DAX Index
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Pullback-Trading im DAX-Universum – Teil 3

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Relative Stärke nach IBD-Logik: Wie man echte Leader von durchschnittlichen Aktien unterscheidet

Im zweiten Teil dieser Serie ging es um den Stage-2-Aufwärtstrend.

Die wichtigste Aussage war:

Ein Pullback ist nur dann interessant, wenn er innerhalb eines intakten Aufwärtstrends entsteht.

Doch ein Aufwärtstrend allein reicht nicht aus.

Gerade im DAX-Universum – also DAX, MDAX, SDAX und TecDAX – gibt es viele Aktien, die zwar technisch in Ordnung aussehen, aber trotzdem keine echten Leader sind.

Deshalb brauchen wir einen zweiten wichtigen Filter:

Relative Stärke.

Relative Stärke hilft uns zu erkennen, welche Aktien besser laufen als der Markt, welche Werte institutionelle Nachfrage zeigen könnten und welche Aktien nur durchschnittlich mit dem Gesamtmarkt mitschwimmen.

Die Grundidee lautet:

Nicht die billigsten Aktien suchen.
Nicht die bekanntesten Aktien kaufen.
Sondern die stärksten Aktien identifizieren.

Denn die besten Pullback-Setups entstehen meistens nicht in schwachen Aktien.

Sie entstehen in Aktien, die bereits vorher gezeigt haben, dass Käufer bereit sind, höhere Preise zu bezahlen.

1. WAS BEDEUTET RELATIVE STÄRKE?

Relative Stärke bedeutet vereinfacht:

Eine Aktie entwickelt sich besser als ihr Vergleichsmarkt.

Für deutsche Aktien kann dieser Vergleichsmarkt zum Beispiel sein:

DAX
MDAX
SDAX
TecDAX
ein Sektorindex
oder ein breiter Benchmark aus dem deutschen Aktienmarkt

Eine Aktie zeigt relative Stärke, wenn sie zum Beispiel:

steigt, während der Markt seitwärts läuft
kaum fällt, während der Markt korrigiert
schneller neue Hochs erreicht als der Gesamtmarkt
oberhalb wichtiger Durchschnitte bleibt, während viele andere Aktien diese brechen
nach Rücksetzern schneller wieder gekauft wird
nahe am Jahreshoch bleibt, obwohl der Markt unter Druck steht

Relative Stärke bedeutet also nicht einfach, dass eine Aktie steigt.

Sie bedeutet:

Die Aktie verhält sich besser als ihr Umfeld.

Und genau das ist für Pullback-Trader entscheidend.

2. WARUM RELATIVE STÄRKE SO WICHTIG IST

Viele Trader machen den Fehler, Aktien zu kaufen, weil sie stark gefallen sind.

Die Argumentation lautet oft:

Die Aktie war früher viel höher.
Die Aktie ist jetzt günstiger.
Die Aktie muss sich doch irgendwann erholen.
Der Rücksetzer ist bestimmt eine Chance.

Das kann funktionieren.

Aber es ist nicht die Logik eines hochwertigen Pullback-Trades.

Ein Minervini-inspirierter Pullback beginnt nicht mit Schwäche, sondern mit Stärke.

Wir suchen Aktien, die bereits beweisen, dass Nachfrage vorhanden ist.

Relative Stärke zeigt uns, wo Kapital bevorzugt hinfließt.

Wenn eine Aktie aus dem MDAX steigt, während der MDAX seitwärts läuft, ist das ein Hinweis auf Stärke.

Wenn eine TecDAX-Aktie nahe am Hoch bleibt, während der TecDAX korrigiert, ist das ebenfalls interessant.

Wenn eine DAX-Aktie neue Hochs markiert, obwohl viele andere DAX-Werte schwach sind, sollte man aufmerksam werden.

Relative Stärke ist deshalb ein Filter für Leadership.

Sie hilft uns, echte Marktführer von durchschnittlichen Mitläufern zu unterscheiden.

3. RELATIVE STÄRKE IST NICHT DASSELBE WIE RSI

Ein wichtiger Punkt:

Relative Stärke ist nicht automatisch der RSI.

Der RSI misst, ob eine Aktie kurzfristig überkauft oder überverkauft ist.

