Makroökonomie & Geopolitik
Die vergangene Handelswoche stand vollständig unter dem Einfluss eines deutlichen Stimmungswechsels an den globalen Finanzmärkten. Nachdem die Märkte in den Vorwochen noch von geopolitischen Unsicherheiten, steigenden Renditen und einer zunehmenden Skepsis gegenüber dem Technologiesektor belastet wurden, sorgten in dieser Woche vor allem die US-Arbeitsmarktdaten für eine deutliche Neubewertung der geldpolitischen Erwartungen.
Insbesondere zum Wochenschluss entwickelte sich ein klares Risk-On-Umfeld. Aktien konnten weltweit zulegen, der Goldpreis profitierte von fallenden Zinserwartungen, der US-Dollar gab einen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder ab und die Volatilität fiel auf den niedrigsten Stand seit mehreren Wochen zurück. Gleichzeitig blieb eine weitere Eskalation im Nahen Osten aus, wodurch der Ölmarkt ebenfalls deutlich an Risikoaufschlägen verlor.
US-Arbeitsmarkt verändert den Marktausblick
Das wichtigste Ereignis der Woche waren ohne Zweifel die US-Arbeitsmarktdaten.
Während die Inflation in den vergangenen Monaten das dominierende Thema war, richtet sich der Fokus der Federal Reserve zunehmend auf den Zustand des Arbeitsmarktes. Genau hier lieferte der aktuelle Bericht erste Anzeichen einer Abschwächung.
Die neu geschaffenen Stellen fielen schwächer aus als in den Vormonaten, gleichzeitig wurden die Beschäftigungszahlen der vergangenen Monate nach unten revidiert. Obwohl der Arbeitsmarkt weiterhin robust bleibt, erkennen die Märkte inzwischen erste Bremsspuren.
Für Investoren ist dies von enormer Bedeutung.
Ein etwas schwächerer Arbeitsmarkt reduziert den Lohndruck und damit langfristig auch den Inflationsdruck. Gleichzeitig sinkt der Druck auf die Federal Reserve, ihre Geldpolitik weiter zu verschärfen.
Entsprechend wurden unmittelbar nach Veröffentlichung der Daten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen deutlich zurückgenommen.
Während noch vor wenigen Tagen vereinzelt eine Zinserhöhung bereits im September diskutiert wurde, verschieben die Terminmärkte diese Wahrscheinlichkeit inzwischen deutlich weiter nach hinten. Aktuell preisen die Marktteilnehmer vielmehr ein längeres Stillhalten der Fed ein.
Diese Veränderung war letztendlich der entscheidende Auslöser für die starke Erholung an den Aktienmärkten.
Federal Reserve
An der grundsätzlichen Haltung der Federal Reserve hat sich allerdings wenig verändert.
Die Inflation liegt weiterhin oberhalb des Zielwertes von zwei Prozent und mehrere Fed-Mitglieder betonten zuletzt erneut ihre datenabhängige Vorgehensweise.
Dennoch zeigte die Reaktion der Finanzmärkte sehr deutlich, dass bereits kleine Veränderungen im Arbeitsmarkt aktuell ausreichen, um die Zinserwartungen spürbar zu verschieben.
Genau diese Entwicklung erklärt den deutlichen Rückgang des US-Dollars sowie die starke Nachfrage nach Risikoanlagen.
Eurozone
Auch aus Europa kamen überwiegend konstruktive Signale.
Die CPI Daten in Europa nahmen weiterhin ab und lagen mit 2.8% sogar unter den Erwartungen von 3%.
Durch fallende Inflation, ist die EZB zukünftig nicht gezwungen Zinserhöhungen vorzunehmen. Diese Signale sind erstmal positiv für europäische Risk Assets.
Die endgültigen Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor lagen leicht über den Erwartungen.
Besonders der Eurozonen Composite PMI konnte mit einem Wert von 50 Punkten erstmals wieder knapp in den expansiven Bereich zurückkehren.
Deutschland zeigte ebenfalls eine leichte Verbesserung gegenüber den Schätzungen.
Von Seiten der Europäischen Zentralbank gab es hingegen keine neuen Überraschungen.
Mehrere EZB-Mitglieder betonten eine ausgewogene Risikolage und signalisierten keine unmittelbar bevorstehenden geldpolitischen Änderungen.
Damit bleibt das Bild in Europa kurzfristig trotzdem unverändert.
Die Wirtschaft wächst weiterhin langsam, zeigt aktuell jedoch erste Stabilisierungstendenzen.
Warum liefen europäische Aktien so stark?
Viele Marktteilnehmer stellten sich in dieser Woche genau diese Frage.
Der DAX entwickelte sich deutlich stärker als zahlreiche internationale Indizes und markierte erstmals seit Januar wieder neue Allzeithochs.
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Erstens sorgten die schwächeren US-Arbeitsmarktdaten weltweit für sinkende Zinserwartungen.
Fallende Zinserwartungen führen in der Regel zu sinkenden Diskontierungszinsen und damit zu höheren Bewertungen an den Aktienmärkten.
Dazu ist die Inflation in Europa ebenfalls gefallen und verstärkt dieses Bild damit umso mehr.
Zweitens gingen die Renditen nach Veröffentlichung der Daten leicht zurück, wodurch insbesondere europäische Standardwerte zusätzliche Unterstützung erhielten.
Drittens überraschten die europäischen Einkaufsmanagerindizes leicht positiv.
Und viertens blieb die befürchtete Eskalation im Nahen Osten erneut aus.
Gerade europäische Industrieunternehmen reagieren besonders sensibel auf steigende Energiepreise.
Da Brent und WTI in dieser Woche jedoch deutlich nachgaben, nahm auch dieser Belastungsfaktor weiter ab.
In Summe entstand dadurch ein nahezu ideales Umfeld für europäische Aktien.
Geopolitik
Auch geopolitisch blieb die Lage deutlich ruhiger als noch vor wenigen Wochen.
Der Markt beobachtet weiterhin aufmerksam die Entwicklungen zwischen Israel und dem Iran sowie die Situation rund um die Straße von Hormus.
Die tatsächlichen Schifffahrtsdaten zeigen jedoch ein deutlich entspannteres Bild als viele Schlagzeilen vermuten lassen.
Nach aktuellen Transitdaten passierten am Freitag insgesamt 39 Schiffe die Straße von Hormus.
