen und Ersparnisse der Bürger zerstören?
Diese Gefahren sind real. Allerdings erlaubt der Blick in die Geschichte einen gewissen Optimismus. Die Industriestaaten haben Extremsituationen wie derzeit mit dem Lockdown in der Vergangenheit häufiger ganz gut bewältigt, ohne Schaden zu nehmen. Die Geschichte lehrt aber auch, was die Staaten leisten müssen, damit dies gelingt.
Die massiv verschuldeten Briten schlugen Napoleon - und entgingen der Pleite
Anfang des 19. Jahrhunderts vervielfachten sich die britischen Staatsschulden auf mehr als 200 Prozent der Wirtschaftsleistung - so hoch wie bald wohl Griechenlands Verbindlichkeiten. Zentraler Grund waren damals die Kriege gegen den französischen Kaiser Napoleon, der weite Teile Europas eroberte. Bemerkenswert ist, dass Großbritannien anders als Rivalen bewusst auf Verschuldung setzte, wie sie etwa das Bankhaus Rothschild über die neuartigen Staatsanleihen anbot. Als es 1815 bei Waterloo zur Entscheidungsschlacht kam, standen sich zwei Armeen von mehr als 60 000 Mann gegenüber. "Das war mehr als die Schlacht zweier Armeen", schreibt der Historiker Niall Ferguson, "es war auch der Wettkampf zweier Finanzsysteme. Das französische basierte auf Plünderung, der Besteuerung der Eroberten - und das britische auf Schulden."
Die Briten schlugen mit ihren Alliierten nicht nur Napoleon, sie entgingen auch einer Staatspleite. Ein wichtiger Grund dafür: ihre wirtschaftliche Aktivität. Großbritannien wurde zum Vorreiter der Industrialisierung, die Europa nie gesehenes Wachstum bescherte. Während vor 1750 kein europäischer Staat nennenswert wuchs, vervierfachte sich die britische Wirtschaftsleistung bis 1840. Spanien dagegen, durch die Ausplünderung Südamerikas reich an Gold und Silber, vernachlässigte die wirtschaftliche Aktivität und taumelte von einer Staatspleite zur nächsten.
Die Briten bewältigten eine weitere Extremsituation. Als Winston Churchill in seiner ersten Rede als Premier 1940 ankündigte, er habe nichts anzubieten als "Blut, Schweiß und Tränen", umfasste das auch Verbindlichkeiten. Bis Ende des Krieges gegen Hitler-Deutschland türmte sich der britische Schuldenberg auf 270 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch der amerikanische schwoll auf 130 Prozent an - wie laut IWF jetzt bald wieder.
Damals ging keiner der beiden Staaten pleite, nicht mal die Inflation schoss hoch. Entscheidend war, dass die Zinsen niedrig blieben, die die Regierungen für ihre Verbindlichkeiten zahlen mussten. Der frühere IWF-Chefökonom Olivier Blanchard rechnet vor: Sind die Zinsen niedriger als das Wirtschaftswachstum, kann sich ein Staat verschulden, ohne unterzugehen.
Diese Differenz zwischen Zinsen und Wachstum war der zentrale Kanal, über den es vielen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg gelang, die hohen Kriegsschulden zu relativieren. So könnte es auch diesmal gelingen, da die Zinsen seit Längerem niedrig sind. Zwischen 1800 und 2011 erlebten die Industriestaaten im übrigen 26 Episoden mit hohen Schuldenbergen, von denen 23 ohne Drama endeten.
Die Zinsen bleiben in einer Extremsituation oft niedrig, weil Sparer die Staatsanleihen und Sparbücher als sicheren Hafen betrachten, wo sie ihr Geld bevorzugt aufbewahren. Sie vertrauten damals Großbritannien und den USA, obwohl diese teils Etatdefizite von 15 Prozent der Wirtschaftsleistung aufwiesen. Das funktioniert nicht immer. Als die griechische Regierung 2009 nach der Finanzkrise ein Etatdefizit von 15 Prozent meldete, begannen Investoren, auf eine Pleite zu wetten - die Eurokrise begann.
Dieser Vergleich birgt eine Lehre für die Corona-Krise. "Probleme entstehen in Staaten, die sich nicht ausreichend in ihrer eigenen Währung verschulden können", so der Ökonom Peter Bofinger. Gefährdet sind etwa Russland, Schwellenländer und Eurostaaten wie Italien, das schon vor Corona Schulden von 135 Prozent drückte. Während die USA und Deutschland auch in der aktuellen Krise als sichere Häfen wahrgenommen werden, ist dies bei Südeuropa anders.
"Sollten die Zinsen in Südeuropa rapide steigen, könnte der Euroraum als Ganzes ins Wanken kommen, und damit die Stabilität Deutschlands", warnt der Schuldenforscher Christoph Trebesch. "Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Europa nun gemeinsam handelt auch durch die einmalige Ausgabe von Gemeinschaftsanleihen." Dies stoppt den Anstieg der Zinsen, die Wetten auf Südeuropas Pleite.