Relative Stärke im Sinne dieser Serie meint etwas anderes:

Wie stark verhält sich eine Aktie im Vergleich zu ihrem Markt oder Benchmark?

Eine Aktie kann einen hohen RSI haben und trotzdem kein echter Leader sein.

Umgekehrt kann eine Aktie in einem gesunden Aufwärtstrend konsolidieren, ohne kurzfristig stark überkauft zu sein, aber trotzdem relative Stärke zeigen.

Für Pullback-Trading interessiert mich vor allem:

hält sich die Aktie besser als der Markt?
bleibt sie näher am Hoch?
fällt sie weniger stark?
erholt sie sich schneller?
bildet sie höhere Tiefs, während der Markt schwach bleibt?
zeigt sie neue Hochs vor dem Index?

Das ist eine andere Denkweise als klassisches Überkauft-/Überverkauft-Trading.

Wir wollen nicht automatisch verkaufen, nur weil eine Aktie stark ist.

Und wir wollen nicht automatisch kaufen, nur weil eine Aktie gefallen ist.

Wir wollen Stärke erkennen – und dann auf eine kontrollierte Einstiegschance warten.

4. DIE IBD-INSPIRIERTE RELATIVE-STÄRKE-METHODIK

Für meine Analyse nutze ich eine IBD-inspirierte Näherung der relativen Stärke.

Dabei wird nicht nur eine einzige Performance-Periode betrachtet.

Stattdessen werden mehrere Zeiträume kombiniert:

40 % = Performance der letzten 3 Monate
20 % = Performance der letzten 6 Monate
20 % = Performance der letzten 9 Monate
20 % = Performance der letzten 12 Monate

Als Formel:

RS Score =
0,40 × Performance 3M
+ 0,20 × Performance 6M
+ 0,20 × Performance 9M
+ 0,20 × Performance 12M

Der Vorteil dieser Methode:

Die jüngere Kursentwicklung wird stärker gewichtet, aber die längere Entwicklung wird nicht komplett ignoriert.

Das passt sehr gut zum Pullback-Trading.

Warum?

Weil wir Aktien suchen, die jetzt Stärke zeigen, aber nicht nur durch eine kurzfristige Bewegung auffallen.

Eine Aktie, die in den letzten 3 Monaten stark war, aber auch über 6, 9 und 12 Monate solide aussieht, ist oft interessanter als eine Aktie, die nur kurzfristig nach einem Absturz hochspringt.

Wichtig:

Das ist keine exakte Nachbildung des offiziellen IBD RS Ratings.

Es ist eine praktische, IBD-inspirierte Näherung für die eigene Chartanalyse auf TradingView.

5. WARUM DIE JÜNGERE PERFORMANCE STÄRKER GEWICHTET WIRD

Die Gewichtung von 40 % auf die letzten 3 Monate ist besonders wichtig.

Denn im Trading interessiert uns nicht nur, welche Aktie vor einem Jahr stark war.

Uns interessiert, welche Aktie jetzt vom Markt bevorzugt wird.

Eine Aktie kann früher ein Leader gewesen sein, aber heute bereits Schwäche zeigen.

Umgekehrt kann eine Aktie gerade erst beginnen, relative Stärke aufzubauen.

Durch die stärkere Gewichtung der 3-Monats-Performance erkennt man solche Veränderungen schneller.

Die 6-, 9- und 12-Monats-Performance sorgen gleichzeitig dafür, dass die Analyse nicht zu kurzfristig wird.

So entsteht ein ausgewogener Blick:

kurzfristige Stärke zählt stärker
mittelfristige Stärke bleibt wichtig
langfristige Entwicklung wird berücksichtigt
kurzfristige Zufallsbewegungen werden etwas geglättet

Für Pullback-Trader ist das hilfreich, weil wir keine alten Geschichten kaufen wollen.

Wir suchen aktuelle Leadership.

6. MEIN TRADINGVIEW-INDIKATOR: DAX UNIVERSE IBD-STYLE RELATIVE STRENGTH [JS]

Um diese Methodik im Chart sichtbar zu machen, habe ich einen eigenen TradingView-Indikator entwickelt:

DAX Universe IBD-Style Relative Strength [JS]

Der Indikator berechnet zunächst den gewichteten RS Score der jeweiligen Aktie.