Davon befanden sich 17 Schiffe auf dem Weg in den Persischen Golf und 22 Schiffe verließen die Region.
Besonders wichtig:
Es gab keinerlei Hinweise auf eine tatsächliche Blockade oder nennenswerte Einschränkungen des Ölverkehrs.
Auch die Verladungen an Irans wichtigstem Exportterminal auf Kharg Island laufen weiterhin nahezu unverändert.
Zwar werden weiterhin sogenannte Dark-Fleet-Tanker, AIS-Manipulationen sowie verschiedene Umgehungsstrategien westlicher Sanktionen beobachtet, diese Entwicklungen stellen mittlerweile jedoch eher den Normalzustand als eine neue Eskalation dar.
Für den Ölmarkt bedeutet dies vor allem eines:
Das globale Angebot bleibt aktuell weitgehend stabil.
Damit entfällt einer der wichtigsten Gründe für einen nachhaltigen Ölpreisanstieg.
China und Taiwan
Auch in Asien blieb die Lage vergleichsweise ruhig.
China kündigte Anpassungen bei den Steuervergünstigungen für Elektrofahrzeuge an und setzte seine Küstenwachenpatrouillen nahe Taiwan fort.
Diese Entwicklungen sorgten jedoch kaum für größere Marktbewegungen.
KI bleibt langfristig das dominierende Thema
Abseits der Makrodaten rückte erneut der KI-Sektor in den Fokus.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Meldung, dass Meta eine mögliche Produktion eigener KI-Chips bei Samsung prüfen soll.
Auch wenn bisher keine endgültige Entscheidung bekannt wurde, unterstreicht diese Nachricht erneut den anhaltenden Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz.
Der Markt geht weiterhin davon aus, dass die Ausgaben großer Technologiekonzerne für Rechenzentren, Halbleiter und KI-Infrastruktur in den kommenden Quartalen auf hohem Niveau bleiben werden.
Diese Entwicklung dürfte insbesondere den Halbleitersektor auch langfristig unterstützen und ist für die kommenden Earnings für Q2 umso wichtiger.
Zwischenfazit
Die Kombination aus einem leicht abkühlenden US-Arbeitsmarkt, stabileren Inflations- und Konjunkturdaten in Europa, einer weiterhin ruhigen Lage am Ölmarkt sowie einer nachlassenden Zinssorgen führte letztendlich zu einem klaren Risk-On-Umfeld.
Aktienmärkte weltweit konnten deutlich zulegen, Gold profitierte von sinkenden Zinserwartungen, während der US-Dollar einen Teil seiner jüngsten Stärke wieder abgab.
Für die kommende Handelswoche wird nun entscheidend sein, ob sich diese Entwicklung fortsetzt oder neue Inflationsdaten beziehungsweise Aussagen der Notenbanken erneut für Gegenwind sorgen.
Märkte & Korrelationen im Überblick
US Oil
Am Ölmarkt setzte sich die Abwärtsbewegung in dieser Woche weiter fort. WTI verlor auf Wochenbasis rund 2,7 % und schloss bei 68,4 US-Dollar. Damit notiert der Ölpreis direkt wieder unter dem Quartalstief sowie unter dem Monatstief vom Juni. Charttechnisch bleibt das Bild damit zunächst klar bearish.
Aus fundamentaler Sicht passt diese Entwicklung ebenfalls zum Gesamtbild der Woche. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben sich zwar keineswegs vollständig aufgelöst, der Markt preist aktuell jedoch eine deutlich geringere Eskalationswahrscheinlichkeit ein. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus geöffnet und auch die iranischen Ölexporte laufen nahezu unverändert weiter. Dadurch verschwindet ein Großteil der zuvor eingepreisten geopolitischen Risikoprämie.
Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner Einschätzung der vergangenen Wochen. Sollte sich die Situation zwischen Iran, Israel oder den USA erneut verschärfen, besitzt der Ölmarkt enormes Potenzial für einen schnellen Short Squeeze. Die aktuelle Positionierung vieler Marktteilnehmer wirkt mittlerweile sehr einseitig.
Charttechnisch bleiben für mich insbesondere drei Preisbereiche entscheidend. Zunächst das ehemalige Monatstief vom März bei rund 69,20 US-Dollar, anschließend der Bereich um 68,60 US-Dollar als Monatstief vom Juni sowie darüber die wichtige Widerstandszone um 72 US-Dollar, an welcher sowohl der Jahreseröffnungs- als auch der Jahresschlusskurs der vergangenen Jahre verläuft.
Solange Öl unterhalb dieser Marken notiert, bleibt der kurzfristige Trend klar abwärtsgerichtet.
US-Staatsanleihen
Die US-Staatsanleihen entwickelten sich in dieser Woche erneut leicht positiv.
Die Renditen stiegen über nahezu alle Laufzeiten hinweg moderat an.
• 3-jährige Staatsanleihen: +1,70 %
• 5-jährige Staatsanleihen: +2,46 %
• 10-jährige Staatsanleihen: +2,75 %
• 30-jährige Staatsanleihen: +2,53 %
Damit notieren die Renditen weiterhin auf einem historisch hohen Niveau.
Dies zeigt sehr deutlich, dass der Markt trotz der schwächeren Arbeitsmarktdaten noch immer von einer vergleichsweise restriktiven Geldpolitik ausgeht. Zwar wurden nach den NFP-Daten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen etwas zurückgenommen, dennoch bleibt das Zinsniveau insgesamt hoch.
Besonders interessant war die Marktreaktion unmittelbar nach Veröffentlichung der NFP-Daten. Kurzfristig fielen die Renditen deutlich, bevor sich der Anleihemarkt im weiteren Verlauf der Sitzung wieder stabilisierte. Insgesamt ergibt sich dadurch weiterhin das Bild einer vorsichtigen, aber keineswegs panischen Neubewertung der Zinserwartungen.
Für die kommenden Wochen bleibt der Anleihemarkt einer der wichtigsten Indikatoren überhaupt. Sollten die Renditen nachhaltig zurückkommen, dürfte dies insbesondere Wachstumswerte und den Technologiesektor weiter unterstützen.
US-Dollar (DXY)
Der US-Dollar zeigte nach mehreren starken Wochen erstmals wieder deutliche Schwäche.
Auf Wochenbasis verlor der Dollar-Index rund 0,5 % und schloss bei 100,887 Punkten.
