BTC: Comeback der Käufer — oder Rückkehr der Bären?Mein wöchentlicher Blick auf Bitcoin, krankheitsbedingt leider erst heute... Aktuell sehe ich kein klares Einstiegssignal — ich beobachte und handle BTC kurzfristig nur mit deutlich verkleinerten Positionen. Mein langfristiger Bestand bleibt unverändert.
1. WAS ICH IM CHART SEHE
Bitcoin hat letzte Woche zum ersten Mal seit Oktober 2025 wieder über einer wichtigen Linie (High März 2024 - bei ca. $73835) geschlossen, die Anfang des Jahres verloren ging. Diese Woche fällt der Kurs zurück und testet sie jetzt von oben. Hier wird sich zeigen, ob das Comeback hält.
Drei Dinge machen mich vorsichtig: Erstens kamen die grünen Wochenkerzen mit auffällig wenig Handelsvolumen. Echte Aufwärtsbewegungen werden normalerweise von starkem Volumen getragen. Zweitens zahlen seit etwa 47 Tagen im Terminmarkt durchgehend die Verkäufer Geld an die Käufer — eine der längsten solcher Phasen überhaupt. Wenn der Preis dann steigt, kann das daran liegen, dass Verkäufer gezwungen sind die unprofitablen Positionen zu schließen, nicht weil neue Käufer einsteigen. Drittens verläuft der mittelfristige Wochen-Durchschnitt (EMA150, blau im Chart) genau in der Zone, die der Kurs gerade testet. Hält er, ist das ein Argument für einen weiteren Anstieg. Bricht er, fehlt der Support und es könnte zumindest in der Spanne so weiter gehen.
2. WAS BITCOIN STÜTZT
In den letzten vier Wochen flossen den US-Bitcoin-Fonds rund 2,4 Milliarden Dollar zu — deutlich mehr als die Miner produzieren konnten. BlackRocks Fonds hält über 800.000 Bitcoin, fast 4 Prozent aller jemals geschürften Coins. Die Langfrist-Halter haben laut VanEck nach langer Verkaufsphase wieder angefangen zu kaufen. Strategy hat am 20. April nochmal über 34.000 Bitcoin nachgekauft.
3. WAS BITCOIN BELASTET
Der Iran-Krieg dauert an, die Straße von Hormus ist weitgehend blockiert. Die OPEC steckt in der schwersten Phase seit Jahren — die VAE haben gerade ihren Austritt angekündigt. Brent-Öl steht 44 Prozent über Vorkriegsniveau. US-Inflation auf 3,3 Prozent — höchster Wert seit Mai 2024. IWF und EZB warnen offen vor Stagflation: gleichzeitig hohe Inflation und schwaches Wachstum. Heute beginnt das dritte Treffen der US-Notenbank in diesem Jahr, ich bin gespannt ...
In so einem Umfeld bleibt Bitcoin für mich vor allem eine riskante Anlage. Das oft gehörte "Bitcoin schützt vor Inflation"-Narrativ sehe ich kritisch — in echten Krisen ist Bitcoin in den letzten Jahren erstmal mit Aktien gefallen, nicht wie Gold gestiegen. Wobei auch dies 2026 anders war, aber aus anderen Gründen: Bitcoin hat sich in diesem Zyklus widerstandsfähiger gezeigt als in früheren Krisen — vermutlich wegen der ETF-Strukturen und der institutionellen Käufer und Gold wurde im März stärker abverkauft, statt anzusteigen. Irgendwie verändert sich gerade zu viel gleichzeitig: an der Oberfläche viel Zuversicht in den Märkten, im Detail viel Unsicherheit. Das macht mich vorsichtiger und skeptischer.
4. DREI MÖGLICHE WEGE
A) Seitwärtsphase — für mich derzeit am wahrscheinlichsten. Bitcoin pendelt zwischen rund 67.000 und 80.000 Dollar, bis ein klarer Auslöser die Richtung erzwingt. (Variation von A: BTC steigt langsam bis in die Resistance-Zone zwischen 94.000–100.000 Dollar, um dann noch einmal stark zu korrigieren.)
B) Bewegung nach oben. Die wichtige Unterstützung hält, die Fonds-Zuflüsse setzen sich durch. Ein echter Trendwechsel beginnt aber erst deutlich höher — bei 90.000 bis 100.000 Dollar, wo die große Abwärtstrendlinie verläuft.
C) Weiter nach unten, in drei abgestuften Zonen: Erste Auffangzone bei rund 67.000–68.000 Dollar — dort verläuft der langfristige Wochen-Durchschnitt (EMA200, orange im Chart) und der untere Rand der Spanne. Bricht auch das, wäre die nächste Zone bei 53.000–57.000 Dollar — eine typische Korrektur-Marke. Echtes Bärenmarkt-Szenario: Erst wenn auch das bricht, sehe ich die Marke um 40.000 Dollar als Ziel. Diese runde Zahl wirkt erfahrungsgemäß als Magnet — viele warten dort mit Kauf-Orders ("nur nicht das Tief verpassen"). Genau deshalb wird der Markt sie testen, möglicherweise kurz unterschreiten.
Welches Szenario kommt, hängt vermutlich weniger vom Chart und den Tradern ab als vom Makro-Bild — Fed, Iran, Inflation. Die großen institutionellen Anleger bewegen den Markt mittlerweile deutlich stärker als früher.
5. WAS ICH MACHE
Mein langfristiger Bitcoin-Bestand und DCA-Sparplan bleibt unverändert — der gehört zum Vermögensaufbau, nicht zum Trading. Für meine kurzfristigen Trades bin ich aktuell mit deutlich kleineren Positionen und sehr vorsichtig unterwegs. Mein Regelwerk gibt kein sauberes Einstiegs-Signal, und in Seitwärtsphasen mit unklarer Großwetterlage ist das Verhältnis aus Chance und Aufwand für meine Timeframes zu ungünstig.
Ich warte auf eine von drei Klärungen: Stabile Verteidigung der aktuellen Zone mit besserem Volumen, oder klarer Bruch nach unten, oder Klärung beim Makro-Bild. Geduld kostet aktuell wenig. Eile dafür viel.
OFFENLEGUNG
Privatperson / privater Trader
Eigene Positionen: Bitcoin als langfristiger Bestand + DCA (unverändert) sowie aktuell stark verkleinerte kurzfristige Trading-Positionen.
Dies ist mein persönliches Markt-Update — keine Anlageberatung, keine Handlungsaufforderung.
Quellen: TradingView, SoSoValue, Farside Investors, CoinGlass, VanEck, Reuters.
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