Danach vergleicht er diesen Score mit einem gleichgewichteten Benchmark aus:

DAX
MDAX
SDAX
TecDAX

Dadurch entsteht ein breiter Vergleichsmaßstab für deutsche Aktien.

Die Idee dahinter:

Eine Aktie soll nicht nur besser laufen als ein einzelner Index.

Sie soll besser laufen als das breitere deutsche Aktienuniversum.

TradingView-Link zum Indikator:

[HIER DEINEN TRADINGVIEW-LINK EINFÜGEN]

7. WIE DER INDIKATOR INTERPRETIERT WIRD

Der Indikator zeigt eine Relative-Stärke-Linie gegenüber dem DAX-Universum.

Die einfache Interpretation:

Linie über 0

Die Aktie ist auf Basis der gewichteten 3-, 6-, 9- und 12-Monats-Performance stärker als der Benchmark aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.

Das ist ein Hinweis auf relative Stärke.

Linie unter 0

Die Aktie ist schwächer als der Benchmark.

Das ist ein Hinweis auf relative Schwäche.

Solche Aktien sind für Pullback-Trading weniger interessant, solange sich die Struktur nicht verbessert.

Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt

Die relative Stärke verbessert sich.

Das kann ein frühes Zeichen sein, dass eine Aktie wieder Aufmerksamkeit verdient.

Linie unter ihrem gleitenden Durchschnitt

Die relative Stärke schwächt sich ab.

Das ist besonders dann ein Warnsignal, wenn gleichzeitig der Kurs unter wichtige gleitende Durchschnitte fällt.

8. DER INDIKATOR IST EIN FILTER, KEIN KAUFSIGNAL

Wichtig ist:

Der DAX Universe IBD-Style Relative Strength Indikator ist kein eigenständiges Kaufsignal.

Er sagt nicht:

Jetzt kaufen.

Er sagt nur:

Diese Aktie läuft stärker oder schwächer als das DAX-Universum.

Das ist ein großer Unterschied.

Für meine Pullback-Analyse nutze ich den Indikator als Filter.

Er hilft mir, die richtigen Aktien auf die Watchlist zu setzen.

Der eigentliche Einstieg entsteht erst später durch:

Stage-2-Struktur
konstruktiven Pullback
abnehmenden Verkaufsdruck
enger werdende Tagesranges
klaren Pivot
definierten Stop
sinnvolles Chance-Risiko-Verhältnis

Relative Stärke bringt die Aktie auf die Watchlist.

Der Pullback liefert die Chance.

Der Pivot entscheidet über den Einstieg.

9. EIN EINFACHES BEISPIEL

Angenommen, das DAX-Universum entwickelt sich über mehrere Monate nur mäßig.

Der DAX läuft seitwärts.
Der MDAX bleibt schwach.
Der SDAX korrigiert.
Der TecDAX zeigt nur leichte Erholung.

Eine bestimmte Aktie steigt in diesem Umfeld jedoch deutlich stärker.

Über 3 Monate liegt sie klar vorne.
Über 6 Monate bleibt sie stabil stark.
Über 9 und 12 Monate zeigt sie ebenfalls eine positive Entwicklung.

Der gewichtete RS Score dieser Aktie liegt damit über dem Benchmark.

Was sagt uns das?

Es sagt uns nicht, dass die Aktie sofort gekauft werden muss.

Aber es sagt uns:

Diese Aktie zeigt Leadership.

Sie wird vom Markt stärker nachgefragt als viele andere deutsche Aktien.
Sie bleibt auf relativer Basis attraktiv.
Sie könnte bei einem kontrollierten Pullback ein interessanter Kandidat werden.

Wenn diese Aktie danach einen engen Rücksetzer bildet, das Volumen abnimmt und ein kleiner Pivot entsteht, kann daraus ein hochwertiges Setup werden.

Der entscheidende Punkt ist:

Die Aktie wird nicht interessant, weil sie gefallen ist.

Sie wird interessant, weil sie vorher stärker war als der Markt.

10. WORAN MAN RELATIVE STÄRKE IM CHART ERKENNT

Relative Stärke lässt sich auch ohne Indikator erkennen.