Besonders wichtig war dabei der technische Verlauf. Der Versuch, die Marke von 101,50 Punkten nachhaltig zu überwinden, scheiterte erneut. Im Anschluss fiel der DXY sogar wieder unter die psychologisch wichtige 101-Punkte-Marke zurück.
Genau dieses Szenario hatte ich bereits im Laufe der Woche mehrfach angesprochen.
Nun entscheidet sich, ob der Bereich zwischen 100,50 und 100,65 Punkten als Unterstützung dient oder ob der Dollar erneut vollständig in seine übergeordnete Jahresrange zurückfällt.
Fundamental passt diese Entwicklung hervorragend zur Marktreaktion auf die NFP-Daten. Schwächere Beschäftigungszahlen erhöhen die Hoffnung auf eine weniger restriktive Federal Reserve. Dadurch verlieren Zinserhöhungen an Wahrscheinlichkeit, was den US-Dollar unmittelbar belastet.
Sollte sich dieses Bild in den kommenden Wochen durch weitere schwächere Konjunkturdaten bestätigen, könnte der Dollar seine Korrektur zunächst fortsetzen.
Gelingt dagegen erneut der Sprung über 101 Punkte, dürfte der Fokus wieder auf dem Bereich um 102 Punkte liegen.
Volatilitätsindex (VIX)
Auch der Volatilitätsindex bestätigte in dieser Woche das insgesamt konstruktive Marktumfeld.
Der VIX verlor auf Wochenbasis rund 13 % und schloss bei lediglich 16,15 Punkten.
Damit bleibt die implizite Volatilität weiterhin deutlich unter der wichtigen Marke von 20 Punkten.
Historisch spricht ein derart niedriger VIX für eine hohe Risikobereitschaft institutioneller Anleger und bestätigt aktuell das bestehende Risk-On-Umfeld.
Natürlich bedeutet ein niedriger VIX niemals, dass keine Korrektur eintreten kann. Dennoch zeigt er aktuell sehr deutlich, dass die Marktteilnehmer kurzfristig keine außergewöhnlichen Risiken einpreisen.
In Kombination mit den schwächeren NFP-Daten, dem nachgebenden US-Dollar sowie den weiterhin stabilen Ölpreisen ergibt sich damit ein insgesamt konstruktives Umfeld für Risikoanlagen.
Zwischenfazit
Betrachtet man Öl, Staatsanleihen, Dollar und Volatilität gemeinsam, ergibt sich aktuell ein sehr interessantes Gesamtbild.
Der Ölpreis bleibt trotz geopolitischer Risiken niedrig, der Dollar verliert nach den Arbeitsmarktdaten an Stärke, der VIX signalisiert weiterhin eine hohe Risikobereitschaft und die Renditen bewegen sich zwar auf erhöhtem Niveau, konnten ihre jüngste Dynamik jedoch nicht weiter beschleunigen.
Genau diese Kombination erklärt, weshalb sich Aktienmärkte weltweit in dieser Woche so stark entwickeln konnten. Insbesondere europäische Indizes wie der DAX profitierten von diesem Umfeld überdurchschnittlich stark.
Risk Assets im Überblick
Nvidia
Der KI-Sektor blieb auch in dieser Woche einer der spannendsten Bereiche am Aktienmarkt. Nvidia konnte die Handelswoche zwar mit einem leichten Plus von rund 1,15 % beenden, das kurzfristige charttechnische Bild bleibt jedoch weiterhin angeschlagen.
Seit dem Allzeithoch hat die Aktie mittlerweile rund 17,5 % korrigiert und schafft es bislang nicht, die psychologisch wichtige Marke bei 200 US-Dollar nachhaltig zurückzuerobern. Genau diese Zone bleibt kurzfristig der entscheidende Widerstand.
Auf der Unterseite richtet sich mein Fokus weiterhin auf den Bereich um 190 US-Dollar. Sollte diese Unterstützung nicht halten, öffnet sich aus meiner Sicht der Weg in Richtung 186 US-Dollar und im weiteren Verlauf sogar bis in den Bereich um 180 US-Dollar.
Nichtsdestotrotz sollte man den langfristigen Trend nicht aus den Augen verlieren. Übergeordnet befindet sich Nvidia weiterhin klar in einem intakten Aufwärtstrend. Die strukturellen Wachstumstreiber rund um künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Halbleiter bleiben vollständig erhalten. Kurzfristig sehen wir aktuell lediglich eine gesunde Konsolidierung innerhalb dieses langfristigen Trends.
Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 200 US-Dollar würde das technische Bild wieder deutlich aufhellen und Raum für eine Bewegung in Richtung der bisherigen Hochs schaffen.
Bitcoin
Bitcoin zeigte in dieser Woche erstmals seit längerer Zeit wieder deutliche relative Stärke.
Nachdem zu Wochenbeginn nochmals Tiefststände um 57.850 US-Dollar getestet wurden, gelang den Käufern eine schnelle Stabilisierung. Bereits zur Wochenmitte konnte sich Bitcoin wieder oberhalb von 60.000 US-Dollar etablieren und durchbrach anschließend sogar die wichtige Marke bei 61.000 US-Dollar.
Damit wurden inzwischen drei aufeinanderfolgende bullische Tageskerzen ausgebildet.
Auf Wochenbasis notiert Bitcoin aktuell rund 5 % im Plus.
Trotz dieser kurzfristigen Erholung bleibt mein übergeordnetes Bild jedoch unverändert vorsichtig. Die langfristige Marktstruktur ist erst dann wieder klar bullisch, wenn die nächsten relevanten Widerstände zurückerobert werden.
Hier stehen insbesondere folgende Marken im Fokus:
• 65.000 US-Dollar (Monatstief März)
• 65.700 US-Dollar (Monatstief April)
• 67.000 US-Dollar als nächster größerer Widerstandsbereich.
Erst oberhalb dieser Preiszonen würde sich das langfristige Chartbild wieder deutlich verbessern.
Bis dahin werte ich die aktuelle Bewegung weiterhin als technische Erholung innerhalb einer übergeordneten Konsolidierung.
S&P 500
Der S&P 500 konnte die Handelswoche trotz zwischenzeitlicher Schwankungen mit einem Wochenplus von rund 1,8 % abschließen.
Besonders positiv ist dabei, dass sich der Index oberhalb der wichtigen Unterstützung um 7.500 Punkte stabilisieren konnte.