Die Notenbanker können helfen, wenn Politiker und Richter sie lassen
Insgesamt gibt es trotz der Corona-Schuldenberge Anlass zur Hoffnung. Die Industriestaaten schrumpfen den Verschuldungsgrad zum BIP, wenn ihre Wachstumsrate über den Zinsen bleibt. Aber klar ist auch: Dafür gibt es Voraussetzungen.
Die erste ist eben ein gewisses Wachstum. Dafür bedarf es zunächst eines Wiederaufbauplans, und dann grundsätzlicherer Bemühungen. Italien etwa wuchs in den vergangenen Dekaden oft kümmerlich. Hier werden in Zukunft mehr Anstrengungen nötig sein auch wenn keiner ein Wachstum wie in Großbritannien während der Industrialisierung erwarten darf.
Was die zweite Voraussetzung angeht, niedrige Zinsen, sind die Aussichten günstig. Die Zinsen fallen in den Industriestaaten seit Jahrzehnten. Und zwar schon bevor die Notenbanken ab der Finanzkrise 2008 ihre umstrittene lockere Geldpolitik betrieben. Es gibt dafür wohl mehrere Gründe: Alternde Gesellschaften sparen mehr, reife Industriegesellschaften wachsen weniger, digitale Firmen brauchen nicht so viele Fabriken und Maschinen.
Die global-fundamental niedrigen Zinsen helfen, die Schuldenberge zu relativieren. Zumal die Notenbanken den Regierungen Hilfe anbieten, in dem sie ihre Leitzinsen niedrig halten, wie Neil Irwin in der New York Times analysiert: "Über die Stabilität öffentlicher Finanzen entscheidet nicht die Größe des Schuldenbergs, sondern seine Finanzierungskosten." Die Notenbanken stehen zudem bereit, in größerem Umfang Staatsanleihen aufzukaufen. Auch das stabilisiert die Lage der Staaten. Für Schulden, die bei der Notenbank statt bei Investoren liegen, fordert keiner höhere Zinsen.
Aber gefährdet diese Operation nicht die Notenbanken selbst? Die Notenbanken der USA, der Eurozone, Großbritanniens oder Japans begeben sich gerade eindeutig in noch tieferes Wasser, als sie es zur Abwehr der Finanzkrise 2008 taten. Wuchsen ihre Bilanzen damals auf 20 Prozent der Wirtschaftsleistung, könnten sie im Jahresverlauf 2021 bis auf 60 Prozent anschwellen, so die US-Bank JP Morgan.
Ist das Wahnsinn? Klar erscheint, dass große Bilanzen für sich noch kein Drama sind. Die Schweizerische Notenbank operiert seit Jahren mit einer Bilanzsumme von über 100 Prozent, ohne dass jemand ernsthaft ihre Stabilität anzweifelt. Für Japan gilt ähnliches.
Am meisten sorgen sich die Bürger, dass Notenbanken und Schuldenberge eine neue Hyperinflation auslösen, die die Wirtschaft bremst und die Ersparnisse zerstört. Da werden wieder die Bilder heraufbeschworen, wie Deutsche im Jahr 1923 250 Milliarden Reichsmark in Schubkarren transportierten, um dafür nicht mehr zu bekommen als ein einziges Ei. Wiederholt sich diese Horrorzeit?
Als sich britische und amerikanische Schulden im Zweiten Weltkrieg auftürmten, geschah das nicht. Aktuell sind die Voraussetzungen günstig, dass es auch dann nicht zu hoher Inflation kommt, sobald sich die Volkswirtschaften von Lockdown erholt haben. Faktoren wie die Globalisierung und wirtschaftliche Sättigung drücken schon seit den 1990er-Jahren die Inflationsraten zumindest in den größeren Industrieländern. Wegen der internationalen Konkurrenz können Firmen schwerer ihre Preise erhöhen als vorher und Arbeitnehmer schwerer ihre Löhne. Dass sich Produktpreise via Amazon & Co. inzwischen weltweit vergleichen lassen, drückt die Preise weiter.
Notenbanken wie die EZB haderten in den vergangenen Jahren sogar, dass die Preissteigerung trotz ihrer lockeren Geldpolitik hartnäckig unter der Zielmarke blieb, die eine Inflation nahe zwei Prozent vorsieht. Die EZB hat also ausreichend Spielraum, eine etwas höhere Inflation zu kontrollieren, die sich post Lockdown ergeben mag.
Wer das alles zusammennimmt, erkennt mitten im ökonomischen Desaster Licht am Horizont. Schuldenberge und Notenbanken-Noteinsätze müssen nicht zu Staatspleiten und Hyperinflation führen. Jedenfalls, wenn Europas Staaten zusammenstehen - und sich auch nachhaltig um ihr Wachstum kümmern. Und wenn Regierungen und Notenbanken zwar unabhängig agieren, aber in die gleiche Richtung gegen die Krise. Genau so eine Krisenbewältigung stellten die deutschen Verfassungsrichter mit dem Urteil diese Woche allerdings infrage. Ein Grund zur Besorgnis ist es jedenfalls nicht.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg wie es heißt.
Andreas Schendel
Portfoliomanagement