Typische Zeichen sind:

Aktie nahe am 52-Wochen-Hoch
Index noch deutlich unter seinem Hoch
Aktie oberhalb der 50-Tage-Linie
Markt unter oder nahe der 50-Tage-Linie
Aktie macht höhere Tiefs
Markt macht tiefere Tiefs
Aktie fällt im Pullback weniger stark
Aktie erholt sich schneller nach Marktschwäche
Aktie bricht vor dem Index auf neue Hochs aus
Rücksetzer werden schnell gekauft

Der IBD-Style RS Indikator macht diese Beobachtung zusätzlich sichtbar.

Er hilft mir, den subjektiven Eindruck aus dem Chart mit einer systematischeren Messung zu ergänzen.

Besonders stark ist eine Aktie, wenn sie während einer allgemeinen Marktkorrektur kaum nachgibt und der RS Indikator stabil bleibt oder sogar steigt.

Solche Aktien gehören auf die Watchlist.

Nicht zwingend sofort ins Depot.

Aber auf die Watchlist.

11. RELATIVE STÄRKE VOR DEM PULLBACK

Für Pullback-Trading ist nicht nur wichtig, ob eine Aktie irgendwann einmal stark war.

Wichtig ist, ob sie vor dem Pullback Stärke gezeigt hat.

Ein guter Ablauf sieht oft so aus:

Aktie befindet sich in Stage 2
Aktie zeigt einen positiven IBD-Style RS Score gegenüber dem DAX-Universum
Die RS-Linie liegt über 0
Die RS-Linie liegt idealerweise über ihrem gleitenden Durchschnitt
Aktie erreicht ein neues Hoch oder Mehrmonatshoch
Danach folgt ein kontrollierter Rücksetzer
Die Aktie fällt weniger stark als der Markt
Volumen nimmt im Pullback ab
Ein kleiner Pivot entsteht
Der Einstieg erfolgt erst bei neuer Stärke nach oben

Das ist ein völlig anderes Setup als eine Aktie, die monatelang schwach war und dann einfach nur gefallen ist.

Der Pullback ist nur dann interessant, wenn vorher Stärke vorhanden war.

Ohne relative Stärke fehlt oft der wichtigste Hinweis auf Leadership.

12. WIE MAN SCHWACHE AKTIEN AUSSORTIERT

Relative Stärke hilft nicht nur, gute Aktien zu finden.

Sie hilft auch, schlechte Kandidaten auszusortieren.

Eine Aktie ist für Pullback-Trading weniger interessant, wenn sie:

schwächer läuft als das DAX-Universum
einen negativen IBD-Style RS Wert zeigt
unter der 50-Tage-Linie handelt
unter der 200-Tage-Linie handelt
weit vom 52-Wochen-Hoch entfernt ist
bei Marktschwäche stärker fällt als der Benchmark
bei Markterholungen kaum mitsteigt
immer wieder an der 50- oder 200-Tage-Linie scheitert
keine höheren Hochs bildet
keine höheren Tiefs hält
bei roten Tagen hohes Volumen zeigt

Solche Aktien können irgendwann drehen.

Aber sie sind meistens keine idealen Pullback-Kandidaten.

Der Unterschied ist wichtig:

Eine schwache Aktie kann irgendwann eine Turnaround-Chance werden.

Aber ein Pullback-Setup im Sinne dieser Serie sucht Stärke innerhalb eines bestehenden Aufwärtstrends.

13. STÄRKE WÄHREND MARKTSCHWÄCHE IST BESONDERS WERTVOLL

Die besten Leader erkennt man oft nicht in starken Marktphasen.

In einem starken Markt steigen viele Aktien.

Auch durchschnittliche Aktien können dann gut aussehen.

Der echte Test kommt, wenn der Markt schwächer wird.

Dann zeigt sich:

welche Aktien stark verkauft werden
welche Aktien nur leicht korrigieren
welche Aktien ihre 50-Tage-Linie halten
welche Aktien nahe am Hoch bleiben
welche Aktien schnell wieder Käufer finden
welche Aktien trotz Marktschwäche einen stabilen RS Score zeigen

Eine Aktie, die während einer Korrektur im DAX-Universum kaum fällt, verdient Aufmerksamkeit.

Wenn sie danach als eine der ersten Aktien wieder auf neue Hochs ausbricht, ist das ein starkes Signal.

Viele gute Pullback-Setups entstehen genau in solchen Situationen:

Der Markt korrigiert.
Die stärksten Aktien halten sich gut.
Dann dreht der Markt nach oben.
Die Leader starten zuerst.