Die schwächeren US-Arbeitsmarktdaten sorgten dafür, dass sich die Zinserwartungen leicht entspannten und dadurch erneut Kapital in den breiten Aktienmarkt floss.
Das übergeordnete Bild bleibt damit weiterhin konstruktiv.
Die nächsten entscheidenden Ziele bleiben aus meiner Sicht die bisherigen Allzeithochs im Bereich um 7.600-7.700 Punkte.
Solange der Bereich um 7.400 Punkte verteidigt wird, bleibt der mittelfristige Aufwärtstrend vollständig intakt.
Nasdaq
Der Nasdaq zeigte sich in dieser Woche etwas schwächer als der Dow Jones oder der DAX, konnte die Woche jedoch ebenfalls mit einem Plus von rund 1,4 % beenden.
Technisch bleibt das Bild nahezu unverändert.
Die Marke bei 30.000 Punkten stellt weiterhin den entscheidenden Widerstand dar.
Auf der Unterseite bleibt insbesondere der Bereich um 29.500 Punkte kurzfristig wichtig, während das übergeordnete Strukturtief bei rund 28.800 Punkten weiterhin als entscheidende Unterstützung dient.
Sollte der Nasdaq die Zone zwischen 30.600 und 30.700 Punkten nachhaltig überwinden, würde sich das Chartbild deutlich verbessern und neue Allzeithochs rücken wieder in den Fokus.
Bis dahin bleibt der Technologiesektor kurzfristig etwas anfälliger als die übrigen US-Indizes.
US30 (Dow Jones)
Der Dow Jones gehörte auch in dieser Woche erneut zu den stärksten großen Indizes weltweit.
Mit einem Wochenplus von rund 1,9 % wurden neue Allzeithochs erreicht und zeitweise sogar die Marke von 53.150 Punkten überschritten.
Besonders bemerkenswert war dabei die enorme relative Stärke gegenüber dem Nasdaq.
Während Technologiewerte weiterhin unter Gewinnmitnahmen litten, floss Kapital verstärkt in klassische Industrie- und Standardwerte.
Der Wochenschlusskurs bei rund 52.923 Punkten bestätigt den weiterhin intakten Aufwärtstrend.
Solange keine deutliche Schwäche unterhalb der jüngsten Ausbruchszone auftritt, bleibt der Dow Jones für mich einer der stärksten internationalen Leitindizes.
DAX – Charttechnischer Wochenrückblick
Der DAX war ohne Zweifel der stärkste große Aktienindex dieser Handelswoche.
Mit einem Wochenplus von rund 4,8 % gelang dem deutschen Leitindex der Ausbruch auf ein neues Allzeithoch – erstmals seit dem 13. Januar 2026.
Besonders beeindruckend war dabei die Dynamik des Anstiegs.
Innerhalb kurzer Zeit wurden nahezu sämtliche relevanten Widerstände überwunden.
Sowohl die Jahreshochs als auch die Quartalshochs sowie sämtliche bisherigen Allzeithochs wurden mit außergewöhnlich starkem Momentum nach oben durchbrochen.
Der Wochenschlusskurs bei rund 25.814 Punkten markiert gleichzeitig den höchsten Wochenschluss der DAX-Geschichte.
Fundamental wurde diese Bewegung gleich von mehreren Faktoren unterstützt.
Zum einen sorgten die schwächeren US-Arbeitsmarktdaten für sinkende Zinserwartungen. Zum anderen entwickelten sich die europäischen Inflationsdaten besser als erwartet und die Konjunkturdaten fielen ebenfalls leicht besser als erwartet aus. Hinzu kamen die Entspannung am Ölmarkt sowie das Ausbleiben weiterer geopolitischer Eskalationen.
Diese Kombination schuf ein nahezu ideales Umfeld für europäische Aktien.
Trotz des ausgesprochen bullischen Gesamtbildes sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der DAX historisch betrachtet nach neuen Allzeithochs häufig zunächst deutliche Gewinnmitnahmen gesehen hat.
Das bedeutet keineswegs, dass sich dieses Szenario zwangsläufig wiederholen muss.
Dennoch werde ich in den kommenden Handelstagen genau beobachten, ob der Bereich um die ehemaligen Allzeithochs erfolgreich als neue Unterstützung bestätigt werden kann.
Gelingt dieser Retest, würde dies den Ausbruch zusätzlich bestätigen und den Weg für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends ebnen.
Aktuell spricht das außergewöhnlich starke Momentum jedoch klar für die Käuferseite.
Fazit der Woche
KW27 markierte einen wichtigen Wendepunkt für die Finanzmärkte.
Die Kombination aus einem sich leicht abschwächenden US-Arbeitsmarkt, stabilen Inflationsdaten, einer Entspannung im Nahen Osten und sinkenden Zinserwartungen führte zu einer deutlichen Verbesserung der Marktstimmung.
Besonders europäische Aktien profitierten von diesem Umfeld überdurchschnittlich stark. Der DAX erreichte neue Allzeithochs, der Dow Jones setzte seinen Aufwärtstrend fort und auch der S&P 500 bleibt konstruktiv.
Für die kommenden Wochen richtet sich der Fokus nun zunehmend auf die anstehende Q2-Earnings-Season. Vor allem die Ergebnisse der großen Technologieunternehmen dürften darüber entscheiden, ob die aktuelle Risk-On-Phase weiter Bestand hat oder ob es nach den starken Kursanstiegen zunächst zu einer größeren Konsolidierung kommt.
Insgesamt überwiegt aus meiner Sicht nach wie vor das bullische Gesamtbild. Dennoch gilt es nach den dynamischen Anstiegen insbesondere im DAX aufmerksam zu bleiben. Rücksetzer und Gewinnmitnahmen wären nach einer derart starken Woche keineswegs ungewöhnlich, würden den übergeordneten Aufwärtstrend aktuell jedoch noch nicht infrage stellen.
Keine Anlageberatung – ausschließlich meine persönliche Markteinschätzung.
Wünsch euch ein schönes Wochenende!
Die vergangene Handelswoche stand vollständig unter dem Einfluss eines deutlichen Stimmungswechsels an den globalen Finanzmärkten. Nachdem die Märkte in den Vorwochen noch von geopolitischen Unsicherheiten, steigenden Renditen und einer zunehmenden Skepsis gegenüber dem Technologiesektor belastet wurden, sorgten in dieser Woche vor allem die US-Arbeitsmarktdaten für eine deutliche Neubewertung der geldpolitischen Erwartungen.
Insbesondere zum Wochenschluss entwickelte sich ein klares Risk-On-Umfeld. Aktien konnten weltweit zulegen, der Goldpreis profitierte von fallenden Zinserwartungen, der US-Dollar gab einen Teil seiner jüngsten Gewinne wieder ab und die Volatilität fiel auf den niedrigsten Stand seit mehreren Wochen zurück. Gleichzeitig blieb eine weitere Eskalation im Nahen Osten aus, wodurch der Ölmarkt ebenfalls deutlich an Risikoaufschlägen verlor.
US-Arbeitsmarkt verändert den Marktausblick
Das wichtigste Ereignis der Woche waren ohne Zweifel die US-Arbeitsmarktdaten.
Während die Inflation in den vergangenen Monaten das dominierende Thema war, richtet sich der Fokus der Federal Reserve zunehmend auf den Zustand des Arbeitsmarktes. Genau hier lieferte der aktuelle Bericht erste Anzeichen einer Abschwächung.
Die neu geschaffenen Stellen fielen schwächer aus als in den Vormonaten, gleichzeitig wurden die Beschäftigungszahlen der vergangenen Monate nach unten revidiert. Obwohl der Arbeitsmarkt weiterhin robust bleibt, erkennen die Märkte inzwischen erste Bremsspuren.
Für Investoren ist dies von enormer Bedeutung.
Ein etwas schwächerer Arbeitsmarkt reduziert den Lohndruck und damit langfristig auch den Inflationsdruck. Gleichzeitig sinkt der Druck auf die Federal Reserve, ihre Geldpolitik weiter zu verschärfen.
Entsprechend wurden unmittelbar nach Veröffentlichung der Daten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen deutlich zurückgenommen.
Während noch vor wenigen Tagen vereinzelt eine Zinserhöhung bereits im September diskutiert wurde, verschieben die Terminmärkte diese Wahrscheinlichkeit inzwischen deutlich weiter nach hinten. Aktuell preisen die Marktteilnehmer vielmehr ein längeres Stillhalten der Fed ein.
Diese Veränderung war letztendlich der entscheidende Auslöser für die starke Erholung an den Aktienmärkten.
Federal Reserve
An der grundsätzlichen Haltung der Federal Reserve hat sich allerdings wenig verändert.
Die Inflation liegt weiterhin oberhalb des Zielwertes von zwei Prozent und mehrere Fed-Mitglieder betonten zuletzt erneut ihre datenabhängige Vorgehensweise.
Dennoch zeigte die Reaktion der Finanzmärkte sehr deutlich, dass bereits kleine Veränderungen im Arbeitsmarkt aktuell ausreichen, um die Zinserwartungen spürbar zu verschieben.
Genau diese Entwicklung erklärt den deutlichen Rückgang des US-Dollars sowie die starke Nachfrage nach Risikoanlagen.
Eurozone
Auch aus Europa kamen überwiegend konstruktive Signale.
Die CPI Daten in Europa nahmen weiterhin ab und lagen mit 2.8% sogar unter den Erwartungen von 3%.
Durch fallende Inflation, ist die EZB zukünftig nicht gezwungen Zinserhöhungen vorzunehmen. Diese Signale sind erstmal positiv für europäische Risk Assets.
Die endgültigen Einkaufsmanagerindizes für den Dienstleistungssektor lagen leicht über den Erwartungen.
Besonders der Eurozonen Composite PMI konnte mit einem Wert von 50 Punkten erstmals wieder knapp in den expansiven Bereich zurückkehren.
Deutschland zeigte ebenfalls eine leichte Verbesserung gegenüber den Schätzungen.
Von Seiten der Europäischen Zentralbank gab es hingegen keine neuen Überraschungen.
Mehrere EZB-Mitglieder betonten eine ausgewogene Risikolage und signalisierten keine unmittelbar bevorstehenden geldpolitischen Änderungen.
Damit bleibt das Bild in Europa kurzfristig trotzdem unverändert.
Die Wirtschaft wächst weiterhin langsam, zeigt aktuell jedoch erste Stabilisierungstendenzen.
Warum liefen europäische Aktien so stark?
Viele Marktteilnehmer stellten sich in dieser Woche genau diese Frage.
Der DAX entwickelte sich deutlich stärker als zahlreiche internationale Indizes und markierte erstmals seit Januar wieder neue Allzeithochs.
Dafür gibt es mehrere Gründe.
Erstens sorgten die schwächeren US-Arbeitsmarktdaten weltweit für sinkende Zinserwartungen.
Fallende Zinserwartungen führen in der Regel zu sinkenden Diskontierungszinsen und damit zu höheren Bewertungen an den Aktienmärkten.
Dazu ist die Inflation in Europa ebenfalls gefallen und verstärkt dieses Bild damit umso mehr.
Zweitens gingen die Renditen nach Veröffentlichung der Daten leicht zurück, wodurch insbesondere europäische Standardwerte zusätzliche Unterstützung erhielten.
Drittens überraschten die europäischen Einkaufsmanagerindizes leicht positiv.
Und viertens blieb die befürchtete Eskalation im Nahen Osten erneut aus.
Gerade europäische Industrieunternehmen reagieren besonders sensibel auf steigende Energiepreise.
Da Brent und WTI in dieser Woche jedoch deutlich nachgaben, nahm auch dieser Belastungsfaktor weiter ab.
In Summe entstand dadurch ein nahezu ideales Umfeld für europäische Aktien.
Geopolitik
Auch geopolitisch blieb die Lage deutlich ruhiger als noch vor wenigen Wochen.
Der Markt beobachtet weiterhin aufmerksam die Entwicklungen zwischen Israel und dem Iran sowie die Situation rund um die Straße von Hormus.
Die tatsächlichen Schifffahrtsdaten zeigen jedoch ein deutlich entspannteres Bild als viele Schlagzeilen vermuten lassen.
Nach aktuellen Transitdaten passierten am Freitag insgesamt 39 Schiffe die Straße von Hormus.
Davon befanden sich 17 Schiffe auf dem Weg in den Persischen Golf und 22 Schiffe verließen die Region.
Besonders wichtig:
Es gab keinerlei Hinweise auf eine tatsächliche Blockade oder nennenswerte Einschränkungen des Ölverkehrs.