Deshalb lohnt es sich, während schwacher Marktphasen eine Watchlist mit relativen Stärke-Kandidaten zu führen.

14. RELATIVE STÄRKE UND DER STAGE-2-FILTER

Relative Stärke allein reicht nicht.

Eine Aktie kann kurzfristig stärker sein als der Markt, sich aber trotzdem in einer unklaren Struktur befinden.

Deshalb kombiniere ich relative Stärke immer mit dem Stage-2-Filter aus Teil 2.

Ein gutes Setup braucht idealerweise beides:

Stage 2:
Die Aktie befindet sich in einem konstruktiven Aufwärtstrend.

Relative Stärke:
Die Aktie läuft besser als das DAX-Universum.

Wenn beides zusammenkommt, wird es interessant.

Noch besser ist es, wenn danach ein kontrollierter Pullback entsteht.

Die Reihenfolge lautet:

Stage-2-Aufwärtstrend
IBD-Style Relative Stärke
Kontrollierter Pullback
Klarer Pivot
Einstieg mit definiertem Risiko

Diese Reihenfolge schützt uns davor, schwache Aktien zu kaufen, nur weil sie billig aussehen.

15. EIN PRAKTISCHER VERGLEICH

Stellen wir uns zwei Aktien aus dem DAX-Universum vor.

Aktie A
Kurs liegt über der 50-Tage-Linie
Kurs liegt über der 200-Tage-Linie
Aktie ist nahe am 52-Wochen-Hoch
DAX-Universum korrigiert, Aktie fällt kaum
IBD-Style RS Linie liegt über 0
RS-Linie liegt über ihrem gleitenden Durchschnitt
Pullback ist eng und kontrolliert
Volumen nimmt im Rücksetzer ab
kleiner Pivot entsteht

Diese Aktie gehört auf die Watchlist.

Aktie B
Kurs liegt unter der 50-Tage-Linie
Kurs liegt unter der 200-Tage-Linie
Aktie ist weit vom 52-Wochen-Hoch entfernt
DAX-Universum korrigiert leicht, Aktie fällt stark
IBD-Style RS Linie liegt unter 0
RS-Linie fällt
Erholungen scheitern schnell
hohes Verkaufsvolumen
kein klarer Pivot

Diese Aktie ist kein A-Setup.

Vielleicht wird sie irgendwann interessant.

Aber aktuell zeigt sie keine Leadership.

Für Pullback-Trading ist Aktie A deutlich interessanter.

Nicht weil sie billiger ist.

Sondern weil sie stärker ist.

16. DIE RELATIVE-STÄRKE-CHECKLISTE

Bevor ich einen Pullback-Trade im DAX-Universum plane, stelle ich mir folgende Fragen:

Läuft die Aktie stärker als das DAX-Universum?
Ist der IBD-Style RS Wert positiv?
Liegt die RS-Linie über 0?
Liegt die RS-Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt?
Steigt der gleitende Durchschnitt der RS-Linie?
Ist die Aktie über 3 Monate stärker als der Markt?
Ist die Aktie auch über 6, 9 und 12 Monate stabil?
Liegt die Aktie näher am 52-Wochen-Hoch als der Gesamtmarkt?
Hält die Aktie die 50-Tage-Linie besser als der Markt?
Fällt die Aktie in schwachen Marktphasen weniger stark?
Erholt sich die Aktie schneller nach Rücksetzern?
Entsteht der Pullback nach vorheriger Stärke?
Gibt es einen klaren Pivot für einen möglichen Einstieg?
Ist der Stop logisch definierbar?
Passt das Chance-Risiko-Verhältnis?

Wenn mehrere dieser Punkte fehlen, ist Vorsicht angebracht.

Ein Pullback ohne relative Stärke ist selten ein A-Setup.

17. TYPISCHE FEHLER BEI DER RELATIVEN STÄRKE

Viele Trader interpretieren relative Stärke falsch.

Die häufigsten Fehler sind:

eine stark gefallene Aktie als „günstig“ betrachten
Erholung nach starkem Absturz mit echter Stärke verwechseln
nur auf den RSI schauen
die Aktie nicht mit dem Markt vergleichen
kurzfristige Stärke überbewerten
alte Gewinner kaufen, obwohl sie bereits gebrochen sind
Aktien kaufen, die deutlich unter der 200-Tage-Linie liegen
Pullbacks in schwachen Aktien handeln
relative Schwäche ignorieren, weil die Story gut klingt
einen positiven RS Wert direkt als Kaufsignal interpretieren

Der wichtigste Punkt ist:

Eine gute Story ersetzt keine relative Stärke.