Auch die Verladungen an Irans wichtigstem Exportterminal auf Kharg Island laufen weiterhin nahezu unverändert.
Zwar werden weiterhin sogenannte Dark-Fleet-Tanker, AIS-Manipulationen sowie verschiedene Umgehungsstrategien westlicher Sanktionen beobachtet, diese Entwicklungen stellen mittlerweile jedoch eher den Normalzustand als eine neue Eskalation dar.
Für den Ölmarkt bedeutet dies vor allem eines:
Das globale Angebot bleibt aktuell weitgehend stabil.
Damit entfällt einer der wichtigsten Gründe für einen nachhaltigen Ölpreisanstieg.
China und Taiwan
Auch in Asien blieb die Lage vergleichsweise ruhig.
China kündigte Anpassungen bei den Steuervergünstigungen für Elektrofahrzeuge an und setzte seine Küstenwachenpatrouillen nahe Taiwan fort.
Diese Entwicklungen sorgten jedoch kaum für größere Marktbewegungen.
KI bleibt langfristig das dominierende Thema
Abseits der Makrodaten rückte erneut der KI-Sektor in den Fokus.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Meldung, dass Meta eine mögliche Produktion eigener KI-Chips bei Samsung prüfen soll.
Auch wenn bisher keine endgültige Entscheidung bekannt wurde, unterstreicht diese Nachricht erneut den anhaltenden Investitionszyklus rund um künstliche Intelligenz.
Der Markt geht weiterhin davon aus, dass die Ausgaben großer Technologiekonzerne für Rechenzentren, Halbleiter und KI-Infrastruktur in den kommenden Quartalen auf hohem Niveau bleiben werden.
Diese Entwicklung dürfte insbesondere den Halbleitersektor auch langfristig unterstützen und ist für die kommenden Earnings für Q2 umso wichtiger.
Zwischenfazit
Die Kombination aus einem leicht abkühlenden US-Arbeitsmarkt, stabileren Inflations- und Konjunkturdaten in Europa, einer weiterhin ruhigen Lage am Ölmarkt sowie einer nachlassenden Zinssorgen führte letztendlich zu einem klaren Risk-On-Umfeld.
Aktienmärkte weltweit konnten deutlich zulegen, Gold profitierte von sinkenden Zinserwartungen, während der US-Dollar einen Teil seiner jüngsten Stärke wieder abgab.
Für die kommende Handelswoche wird nun entscheidend sein, ob sich diese Entwicklung fortsetzt oder neue Inflationsdaten beziehungsweise Aussagen der Notenbanken erneut für Gegenwind sorgen.
Märkte & Korrelationen im Überblick
US Oil
Am Ölmarkt setzte sich die Abwärtsbewegung in dieser Woche weiter fort. WTI verlor auf Wochenbasis rund 2,7 % und schloss bei 68,4 US-Dollar. Damit notiert der Ölpreis direkt wieder unter dem Quartalstief sowie unter dem Monatstief vom Juni. Charttechnisch bleibt das Bild damit zunächst klar bearish.
Aus fundamentaler Sicht passt diese Entwicklung ebenfalls zum Gesamtbild der Woche. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben sich zwar keineswegs vollständig aufgelöst, der Markt preist aktuell jedoch eine deutlich geringere Eskalationswahrscheinlichkeit ein. Gleichzeitig bleibt die Straße von Hormus geöffnet und auch die iranischen Ölexporte laufen nahezu unverändert weiter. Dadurch verschwindet ein Großteil der zuvor eingepreisten geopolitischen Risikoprämie.
Nichtsdestotrotz bleibe ich bei meiner Einschätzung der vergangenen Wochen. Sollte sich die Situation zwischen Iran, Israel oder den USA erneut verschärfen, besitzt der Ölmarkt enormes Potenzial für einen schnellen Short Squeeze. Die aktuelle Positionierung vieler Marktteilnehmer wirkt mittlerweile sehr einseitig.
Charttechnisch bleiben für mich insbesondere drei Preisbereiche entscheidend. Zunächst das ehemalige Monatstief vom März bei rund 69,20 US-Dollar, anschließend der Bereich um 68,60 US-Dollar als Monatstief vom Juni sowie darüber die wichtige Widerstandszone um 72 US-Dollar, an welcher sowohl der Jahreseröffnungs- als auch der Jahresschlusskurs der vergangenen Jahre verläuft.
Solange Öl unterhalb dieser Marken notiert, bleibt der kurzfristige Trend klar abwärtsgerichtet.
US-Staatsanleihen
Die US-Staatsanleihen entwickelten sich in dieser Woche erneut leicht positiv.
Die Renditen stiegen über nahezu alle Laufzeiten hinweg moderat an.
• 3-jährige Staatsanleihen: +1,70 %
• 5-jährige Staatsanleihen: +2,46 %
• 10-jährige Staatsanleihen: +2,75 %
• 30-jährige Staatsanleihen: +2,53 %
Damit notieren die Renditen weiterhin auf einem historisch hohen Niveau.
Dies zeigt sehr deutlich, dass der Markt trotz der schwächeren Arbeitsmarktdaten noch immer von einer vergleichsweise restriktiven Geldpolitik ausgeht. Zwar wurden nach den NFP-Daten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen etwas zurückgenommen, dennoch bleibt das Zinsniveau insgesamt hoch.
Besonders interessant war die Marktreaktion unmittelbar nach Veröffentlichung der NFP-Daten. Kurzfristig fielen die Renditen deutlich, bevor sich der Anleihemarkt im weiteren Verlauf der Sitzung wieder stabilisierte. Insgesamt ergibt sich dadurch weiterhin das Bild einer vorsichtigen, aber keineswegs panischen Neubewertung der Zinserwartungen.
Für die kommenden Wochen bleibt der Anleihemarkt einer der wichtigsten Indikatoren überhaupt. Sollten die Renditen nachhaltig zurückkommen, dürfte dies insbesondere Wachstumswerte und den Technologiesektor weiter unterstützen.
US-Dollar (DXY)
Der US-Dollar zeigte nach mehreren starken Wochen erstmals wieder deutliche Schwäche.
Auf Wochenbasis verlor der Dollar-Index rund 0,5 % und schloss bei 100,887 Punkten.
Besonders wichtig war dabei der technische Verlauf. Der Versuch, die Marke von 101,50 Punkten nachhaltig zu überwinden, scheiterte erneut. Im Anschluss fiel der DXY sogar wieder unter die psychologisch wichtige 101-Punkte-Marke zurück.
Genau dieses Szenario hatte ich bereits im Laufe der Woche mehrfach angesprochen.
Nun entscheidet sich, ob der Bereich zwischen 100,50 und 100,65 Punkten als Unterstützung dient oder ob der Dollar erneut vollständig in seine übergeordnete Jahresrange zurückfällt.
Fundamental passt diese Entwicklung hervorragend zur Marktreaktion auf die NFP-Daten. Schwächere Beschäftigungszahlen erhöhen die Hoffnung auf eine weniger restriktive Federal Reserve. Dadurch verlieren Zinserhöhungen an Wahrscheinlichkeit, was den US-Dollar unmittelbar belastet.
Sollte sich dieses Bild in den kommenden Wochen durch weitere schwächere Konjunkturdaten bestätigen, könnte der Dollar seine Korrektur zunächst fortsetzen.
Gelingt dagegen erneut der Sprung über 101 Punkte, dürfte der Fokus wieder auf dem Bereich um 102 Punkte liegen.
Volatilitätsindex (VIX)
Auch der Volatilitätsindex bestätigte in dieser Woche das insgesamt konstruktive Marktumfeld.
Der VIX verlor auf Wochenbasis rund 13 % und schloss bei lediglich 16,15 Punkten.
Damit bleibt die implizite Volatilität weiterhin deutlich unter der wichtigen Marke von 20 Punkten.
Historisch spricht ein derart niedriger VIX für eine hohe Risikobereitschaft institutioneller Anleger und bestätigt aktuell das bestehende Risk-On-Umfeld.
Natürlich bedeutet ein niedriger VIX niemals, dass keine Korrektur eintreten kann. Dennoch zeigt er aktuell sehr deutlich, dass die Marktteilnehmer kurzfristig keine außergewöhnlichen Risiken einpreisen.
In Kombination mit den schwächeren NFP-Daten, dem nachgebenden US-Dollar sowie den weiterhin stabilen Ölpreisen ergibt sich damit ein insgesamt konstruktives Umfeld für Risikoanlagen.
Zwischenfazit
Betrachtet man Öl, Staatsanleihen, Dollar und Volatilität gemeinsam, ergibt sich aktuell ein sehr interessantes Gesamtbild.
Der Ölpreis bleibt trotz geopolitischer Risiken niedrig, der Dollar verliert nach den Arbeitsmarktdaten an Stärke, der VIX signalisiert weiterhin eine hohe Risikobereitschaft und die Renditen bewegen sich zwar auf erhöhtem Niveau, konnten ihre jüngste Dynamik jedoch nicht weiter beschleunigen.
Genau diese Kombination erklärt, weshalb sich Aktienmärkte weltweit in dieser Woche so stark entwickeln konnten. Insbesondere europäische Indizes wie der DAX profitierten von diesem Umfeld überdurchschnittlich stark.
Risk Assets im Überblick
Nvidia
Der KI-Sektor blieb auch in dieser Woche einer der spannendsten Bereiche am Aktienmarkt. Nvidia konnte die Handelswoche zwar mit einem leichten Plus von rund 1,15 % beenden, das kurzfristige charttechnische Bild bleibt jedoch weiterhin angeschlagen.
Seit dem Allzeithoch hat die Aktie mittlerweile rund 17,5 % korrigiert und schafft es bislang nicht, die psychologisch wichtige Marke bei 200 US-Dollar nachhaltig zurückzuerobern. Genau diese Zone bleibt kurzfristig der entscheidende Widerstand.
Auf der Unterseite richtet sich mein Fokus weiterhin auf den Bereich um 190 US-Dollar. Sollte diese Unterstützung nicht halten, öffnet sich aus meiner Sicht der Weg in Richtung 186 US-Dollar und im weiteren Verlauf sogar bis in den Bereich um 180 US-Dollar.
Nichtsdestotrotz sollte man den langfristigen Trend nicht aus den Augen verlieren. Übergeordnet befindet sich Nvidia weiterhin klar in einem intakten Aufwärtstrend. Die strukturellen Wachstumstreiber rund um künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Halbleiter bleiben vollständig erhalten. Kurzfristig sehen wir aktuell lediglich eine gesunde Konsolidierung innerhalb dieses langfristigen Trends.
Erst ein nachhaltiger Ausbruch über 200 US-Dollar würde das technische Bild wieder deutlich aufhellen und Raum für eine Bewegung in Richtung der bisherigen Hochs schaffen.
Bitcoin
Bitcoin zeigte in dieser Woche erstmals seit längerer Zeit wieder deutliche relative Stärke.
Nachdem zu Wochenbeginn nochmals Tiefststände um 57.850 US-Dollar getestet wurden, gelang den Käufern eine schnelle Stabilisierung. Bereits zur Wochenmitte konnte sich Bitcoin wieder oberhalb von 60.000 US-Dollar etablieren und durchbrach anschließend sogar die wichtige Marke bei 61.000 US-Dollar.
Damit wurden inzwischen drei aufeinanderfolgende bullische Tageskerzen ausgebildet.
Auf Wochenbasis notiert Bitcoin aktuell rund 5 % im Plus.
Trotz dieser kurzfristigen Erholung bleibt mein übergeordnetes Bild jedoch unverändert vorsichtig. Die langfristige Marktstruktur ist erst dann wieder klar bullisch, wenn die nächsten relevanten Widerstände zurückerobert werden.
Hier stehen insbesondere folgende Marken im Fokus:
• 65.000 US-Dollar (Monatstief März)
• 65.700 US-Dollar (Monatstief April)
• 67.000 US-Dollar als nächster größerer Widerstandsbereich.
Erst oberhalb dieser Preiszonen würde sich das langfristige Chartbild wieder deutlich verbessern.
Bis dahin werte ich die aktuelle Bewegung weiterhin als technische Erholung innerhalb einer übergeordneten Konsolidierung.
S&P 500
Der S&P 500 konnte die Handelswoche trotz zwischenzeitlicher Schwankungen mit einem Wochenplus von rund 1,8 % abschließen.
Besonders positiv ist dabei, dass sich der Index oberhalb der wichtigen Unterstützung um 7.500 Punkte stabilisieren konnte.