Und relative Stärke ersetzt keinen Einstieg.

Erst wenn Trend, relative Stärke, Pullback, Pivot und Risiko zusammenpassen, entsteht ein handelbares Setup.

18. WAS RELATIVE STÄRKE NICHT BEDEUTET

Relative Stärke bedeutet nicht, dass eine Aktie risikolos ist.

Auch starke Aktien können fallen.
Auch Leader können Fehlsignale liefern.
Auch ein gutes Setup kann scheitern.

Relative Stärke ist kein Kaufsignal.

Sie ist ein Filter.

Sie sagt uns:

Diese Aktie ist stärker als viele andere.
Diese Aktie verdient Aufmerksamkeit.
Diese Aktie könnte bei einem konstruktiven Pullback interessant werden.

Der Einstieg erfolgt aber erst, wenn auch die restlichen Kriterien passen:

Stage-2-Struktur
kontrollierter Rücksetzer
abnehmendes Volumen
enger werdende Tagesranges
klarer Pivot
definierter Stop
sinnvolles Chance-Risiko-Verhältnis

Relative Stärke bringt die Aktie auf die Watchlist.

Der Pivot entscheidet über den Einstieg.

19. FAZIT

Relative Stärke ist einer der wichtigsten Filter im Pullback-Trading.

Sie hilft uns, echte Leader von durchschnittlichen Aktien zu unterscheiden.

Im DAX-Universum ist das besonders wichtig, weil viele bekannte Aktien zwar liquide und prominent sind, aber nicht immer die stärksten Charts zeigen.

Für hochwertige Pullback-Setups suchen wir keine Aktien, die einfach nur gefallen sind.

Wir suchen Aktien, die vorher stark waren, sich besser als der Markt halten und nach einem kontrollierten Rücksetzer wieder nach oben drehen.

Mein Indikator DAX Universe IBD-Style Relative Strength [JS] hilft dabei, diese relative Stärke sichtbar zu machen.

Ein gutes Setup zeigt idealerweise:

Stage-2-Aufwärtstrend
Kurs oberhalb wichtiger Durchschnitte
Nähe zum 52-Wochen-Hoch
positive IBD-Style Relative Stärke gegenüber dem DAX-Universum
RS-Linie über 0
RS-Linie über ihrem gleitenden Durchschnitt
kontrollierter Pullback
abnehmendes Volumen
klarer Pivot
definierter Stop
attraktives Chance-Risiko-Verhältnis

Der wichtigste Satz dieses Artikels lautet:

Relative Stärke bringt die Aktie auf die Watchlist.
Der Pullback liefert die Chance.
Der Pivot entscheidet über den Einstieg.

Im nächsten Teil geht es darum, warum das DAX-Universum anders funktioniert als viele US-Momentum-Aktien – und warum wir Pullback-Setups bei deutschen Aktien an Liquidität, Sektorrotation, Gaps und Nachrichtenrisiken anpassen müssen.

HILFREICHES TOOL AUF TRADINGVIEW

Für die praktische Analyse relativer Stärke nutze ich meinen eigenen TradingView-Indikator:

DAX Universe RS & Volume Quality [JS]


Der Indikator nutzt eine IBD-inspirierte Gewichtung aus 3-, 6-, 9- und 12-Monats-Performance und vergleicht die Aktie mit einem gleichgewichteten Benchmark aus DAX, MDAX, SDAX und TecDAX.

TradingView-Link:

DAX Universe Relative Strength & Volume Quality  [JS]


Wichtig:

Der Indikator ist kein Kaufsignal, sondern ein Filter. Er hilft dabei, potenzielle Leader zu erkennen. Der Einstieg erfolgt erst später über Pullback, Pivot und definiertes Risiko.

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Diese Analyse dient ausschließlich der Weiterbildung und stellt keine Anlageberatung, Kaufempfehlung oder Verkaufsempfehlung dar. Jeder Trader ist für seine eigenen Entscheidungen, sein Risiko-Management und seine Positionsgröße selbst verantwortlich.

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