Die schwächeren US-Arbeitsmarktdaten sorgten dafür, dass sich die Zinserwartungen leicht entspannten und dadurch erneut Kapital in den breiten Aktienmarkt floss.
Das übergeordnete Bild bleibt damit weiterhin konstruktiv.
Die nächsten entscheidenden Ziele bleiben aus meiner Sicht die bisherigen Allzeithochs im Bereich um 7.600-7.700 Punkte.
Solange der Bereich um 7.400 Punkte verteidigt wird, bleibt der mittelfristige Aufwärtstrend vollständig intakt.
Nasdaq
Der Nasdaq zeigte sich in dieser Woche etwas schwächer als der Dow Jones oder der DAX, konnte die Woche jedoch ebenfalls mit einem Plus von rund 1,4 % beenden.
Technisch bleibt das Bild nahezu unverändert.
Die Marke bei 30.000 Punkten stellt weiterhin den entscheidenden Widerstand dar.
Auf der Unterseite bleibt insbesondere der Bereich um 29.500 Punkte kurzfristig wichtig, während das übergeordnete Strukturtief bei rund 28.800 Punkten weiterhin als entscheidende Unterstützung dient.
Sollte der Nasdaq die Zone zwischen 30.600 und 30.700 Punkten nachhaltig überwinden, würde sich das Chartbild deutlich verbessern und neue Allzeithochs rücken wieder in den Fokus.
Bis dahin bleibt der Technologiesektor kurzfristig etwas anfälliger als die übrigen US-Indizes.
US30 (Dow Jones)
Der Dow Jones gehörte auch in dieser Woche erneut zu den stärksten großen Indizes weltweit.
Mit einem Wochenplus von rund 1,9 % wurden neue Allzeithochs erreicht und zeitweise sogar die Marke von 53.150 Punkten überschritten.
Besonders bemerkenswert war dabei die enorme relative Stärke gegenüber dem Nasdaq.
Während Technologiewerte weiterhin unter Gewinnmitnahmen litten, floss Kapital verstärkt in klassische Industrie- und Standardwerte.
Der Wochenschlusskurs bei rund 52.923 Punkten bestätigt den weiterhin intakten Aufwärtstrend.
Solange keine deutliche Schwäche unterhalb der jüngsten Ausbruchszone auftritt, bleibt der Dow Jones für mich einer der stärksten internationalen Leitindizes.
DAX – Charttechnischer Wochenrückblick
Der DAX war ohne Zweifel der stärkste große Aktienindex dieser Handelswoche.
Mit einem Wochenplus von rund 4,8 % gelang dem deutschen Leitindex der Ausbruch auf ein neues Allzeithoch – erstmals seit dem 13. Januar 2026.
Besonders beeindruckend war dabei die Dynamik des Anstiegs.
Innerhalb kurzer Zeit wurden nahezu sämtliche relevanten Widerstände überwunden.
Sowohl die Jahreshochs als auch die Quartalshochs sowie sämtliche bisherigen Allzeithochs wurden mit außergewöhnlich starkem Momentum nach oben durchbrochen.
Der Wochenschlusskurs bei rund 25.814 Punkten markiert gleichzeitig den höchsten Wochenschluss der DAX-Geschichte.
Fundamental wurde diese Bewegung gleich von mehreren Faktoren unterstützt.
Zum einen sorgten die schwächeren US-Arbeitsmarktdaten für sinkende Zinserwartungen. Zum anderen entwickelten sich die europäischen Inflationsdaten besser als erwartet und die Konjunkturdaten fielen ebenfalls leicht besser als erwartet aus. Hinzu kamen die Entspannung am Ölmarkt sowie das Ausbleiben weiterer geopolitischer Eskalationen.
Diese Kombination schuf ein nahezu ideales Umfeld für europäische Aktien.
Trotz des ausgesprochen bullischen Gesamtbildes sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der DAX historisch betrachtet nach neuen Allzeithochs häufig zunächst deutliche Gewinnmitnahmen gesehen hat.
Das bedeutet keineswegs, dass sich dieses Szenario zwangsläufig wiederholen muss.
Dennoch werde ich in den kommenden Handelstagen genau beobachten, ob der Bereich um die ehemaligen Allzeithochs erfolgreich als neue Unterstützung bestätigt werden kann.
Gelingt dieser Retest, würde dies den Ausbruch zusätzlich bestätigen und den Weg für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends ebnen.
Aktuell spricht das außergewöhnlich starke Momentum jedoch klar für die Käuferseite.
Fazit der Woche
KW27 markierte einen wichtigen Wendepunkt für die Finanzmärkte.
Die Kombination aus einem sich leicht abschwächenden US-Arbeitsmarkt, stabilen Inflationsdaten, einer Entspannung im Nahen Osten und sinkenden Zinserwartungen führte zu einer deutlichen Verbesserung der Marktstimmung.
Besonders europäische Aktien profitierten von diesem Umfeld überdurchschnittlich stark. Der DAX erreichte neue Allzeithochs, der Dow Jones setzte seinen Aufwärtstrend fort und auch der S&P 500 bleibt konstruktiv.
Für die kommenden Wochen richtet sich der Fokus nun zunehmend auf die anstehende Q2-Earnings-Season. Vor allem die Ergebnisse der großen Technologieunternehmen dürften darüber entscheiden, ob die aktuelle Risk-On-Phase weiter Bestand hat oder ob es nach den starken Kursanstiegen zunächst zu einer größeren Konsolidierung kommt.
Insgesamt überwiegt aus meiner Sicht nach wie vor das bullische Gesamtbild. Dennoch gilt es nach den dynamischen Anstiegen insbesondere im DAX aufmerksam zu bleiben. Rücksetzer und Gewinnmitnahmen wären nach einer derart starken Woche keineswegs ungewöhnlich, würden den übergeordneten Aufwärtstrend aktuell jedoch noch nicht infrage stellen.
Keine Anlageberatung – ausschließlich meine persönliche Markteinschätzung.
Wünsch euch ein schönes Wochenende!
Verbundene Veröffentlichungen
Haftungsausschluss
Die Informationen und Veröffentlichungen sind nicht als Finanz-, Anlage-, Handels- oder andere Arten von Ratschlägen oder Empfehlungen gedacht, die von TradingView bereitgestellt oder gebilligt werden, und stellen diese nicht dar. Lesen Sie mehr in den Nutzungsbedingungen.
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